Was hast denn du für ein Auto?

Oli fährt eine Elektrogondel. Im Interview erzählt er, wie billig so ein Auto ist und wo man es aufladen kann
petra-ebenschwanger

Oli, 19, Fachabiturient Olis Auto gehört zwar nicht wirklich ihm, aber zumindest zur Familie. Seit er offiziell ein Lenkrad bedienen darf, fährt er täglich mit dem Wagen, den sein Vater seit sechs Jahren hat und in den man von hinten einsteigt. Auch ohne Lederhosen zieht er dann ziemlich viele Blicke auf sich.

Oli, so ein Auto wie deines hab ich noch nie gesehen. Das liegt daran, dass es davon nur zehn Anfertigungen gibt, von denen nicht mal mehr alle fahren. Das Auto heißt Saxi und ist ein Elektroauto, das 1996 von einer Schweizer Firma als Prototyp für eine Messe hergestellt wurde. Spritkosten entfallen also schon mal. Wie teuer ist dann überhaupt der Unterhalt? Der ist echt überschaubar. Weil der Wagen abgasfrei ist, zahlen wir auch keine Kfz-Steuer, sondern nur Versicherungskosten. Alle fünf bis sechs Jahre braucht man aber Ersatzbatterien, die kosten zwischen 1000 und 3000 Euro.

Wie funktioniert das mit dem Aufladen? Ich schließe das Auto eigentlich jedes Mal, wenn ich damit gefahren bin, zuhause an die Steckdose außen am Haus an. Wir haben daheim eine Solaranlage auf dem Dach. Was wir von dort an Strom bekommen, speisen wir ins Stromnetz ein und laden dann davon die Batterien auf. Ich schätze, empfehlenswert ist es, die Batterie alle 50 bis 60 Kilometer für etwa zwei Stunden zu laden. Das heißt, längere Strecken sind tabu? Nicht unbedingt! Unter optimalen Bedingungen sind bis zu 100 Kilometer möglich. Mit meinem Vater bin ich damit auch schon nach Tschechien gefahren. Es gibt nämlich ein breites Netzwerk von Elektroautofreaks, die über Websites ihre Adressen verbreiten mit dem Hinweis, das Leute dort gerne ihr Auto aufladen können. Wie schnell fährt so ein Elektroauto? Es hat 20 PS und die Höchstgeschwindigkeit sind 80 km/h, ich hab aber schon 120 geschafft. Wie reagieren die Leute, wenn sie dich damit sehen? Sie freuen sich total, das ist das Schöne. Die meisten werden neugierig und fragen ganz interessiert nach. Das finde ich gut, weil es Aufmerksamkeit auf Elektroautos zieht.

Was hast du im Innenraum verändert? An den Rückspiegel habe ich einen Lavendelbeutel gehängt. Weil es ein Raucherauto ist, kann das ja nicht schaden. Und die Sitzkissen plus Rückenpolster für die drei Beifahrer hat meine Oma genäht. Was gefällt dir an dem Auto? Es ist einfach genial für kürzere Strecken in der Stadt. Ich finde, es ist ein Wahnsinnsauto und einfach super, weil es umweltfreundlich ist, keinen Sprit braucht und viel Platz bietet. Danach sieht es zwar nicht aus, aber ich kann ja fast den gesamten Innenraum voll laden, weil es gebaut ist wie ein Würfel. Außerdem ist es kürzer als ein Smart, also kann ich überall quer einparken! Später will ich mir von meinem eigenen Geld unbedingt auch eins kaufen. Fährt es sich denn anders als ein normaler Benziner? Oh ja, man sitzt auch schon ganz anders drin, wie ein Busfahrer, also ziemlich hoch. Der kurze Radstand hat auch Auswirkungen auf's Fahren. Ich sag mal so, das Auto ist wie eine babyblaue Gondel auf vier Rädern. Bei höherer Geschwindigkeit in engen Kurven ist es wie „Wilde Maus“ fahren!