Was hörst du? Das Radio Alphabet

Was hörst du so? Das jetzt.de-Radioalphabet für junge Zuhörerinnen und Zuhörer
anne-fromm

Nach dem Erfolg des jetzt.de-Radioalphabets für München ist es Zeit für einen hörenden Einblick in die bundesweite Radiowelt

Abgehört
In Zeiten, in denen jeder einen vollgestopften mp3 Player hat, dienen junge Radios vor allem der musikalischen Vorselektion: Was lohnt es sich, anzuhören/anzusehen/zu kaufen? Die Rubrik „Album der Woche“ findet sich wohl in jedem Programm.



Byte.fm
Bei dem Hamburger Internetsender Byte.fm geht es ausschließlich um Musik. 80 DJs erledigen die Arbeit, die in anderen Stationen der Computer übernimmt: Erlesener Handeinsatz statt Heavy Rotation. Die Sendungen heißen „Initiative Herz statt Kommerz“ oder „Lost in the supermarket“ und spielen Auserwähltes von AfroBeats über Soul und Noise. Zwischen 19 und 22 Uhr sendet Byte.fm in Hamburg auch über UKW-Frequenz.

Contemporary Hit Radio
Das Format, das die „Jungen Wilden“, also die 14–29 Jährigen ansprechen soll, heißt im Radiojargon Contemporary Hit Radio. Gespielt wird alles, was aktuell durch die Charts geistert. Beispiele: WDR Eins Live, SWR DASDING, Radio Fritz (RBB), bigFM, Energy.

detektor.fm
Abseits von Dudelfunk und nervigen Jingles setzt das Leipziger Webradio auf guten Journalismus und alternative Popmusik. Vor anderthalb Jahren von drei Uniabsolventen gegründet, sendet detektor.fm täglich zwischen 16 und 19 Uhr live. Dann geht es um Politik, Wirtschaft und Kultur, oft aus einer anderen Perspektive als bei den etablierten Informationskanälen. Vor und nach der Sendung läuft der Musikstream, gefüllt mit Pop, Indie, Elektro und Hip Hop.

Einstimmung
Freitag- und Samstagabend sind Disko-Zeit und werden von jungen Radios zur Einstimmung auf die Partynacht genutzt. Egal ob „1Live Klubbing“, „Dance under the blue Moon“ (Radio Fritz) oder die „Housesession“ (SWR Das Ding) – zwischen Nord- und Bodensee laufen an den Wochenendabenden elektronische Clubsounds.

Freie Radios
„Learning by doing“ ist hier das Motto. In den meisten Städten funken junge Leute über freie Radios. Jugendsendungen, Musik oder Campus – den Themen sind hier keine Grenzen gesetzt. Beispiele: Lohro in Rostock, Radio F.R.E.I. in Erfurt und StHörfunk in Schwäbisch Hall.

Hirn will Arbeit
DRadio Wissen ist die dritte und jüngste Welle des Deutschlandradios, die ausschließlich im Internet stattfindet: Livestream, Podcast und Redaktionsblog. Eine UKW-Frequenz gibt es nicht. Dabei geht es um alles, was wissenswert ist: Von aktueller Politik, über Weltreligionen, Literatur, Alltagswissen und Astronomie. Im Viertelstundentakt laufen abwechselnd Welt- und Wissensnachrichten. Der Altersdurchschnitt der Redaktion liegt um die 30 und an solche Hörer richtet sich auch das Programm: jung, gut gebildet und neugierig.

Information
Vor allem bei den Formatradios (siehe CHR) ist der Wortanteil zweitrangig: Nachrichten werden auf Schlagzeilenlänge gestutzt und Beiträge überschreiten selten die magische Grenze von 1:30 Minuten. Anders sieht das bei den Programmradios (siehe Hirn will Arbeit) aus.

Jenseits des Mainstreams
Vor allem Uniradios beanspruchen für sich gern die Abkehr vom musikalischen Mainstream. Aber auch Webradios haben oft eine freiere Musikauswahl als die Formatradios.

Kultur pur
Der junge Kulturkanal ist das Ausbildungsradio des Musikjournalismus-Studiengangs in Karlsruhe (siehe Theorie und Praxis) und spielt die Features, Reportagen und Beiträge der Studenten. Musikalisch ist der Sender sehr bunt: Neben schrammeligen Indiegitarren laufen hier auch Klaviersonaten von Franz List und Streichquartette von Vivaldi.

Lokalpatriotismus
Getreu dem Motto „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ durchforsten viele junge Radios die Klänge der lokalen Gefilden. Heimatmelodien auf SWR Das Ding spielt deutschsprachigen Mainstream, während die Newcomer Show bei bigFM und die Startrampe bei on3 den unbekannteren Bands eine Chance geben. Dabei sind bereits einige Perlen zum Vorschein gekommen: Die Münchner Band Frittenbude war Teil der zweiten Staffel der Startrampe bei on3.

Montagsdemo
Die Sendung Montagsdemo ist sozusagen das DSDS des Zündfunks. Junge Musiker und Bands aus Bayern schicken Demos an den Münchner Sender und stellen sich einer kompetenten Jury. Statt Dieter Bohlen urteilen hier unter anderem Tomte-Frontmann Thees Uhlmann und Musikjournalist Josef Winkler.

Nur für Erwachsene ...
ist laut eigenem Claim alles, was radioeins vom RBB über den Äther schickt. Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht. Dennoch liegt hier viel Gewicht auf dem Wort: Interviews sind länger als in Formatradios und das Wochenende ist gespickt mit wortreichen Themensendungen: Fußballmagazin, Automagazin, Büchermagazin.

Ohrspiel
Die Idee ist einfach und genial: Gestandene Musiker tauschen kurzzeitig die Bühne gegen das Sendestudio des Berliner Senders Motor FM und spielen eine Stunde lang ihre Lieblingssongs. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstagabend bei Motor FM.

Popsplits
Wieso trifft Paul McCartney in „Hej Jude“ Mother Mary? Wer ist eigentlich Armini in Emiliana Torrinis „Me and Armini“? Und was haben die Sandstürme in Amerika in den 80er Jahren mit dem Duett „Don’t give up“ von Peter Gabriel und Kate Bush zu tun? Solche Fragen beantworten Michael Pan mit seiner markant rauchigen Stimme in den Popsplits. Die einminütigen Stücke laufen täglich auf radioeins (siehe Nur für Erwachsene). Mittlerweile gibt es knapp 800 Episoden.

Quote
Die Medien-Analyse untersucht jährliche die Mediennutzung der Deutschen. Laut der aktuellen Erhebung hören die 14-39-Jährigen wieder ein bisschen mehr Radio. Den größten prozentualen Zuwachs konnte 2010 Deutschlandradio Kultur verzeichnen, den größten Verlust erlitt Klassik Radio. Der generelle Trend geht jedoch in Richtung Privatradios.

Radiokonzerte
Egal, ob beim Zuhören vor den Radioboxen oder live dabei sein, Radiokonzerte haben eine ganz intime Atmosphäre. Bei großen und kleinen Sendern gehören sie zum festen Veranstaltungskalender.

Seelenklempner
Er ist mittlerweile so legendär, dass man kaum Worte über ihn verlieren muss: Jürgen Domian beantwortet seit 16 Jahren nachts zwischen 1 und 2 Uhr bei EinsLive Fragen zu allen Lebenslagen. Liebeskummer, Krankheiten, Verlust – die Themen sind nur selten amüsant. Für sein therapeutisches Geschick erhielt Jürgen Domian die Bundesverdienstmedaille.

Theorie und Praxis
Radiomachen will gelernt sein. Deswegen bieten einige Unis, neben gewöhnlichen Journalistik-Studiengängen, mittlerweile auch spezielle, auf Radio ausgerichtete Programme an. In Leipzig kann man einen Hörfunkmaster studieren, in Karlsruhe Musikjournalismus für Rundfunk und Multimedia und an der Uni Halle seit letztem Jahr den berufsbegleitenden Master Online Radio.

Uniradios
1950 ging das erste deutsche Hochschulradio in Ilmenau auf Sendung. Mittlerweile gibt es hierzulande über 60 Campussender. Einige senden ein paar Stunden pro Woche, andere liefern ein 24 Stunden Programm. Die Sender sind thematisch und musikalisch oft sehr weit gesteckt, weil sie für viele Studenten eine Möglichkeit sind, sich selbst auszuprobieren. Einige Beispiele: eldoradio (TU Dortmund), mephisto97.6 (Uni Leipzig), Kölncampus (Uni Köln), FunkUp (Uni Potsdam).

Vorlieben, Eigene Wer nur nach Musik sucht und auf Informationen und Moderatoren verzichten kann, der ist bei Last.fm richtig. Die Musik wird automatisch basierend auf den eigenen Hörgewohnheiten zusammengestellt und kostenlos abgespielt.

Wendisch
Rund 15000 Menschen in Deutschland, vor allem in Brandenburg, sprechen Wendisch, was heute eher Niedersorbisch heißt. Genug, um ein eigenes Radioprogramm zu beanspruchen. Einmal monatlich läuft das Jugendmagazin „Bubak“ vom rbb in niedersorbischer Sprache.

Zwei Null
Ohne Multimedia und das Web2.0 läuft heute nix mehr. Zu den Radioangeboten gibt es umfangreiche Webseiten, auf denen die Radiokonzerte übertragen werden, auf denen man sich am Programm beteiligen kann  (siehe Hirn will arbeit), die Playlisten nachlesen oder Teil der Sendercommunity werden kann (bei MDR Sputnik). 

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