Weiß auf weiß

Was tun mit Hass-Kommentaren? Ein Blogger hat eine besonders elegante Methode gefunden.
jetzt-redaktion

 Johnny Haeusler

Johnny Haeusler, mit seinem Blog Spreeblick und als Organisator der re:publica-Konferenz einer der bekanntesten Stimmen des deutschen Netzes, hat eine gute Idee, wie er mit rechten Kommentaren in seinem Blog umgehen will. Er schreibt:
Kommentare, die mich nerven, haben ab jetzt weiße Schrift auf weißem Grund. Wer diese Kommentare dennoch lesen will (z.B., um zu verstehen, worauf sich der Widerspruch der Antworten bezieht) kann den Text markieren und dann wieder erkennen.
Ich hebe damit nicht die guten Kommentare hervor, sondern blende die Blender aus, indem ich ihnen gebe, worauf sie oft so stolz sind: weiße Farbe. Haeusler stören vor allem gezielte Angriffe auf die Kommentarkultur. "Schon seit zehn Jahren beobachte ich diese Ablenkungstaktik," erzählt er. "Mit sturen Verweisen auf linke Gewalt oder Straftaten durch Ausländer versuchen Rechte, vermutlich in irgendeiner Form gesteuert, Diskussionen auf ihr Terrain zu bringen." Für ihn handelt es sich bei den Trollen nicht um einzelne Störer, sondern um organisierte Teams. Und denen will er nicht erlauben, gemäßigte Kommentierer zu vertreiben.

Mit seiner Highlight-Strategie muss er keine ganzen Diskussionen löschen, die eventuell auf Grund guter Gegenargumente doch lesenswert sind. Und kann seine Leser trotzdem vor extremistischem Quatsch schützen.
"Natürlich lösche ich Kommentare, die komplett unter die Gürtellinie gehen und zeige jene an, die Hass verbreiten oder zur Gewalt aufrufen," schreibt Haeusler. Aber so kann jeder selbst entscheiden, was er sich zumuten will und was nicht.

Solch eine Funktion stünde auch Facebook, diesem leider manchmal ungenießbaren Netzwerk voller Hetze, gut zu Gesicht. Ach, wenn man darüber nachdenkt: Die ganze Welt bräuchte eine solche umgedrehte Highlight-Funktion. Kein schnödes Blocken oder Melden. Keine Zensur. Eher sanfte Schonung. Von Augen und Herz.

friedemann-karig



Text: jetzt-redaktion - Foto: Johnny Haeusler

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