Weiter Weg zum Asyl

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Als erstes Land der EU hat Schweden angekündingt, allen syrischen Flüchtlingen Asyl zu gewähren. Die Bürgerkriegsopfer sollen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten und auch ihre Familien nachholen dürfen. Wie funktioniert das in der Praxis? Welche Hürden gibt es unterwegs?

Tatsächlich macht es das europäische Asylsystem den Flüchtlingen sehr schwer, Asyl in Schweden zu beantragen. Wie die schwedische Einwanderungsbehörde bestätigt, kann ein Asylantrag nur innerhalb Schwedens gestellt werden. Es genügt also nicht, sich bei der Botschaft in der Türkei oder dem Libanon zu melden. Die Reise von Syrien nach Nordeuropa ist für Flüchtlinge gefährlich und teuer. Die meisten Syrer versuchen, über Griechenland nach Europa zu reisen. “Tausende werden an der Ägäis zurückgewiesen. Die griechische Küstenwache operiert brachial”, sagt Karl Kopp, der bei der Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" für Europaangelegenheiten zuständig ist. Darum würden immer mehr Syrer nach Nordafrika fliehen und von dort aus versuchen, über das Mittelmeer nach Italien zu fahren. Bei diesen Überfahrten sterben jedes Jahr hunderte Menschen.

Sechs Millionen Syrer sind auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land.

Wie auch immer die Flüchtlinge letztendlich nach Europa gelangen, die Weiterreise nach Schweden wird dann durch die sogenannte Drittstaatenregelung erschwert: Demnach ist jeder Flüchtling nur in dem EU-Land asylberechtigt, das er als Erstes erreicht hat. Dafür werden die Flüchtlinge beim ersten Behördenkontakt mit Fingerabdrücken registriert. Wenn die Flüchtlinge also Schweden erreichen, unterwegs aber schon von der Polizei eines anderen EU-Landes aufgegriffen wurden, können sie dorthin zurückgeschickt werden. Viele Flüchtlinge vertrauen sich darum auch innerhalb Europas einem Schlepper an, der sie für viel Geld in ihr Zielland schleust.

Durch diese Regelung sind die Flüchtlinge innerhalb der EU extrem ungleich verteilt, sie ballen sich hauptsächlich in den südlichen Ländern Griechenland, Italien, Spanien und Zypern. Dort werden die Flüchtlinge zum Teil in Gefängnisse gesperrt, andere sind obdachlos und erhalten keinerlei staatliche Unterstützung. Abschiebungen nach Griechenland haben europäische Gerichte darum als menschenrechtswidrig eingestuft.

Am meisten profitieren von der Neuregelung diejenigen Syrer, die schon in Schweden sind, und deren Aufenthalt jetzt unbefristet gesichert ist, und die mit engen Verwandten in Schweden. Die können Familienzusammenführung beantragen, und das geht auch über die Botschaften.

Seit Anfang 2012 hat Schweden etwa 15.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Deutschland hat sich bisher bereit erklärt, 5.000 Syrern einen befristeten Aufenthalt für zwei Jahre zu ermöglichen. Der Antrag dafür kann im Libanon gestellt werden, den Flug nach Deutschland bezahlt in einigen Fällen die Bundesregierung. Damit gehören die beiden Ländern zu den Vorreitern in Europa, sagt Kopp von Pro Asyl. Insgesamt sind sechs Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg, davon über zwei Millionen außerhalb des Landes.

Text: christian-endt - Foto: dpa

  • teilen
  • schließen