Wer demonstriert hier eigentlich?

Die Münchner Studenten demonstrierten am Mittwoch wieder einmal gegen die Studiengebühren. Oder doch nicht? Eine Umfrage
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Am heutigen Mittwoch sind Bayerns Studenten auf die Straße gegangen: Zumindest einige. Sie demonstrierten gegen die Studiengebühren im südlichsten Bundesland.

Eine Demo und was davon übrigbleibt. Zwei einsame Bierflaschen am Geschwister-Scholl-Platz in München. (Fotos: Evi Lemberger) jetzt.de hat sich vor der Münchner Uni umgehört und die Studierenden in der bayerischen Landeshauptstadt gefragt, wie sie über die Demos und über Studiengebühren denken.

Eva, 24, Lehramt- und Schulpsychologiestudentin, 6. Semester "Ich bin enttäuscht von der Einstellung vieler meiner Kommilitonen. Viele glauben, ihre Anwesenheit und die Teilnahme an der Demo brächten eh nichts. Wenn nur all diese Studenten auch kämen, dann könnte man noch viel mehr bewirken. Ich jedenfalls war bisher bei jeder Demo gegen Studiengebühren dabei."


Kalle, 26, Musikpädagogik-Student, 3. Semester "Ich demonstriere nicht mit, betrachte das Spektakel eher skeptisch. Ich frage mich, ob der Wille dieser Leute hier etwas zu verändern, groß genug ist. So jedenfalls ist die ganze Aktion nämlich wirkungslos. Prinzipiell könnte ich mich denen schon anschließen, denn auch ich bin gegen die Studiengebühren. Wenn doch nur der Eifer der Demonstranten größer wäre. Ja dann, dann würde ich schon auch mitmachen."


Chris, 22, Mathe- und Physikstudenten auf Lehramt, 4. Semester "Ich muss auf die Straße gehen, sonst kann ich ja nichts bewegen. Schließlich ist doch die Demonstration – abgesehen von der Wahl – die einzige friedliche Form, um politisch etwas auszurichten. Und deshalb muss ich auch ganz schnell wieder weg. Schnell aufs Fahrrad Richtung Uni und mitmachen."


Markus, 22, Jurastudent, 2. Semester "Wieso Demonstrieren? Dafür sehe ich keinen Grund. Ich bin ja auch für die Studiengebühren. Eine Investition in seine eigene Zukunft sollte doch jeder leisten. Nur die Höhe der Abgaben stört mich, 300 Euro sollten es sein. Sonst hat der Staat noch einen Überschuss an Geldern, den er dann anderweitig verwendet. Generell aber sollte es mehr Stipendien geben. Und kostenlose Kredite. Von der Demo halte ich nichts, die bringt bestimmt nicht viel. Besser wäre es da zum Beispiel, sich in Studienkommissionen zu engagieren. Damit kann man auf politischer Ebene viel mehr erreichen."


Miriam, 20, Deutsch- und Religionsstudentin, und Rafaela, 22, Sport- und Religionsstudentin "Wir haben es eilig, müssen dringend in eine wahnsinnig wichtige Vorlesung, die dürfen wir auf gar keinen Fall verpassen. Da wird bedeutender Stoff behandelt, der für das Staatsexamen unerlässlich ist. Deshalb haben wir für die Demo leider keine Zeit. Ansonsten würden wir natürlich mitmachen. Denn die Demo sorgt bestimmt dafür, dass die Politiker mal über die Studiengebühren nachdenken."


Katharina, 21, Jurastudentin, 4. Semester "Ich fahre jetzt nachhause. Sollen die anderen doch demonstrieren, wie sie wollen. Studiengebühren haben durchaus Sinn. Schließlich stellt jeder Einzelne ständig Forderungen – will guten Unterricht, schöne Vorlesungssäle und andere Vorteile. Da ist es nur gerecht, dass man dafür auch etwas zahlen muss. Und verglichen mit Privat-Unis ist der Beitrag hier ja eh lächerlich. Das wenige Geld lohnt sich, dafür darf man ja an einer Elite-Uni studieren und das Geld hat man nach dem Studium mit ein bisschen Arbeit bald wieder drin."


Tom, 24, Philosophiestudent, 7. Semester "Das ist doch eine faule Ausrede der Staatsregierung. Von wegen sie bräuchten Geld für die Unis. Letztendlich wollen sie nur sparen und das Gesparte dann mit Studiengebühren wieder reinholen. Denen muss mal jemand zeigen, wie viele Menschen tatsächlich gegen die Studiengebühren sind. Dafür ist jetzt der beste Zeitpunkt. Im Wahljahr stehen die Chancen gut, um die Politiker zu beeinflussen."


Simon, 23, Medizinstudent, 4. Semester "Man muss zeigen, dass man mit Herz und Seele dabei ist. Also bin ich heute mal nicht der Simon, sondern Sponge Bob. Das Kostüm ist noch vom Fasching übriggeblieben, meine Freunde wollten es eigentlich schon wegwerfen. Aber vielleicht kann es ja heute noch einen Beitrag zur Demo leisten. Die Verwendung der Studiengelder finde ich blödsinnig. Neulich konnte sich jeder meiner Medizin-Kommilitonen einen Gutschein abholen für ein Stethoskop im Wert von 80 Euro. Das Modell hat die LMU ausgesucht. Schade nur, dass viele schon ein Stethoskop haben oder viel lieber ein anderes hätten. Für so was gibt die Regierung Geld aus, aber die Ethnologie-Fakultät kriegt keinen Cent. Ungerecht, finde ich. Vielleicht kann da ein einzelner Schwamm ja was bewegen."


Jovan, 21, Theologiestudent, 3. Semester "Ich gehe heute nicht zum Demonstrieren. Eigentlich würde ich ja gerne, denn Demos finde ich prinzipiell gut. Vorausgesetzt, alle Betroffenen machen mit. Das scheint heute aber nicht so zu sein. Und so kann ich auch in die Vorlesung gehen, die fängt eh gleich an."


Wolle, 22, Physikstudent, 2. Semester "Ich demonstriere, und das mir auch wichtig. Schließlich ist es die Pflicht eines jeden Studenten, seine Meinung kundzutun. Nur ob es was bringt, weiß ich nicht - kommt drauf an, was die CSU dazu sagt."


Stefan, 27, Altgriechischstudent "Von Demos halte ich nicht viel. Die bringen nichts, die Politiker machen eh, was sie wollen. Studiengebühren mag ich auch nicht, zwecks Geldnot. Die einzige Lösung ist die Änderung der Verfassung - man sollte aus der parlamentarischen eine direkte Demokratie machen. Ja, das würde bestimmt alle Probleme lösen."


Seven, 22, Student "Präsenz ist wichtig, doch ob die Demo etwas bewirkt - das bezweifle ich. Schuld an dem Ganzen ist doch die von der Politik zu sehr beherrschte Lobbyarbeit. Früher war das anders, früher wurde den Demonstranten viel mehr Respekt entgegengebracht als heute."


Lukas, 27, Tibetologiestudent "Ich finde es schwierig, mir eine Meinung über Demos zu bilden. Die Demonstration heute finde ich gut. Einfach nur deshalb, weil ich Studiengebühren nicht gut finde. Dass Studiengebühren verboten sind, steht doch in der Verfassung, oder doch nicht, oder zumindest sollte es das. Wenn ich recht überlege - eigentlich mag ich Demonstrationen eher nicht."


Tim, 24, Philosophiestudent, 7. Semester "Bis eben saß ich im Vorlesungssaal. Doch wegen des lauten Lärms von draußen konnte ich mich nicht konzentrieren, also bin ich zu den Demonstranten gestoßen. Und jetzt mache ich mit. Einfach nur zum Dagegen-sein. Das ist das einfachste, und zumindest bleib ich konsequent. Konsequent dagegen." Text und Fotos: Petra Ebenschwanger, Evi Lemberger

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