Willst du mit mir gehen? Kennenlernen von A bis Z

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A wie Arbeitsplatz: Ein Drittel aller Paare lernt sich bei der Arbeit kennen. Mit gutem Grund: Man kann Personen lange und gründlich beobachten, sie in unterschiedlichen Lebenssituationen begutachten und schließlich eine fundierte Entscheidung treffen. Dann aber gehen die Fragen los: Sollen wir es den anderen sagen? Wer ist eigentlich erfolgreicher? Muss sie schon wieder zwei Stück Kuchen essen? Auch bedenken: In den USA mündet auch jede vierte Büro-Affäre in einer Klage. B wie Bäckerei: Es war ein Samstag im Herbst und du warst noch sehr müde und verkatert vom gestrigen Abend. Zersaust schlurfst du in die Bäckerei und kaufst zwei Semmeln. Als du den Laden wieder verlassen willst, stößt du mit ihr zusammen. Geld klimpert auf den Boden, deine Semmeln landen in einer Pfütze und saugen sich mit Schmutzwasser voll. Du murmelst „Sorry, ey…“, dann verschlägt dir ihre Schönheit die Sprache. Das war vor drei Jahren. Nächsten Monat wollt ihr heiraten. Schöne Geschichte, passiert aber so gut wie nie. C wie Chat Singlem29: Zufällig ne nettSie ausm Ruhrgebiet anwesend od Raum Düsseldorf? Flüster! silbermausi19: haste ne freundin Singlem29:: ne, bin solo. Du? silbermausi19: männer sind schweine (-; Singlem29: stimmt. silbermausi19: aber auch süß … Singlem29: ICQ? Singlem29 verlässt den Channel silbermausi19 verlässt den Channel

D wie Date Anglizismus für „Treffen“, der nächste Schritt nach dem Kennenlernen. Nicht so gut: Frühstücken, Kaffeetrinken, Kino. Die Bewegungsfreiheit wie Fluchtchancen sind eingeschränkt. Im schlimmsten Fall folgt ein monotones Zwei-Stunden-Milchkaffee-Geschwalle. Besser: Spazieren, Bar, Zoo mit Open End. E wie Erwartungen verhindern nur den Erfolg. Je weniger desto besser. F wie Flirtparty: Überflüssige Veranstaltungen

G wie Geilheit-im-Gesicht: „Sobald ich eine Freundin habe, lächeln mich ständig Mädchen an. Habe ich keine, gucken die mich nicht einmal mit dem Arsch an.“ Vor allem letztere Feststellung ist erklärbar: Wem die Geilheit ins Gesicht geschrieben steht, dessen Chancen sinken rapide; Zum einen weil solche Nötighaber viel zu sehr auf sich selbst konzentriert sind. Zum anderen erinnern uns diese Menschen immer wieder an den Satz unserer Oma: Was nichts kostet, ist nichts wert.


H wie Haben, Freund/Freundin: Schließt kein Kennenlernen aus, das Vorhandensein einer/s ebensolchen sollte aber frühzeitig kommuniziert werden I wie Internet Ich kenne Jan seit 15 Jahren. Er sieht überdurchschnittlich gut aus, ist intelligent und eloquent. Er ist Ende 20 und hatte eigentlich nie Probleme, Frauen kennenzulernen. Seit zwei Monaten trifft er wöchentlich eine Frau, die sich selbst als „sehr devot“ bezeichnet. Jan sagt, sie bringe ihn manchmal an die Grenzen seiner feministisch geprägten Erziehung. Kennengelernt hat er sie auf einer Dating-Website. Dort treffen sich angeblich mittlerweile 70 Prozent aller deutschen Singles, so zumindest ein Betreiber einer Dating-Website. Single-Börsen im Internet verändern unser Balzverhalten, sie machen es effizienter. Wir finden schneller, was wir suchen. Letztens stand ich mit Jan in einer Bar. Er kam mit einem Mädchen ins Gespräch, das ganz offensichtlich – auf sehr analoge Art – an ihm interessiert war. Jans zweite Frage lautete: „Stehst du auch drauf, mit Gummischnüren an den Bettpfosten gefesselt zu werden?“ J wie zu jung Wir verkneifen uns an dieser Stelle den Altherrenwitz. Bei Altersangaben sollte man ehrlich sein. Basta. K wie Küche Die Küche ist die Loge der WG-Party und der beste Ort, um jemanden kennenzulernen.

L wie lieber nicht: Kein Problem, aber sei höflich und überlege Dir, wie Du selbst am liebsten eine Abfuhr bekommen möchtest. Einfachste Variante: Schon früh im Gespräch die zwei Totschlag-Wörter „Mein/e Freund/in“ einbauen. Wenn nötig, wiederholen. M wie Mann: Trotz Emanzipation, Gleichberechtigung und Charlotte Roche: Die meisten Frauen erwarten vom Mann, dass er den ersten Schritt tätigt. Dabei ist der erste Schritt gar kein erster. Es gilt die Reihenfolge: Mann schaut. Frau schaut zurück. Mann schaut wieder. Frau schaut wieder. Frau lächelt und fordert damit auf, sie anzusprechen. Mann spricht an. Man könnte auch sagen: Die Frauen suchen sich die Männer aus. N wie nie: Manche Leute behaupten, sie würden nie jemanden kennenlernen. Das ist traurig, aber nicht wahr. Entweder kreisen diese Menschen zu sehr um sich selbst, so dass sie ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen oder sie sind der einzige Bewohner einer Nordseeinsel. Oder sie tragen Sandalen mit Tennissocken und haben sich das letzte Mal vor einem halben Jahr die Fingernägel geschnitten.

O wie Opa und Oma Haben sich auf einer Tanzveranstaltung im Flüchtlingslager kennengelernt. Opa war einen Kopf kleiner als Oma, konnte aber gut tanzen. Drei Wochen später waren sie verheiratet, blieben es für 46 Jahre und bekamen sieben Kinder. Liebe war dafür nicht nötig.


P wie peinlich „Dein Vater muss ein Dieb gewesen sein. Er hat die Sterne geklaut und sie Dir als Augen gegeben.“

Q wie Quark reden Ist nicht wie oft vermutet der GAU jedes Kennenlernens. Nur sollte man sich über den eigenen Schwachsinn bewusst sein – und dann entweder süß grinsen (Mädchen) oder sich für den Schmarrn entschuldigen (Junge/Mädchen). R wie Rudel: Das Rudel aus gleichgeschlechtlichen Kumpels schafft zwar Sicherheit, ist für ein Kennenlernen aber hinderlich. Niemand wird gerne von einem besoffenen, tuschelnden und kichernden Pulk beobachtet und begutachtet.

S wie SMS Nicht: „Schicke eine SMS mit dem Wort „Flirt“ an 55555 und lerne heiße Boys und Girls in Deiner Umgebung kennen!“ Sch wie Schrotflintenprinzip: Unter Männern vor allem im Online-Bereich weit verbreitete Flirttaktik: Dabei werden wahllos hunderte Mails mit „Dein Profil gefällt mir, Du siehst toll aus“, verschickt. In der Hoffnung, irgendeine werde schon antworten. Erstaunlich hohe Erfolgsquote. T wie Tiere: Lernen sich nur über Körpersprache und Geruch kennen. Auch Menschen übertragen nur einen Bruchteil (etwa fünf Prozent) der Informationen über Sprache. Den Rest über Gestik, Mimik, Körperhaltung etc. Reden ist überbewertet. U wie Unterstufe Kleine Zettel vergeben, auf denen steht: „Willst Du mit mir gehen? Bitte ankreuzen: Ja, Nein, Vielleicht.“ Zwei Wochen später dann ein anderer Zettel. Auf ihm steht: „Es ist aus. Ich liebe dich nicht mehr.“ V wie Verein Schützen-, Taubenzüchter-, Box-, Gesang-, Wander-, Kegel-, Naturschutz-, Bücher- oder Lohnsteuerhilfeverein – es gibt in Deutschland 535.000 Vereine. Jedes fünfte Paar lernt sich in einem kennen.

Wiesn Wird als „seriöser“ Kennenlernort oft belächelt. Fakt ist aber, dass es in München zahlreiche Oktoberfest-Paare gibt. Ist ja eigentlich auch kein Wunder: tolle Stimmung, viel Alkohol, enthemmte Atmosphäre und sich dann gegenseitig „Griiiiechischer Wein“ ins Ohr brüllen. Was gibt es Schöneres? XY wie XX- und XY-Chromosome: Wer meint, Schwule oder Lesben hätten es bei der Partnersuche einfacher, der irrt. Einfacher mögen One-Night-Stands zu bewerkstelligen sein, die Suche nach einer Beziehung ist genauso schwierig. Z wie Zufall: wird überschätzt

Text: maria-freilich - Illustration: Katharina Bitzl

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