Wintersemester Ade! In Mannheim laufen schon die Vorlesungen

Die Uni Mannheim hat als erste deutsche Hochschule das Wintersemester sechs Wochen vorverlegt, um internationalen Standards zu genügen. Vorlesungsbeginn war der 4. September, das Wintersemester heißt deshalb künftig Herbstsemester und das Sommersemester wird zum Frühjahrssemester. Wie sieht eine erste Bilanz nach der Umstellung aus? „Sehr gut!“, meint Achim Fischer von der Pressestelle der Universität. „Chaos!“ sieht hingegen die AStA. Nächste Woche berät die Hochschulrektorenkonferenz, ob das Modell für's ganze Land taugt.
sara-weber

Die Universität Mannheim gilt als eine der führenden deutschen Hochschulen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und belegt in vielen entsprechenden Rankings den ersten Platz. Um auch den internationalen Anspruch halten zu können, wurden die Vorlesungszeiten nun „auf die international üblichen Monate September bis Dezember und Februar bis Juni“ gelegt, so Universitäts-Rektor Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt. Er will es vor allem auch den Studenten des neu eingeführten Bachelor-Studiengangs BWL erleichtern, den Auslandsaufenthalt zu absolvieren, zu dem sie laut Studienordnung verpflichtet sind. Außerdem möchte die Universität mittels der angeglichenen Semesterzeiten mehr Studenten aus dem Ausland nach Mannheim bringen, was laut Achim Fischer gelungen ist: Es gebe „mehr Vermittlungen“ von Gaststudenten, „ausländische Hochschulen“ zeigten „vermehrtes Interesse“. Auch ein Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands bleibe für Studenten „jederzeit möglich“: der Semesterbeginn in Mannheim sei kompatibel mit den Vorlesungszeiten der anderen Hochschulen. Insgesamt, so Fischer, sei die neue Situation „sehr gut“. AStA-Sprecherin Rike Schweizer, 22, ist anderer Meinung. Zwar habe sich die Situation mittlerweile „weitgehend beruhigt“, zu Beginn aber seien „Studienbüro und Fachschaften überlastet gewesen“, die Studenten hatten nur einen Monat vorlesungsfreie Zeit und manche Unklarheiten wie zum Beispiel die Festlegung der Prüfungstermine seien noch immer nicht beseitigt.

Und auch die langfristige Organisation ist nach Meinung der AStA-Vertreter heikel: Für Lehramtsstudenten seien Blockpraktika nur noch „sehr schwierig“ einzurichten, da Semester- und Schulferien nun größtenteils zusammenfallen; Studenten, die Nebenfächer an der Universität Heidelberg belegt hatten, werden mit der Unvereinbarkeit der unterschiedlichen Vorlesungszeiten beider Hochschulen konfrontiert und Jurastudenten, die ihr Staatsexamen anstreben, sind zur Zeit der Prüfungen, die im Oktober stattfinden, „eigentlich nicht mehr immatrikuliert“. Die Einschreibung für ein weiteres Semester würde zusätzliche Studiengebühren bedeuten - eine Lösung ist bisher nicht gefunden. Als größte Schwierigkeit erweist sich jedoch die Zulassung selbst. Das Risiko, infolge der früheren Einschreibefrist weniger Studenten zu empfangen, trage die Uni, so Fischer. Die Verwaltung würde aufgrund des gleich gebliebenen Bewerbungsschlusses (15. Juli bzw. 15. Januar) die Zulassungsbescheide innerhalb von drei Wochen bearbeiten müssen. Mit Schlafsack angereist Die 19-Jährige Friederike Maneelsel etwa hat im September ein BWL-Studium in Mannheim begonnen und die Eile der Umstellung mitbekommen. Sie hatte gerade mal eine Woche Zeit zum Umziehen. Manche Studenten, erinnert sie sich, hätten sogar erst in der letzten Septemberwoche Bescheid bekommen, also knapp einen Monat nach Vorlesungsbeginn. So sei es vielen Studienanfängern nicht möglich gewesen, rechtzeitig eine Wohnung zu finden: sie schlugen ihr Quartier in Jugendherbergen auf. Laut Maneelsel gab es sogar Erstsemester, die „mit Schlafsack und Koffer angereist“ seien, in der Hoffnung, „Leute kennen zu lernen und dann da zu übernachten“.

Die Universität im Schloss Mannheim Rike Schweizer glaubt, der frühe Immatrikulationstermin habe viele Studienanfänger an Mannheim vorbeigeleitet. Schließlich seien die Zulassungsbescheide anderer Universitäten zu dem Zeitpunkt, zu dem in Mannheim die Einschreibung stattfand, noch nicht einmal verschickt gewesen. So erklärt sich die AStA-Vorsitzende auch die "unsichere Zahl" von 400 Erstsemestern, die sich nach ihrem Wissen bislang wieder exmatrikuliert hätten. Achim Fischer dagegen betont, es habe "nicht mehr Absagen als sonst gegeben". Am Dienstag nächster Woche nun tagt der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Osnabrück. Auf der Tagesordnung steht die „Neuregelung der Semesterzeiten zur Anpassung an internationale Gepflogenheiten“. Danach wird man wissen, ob noch viel mehr Hochschulen dem Mannheimer Beispiel folgen. Und ob sich die deutschen Studenten vom Sommer- und Wintersemester verabschieden müssen. Fotos: dpa

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