Yes we can change and do it oder: Amerika is not the Landtag

Wenn deutsche Politiker mit englischen Phrasen Wahlkampf machen, ist das nur eines: einfältig
peter-wagner

Vergangene Woche kam die Vergangenheit mal wieder zurück. Edmund Stoiber fuhr von Wolfratshausen nach Freising und machte dort ein bisschen Wahlkampf für die CSU. In seiner Rede ließ er sich gar dazu hinreissen, das lustig-knappe Franz Müntefering-Sprech zu kopieren. „Sie kennen Bayern nicht und sie können Bayern nicht“, warf er den konkurrierenden Parteien in Bayern vor. So präzis, so fast-lustig und ungrammatisch redet Münte bisweilen. Jeder Politiker wünscht sich eine Portion Wiedererkennbarkeit und sehnt sich nach einem Satz, nach einer Idee, die er durch das Land tragen kann. Barack Obama hat es geschafft, sein Publikum kann das „Yes we can“ schon fast auswendig und bei vielen deutschen Politikern ist die Not offenbar so groß, dass sie die US-Ideen kopieren. Hubertus Heil zum Beispiel ist der Generalsekretär der SPD und machte sich neulich auf einem Zukunftskongress seiner Partei so richtig zum Affen, als er mit seinen Genossen das „Yes we can“ trainieren wollte. Die Reaktion war ziemlich lau und die Verachtung, die Heil (übrigens erst 35 Jahre alt) nachher entgegenschlug, war vielleicht nicht ganz unangemessen. Hier die Szene, wie sie in einem ZDF-Beitrag auftaucht:

Aber nicht nur die SPD ist gut darin, sich zum Kasper zu machen, die Grünen sind da eigentlich noch besser. Margarete Bause etwa möchte wieder in den bayerischen Landtag und imitierte ein altes Motiv der Frauenbewegung in den USA, krempelte die Ärmel hoch zum Bizepszeigen, ließ sich fotografieren und schrieb über das Wahlplakat: „We can do it“. Auch zu diesem Vorfall gibt es schon amtliche Häme, weil Bruno Jonas im „Scheibenwischer“ nachfragte, ob sich durch die Verwendung fremder Sprachen denn vielleicht das Niveau eines Wahlkampfs erhöhe?

Und dann noch die rührige Renate Künast, die offenbar seit einer Woche nicht mehr die Kleidung wechselt. Sie trägt das utopia.de-Shirt „Change is good“ durch die deutschen Medien spazieren. Zu sehen im ARD-Morgenmagazin vergangene Woche und schließlich auf dem Oktoberfest:

Einen Brocken Verständnis kann man diesem Verhalten schon entgegen tragen. Bäcker machen sich ja auch mal auf eine Reise nach Frankreich, um endlich draufzukriegen, wie man richtig luftige Croissants aus dem Ofen holt. Und wenn Politiker in Sachen Fortbildung in andere Ländern linsen, ist das ja nicht schlecht. Aber in einer deutschen Messehalle "Yes we can" anzustimmen oder auf Wahlplakate in München-Freimann "We can do it" zu schreiben, ist wahrscheinlich nur eines: einfältig. Zum Glück verfängt diese Form der Einfallslosigkeit nur selten. Frau Künast muss irgendwann das T-Shirt wechseln und waschen, Hubertus Heil ist vielleicht nicht mehr so lange da – schließlich kommt Franz Müntefering wieder und der mochte ihn angeblich nie besonders - und Margarete Bause hat auf Bruno Jonas reagiert und redet jetzt wieder Bayrisch. Ihr neues Plakat sieht so aus:



Text: peter-wagner - Fotos: Screenshot, margarete-bause.de, dpa

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