Zu geheime Informationen? Wikileaks.org ist gesperrt

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Vielleicht ist dies die beste Werbung für wikileaks.org: Am Mittwoch ließ die Privatbank "Julius Bär" mit Hilfe eines kalifornischen Gerichts die Internetseite sperren. Anfang der Woche sollen dort nämlich geheime Daten aufgetaucht sein, die offenlegen, welche Kunden ihr Vermögen am Fiskus vorbei in das Steuerparadies "Cayman-Inseln" gebracht haben. Die Person, die die geheimen Dokumente veröffentlich haben soll, heißt angeblich Rudolf Elmer und ist der ehemalige Vizepräsident der Filiale auf den Cayman-Inseln. Die Bank spricht von „verleumderischen Anschuldigungen“ - wikileaks.org ist nun gesperrt. Nicht aber mehrere Ableger wie zum Beispiel wikileaks.de, wo es nicht nur einen Artikel über die Privatbank gibt. Anfang 2007 wurde wikileaks.org ins Netz gestellt, um, so ist es zumindest bei Wikipedia zu lesen, mit "anonym Dokumente, welche Regierungen, Firmen und andere Organisationen illegaler, verwerflicher oder menschenrechtsverachtender Praktiken überführen sollen, zu veröffentlichen." Soll heißen: Jeder kann dort, getreu dem Wikipedia-Prinzip, ohne viel technisches Know-How Informationen veröffentlichen. Bei der Leak-Variante geht es allerdings primär um brisante Information. Es geht immer um das "Leck", um die undichte Stelle in einem System. Insgesamt 22 Personen sollen derzeit direkt an wikileaks.org mitwirken - darunter angeblich auch viele chinesische Dissidenten. Die "Leaks" wollen vor allem ein Sprachrohr sein. Dissidenten in repressiven Regimen soll die Möglichkeit gegeben werden, brisante Informationen zu veröffentlichen. Durch einen Verschlüsselungsmechanismus soll verhindert werden, dass der sogenannte "Whistleblower" enttarnt wird. Auf der Seite selbst liest sich das sehr optimistisch: "Auf moralisch-ethischen Prinzipien beruhendes 'Leaken' hat den Kurs der Geschichte zum Besseren verändert; es kann den Kurs der Geschichte der Gegenwart verändern; es kann uns zu einer besseren Zukunft führen."

Doch genau hier liegt auch das größte Problem der Seite: Die Informationen können nicht verifiziert werden, Quellenangaben fehlen freilich auch. Die Seite ist damit eigentlich prädestiniert, zu einer Spielwiese für Verschwörungstheoretiker oder Spaßguerilleros zu werden, doch die Klassiker wie "Aids-Lüge", "Bielefeld-Verschwörung" oder "9/11"-Zweifel sucht man vergebens, zumal auf der deutschen Ausgabe der Leaks-Seite. Dort finden sich derzeit nur wenige angelegte Dokumente, unter anderem über die Infiltration der BStU (Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR) durch ehemalige Stasi-Mitarbeiter oder über Software zum Abhören von Internet-Telefonaten. Aber ob das wirklich stimmt - man weiß es nicht.

Text: johannes-siebold - Foto: http://wikileaks.cx/wiki/Wikileaks

  • teilen
  • schließen