Besprochen: Die Neue von den Scissor Sisters

Nachtrag zu den Platten der Woche
tobias-wullert

Scissor Sisters - Ta- Dah! (Universal) „Hasst uns oder liebt uns!“ rufen uns die Scissor Sisters mit ihrem neuen Album „Ta-Dah“ entgegen und sind doch längst vom Diskurs-Geheimtipp zum Mainstream-Thema mutiert. Mit einer immensen Freude am Klauen bedienen sie sich immer noch an den Wühltischen des Plattenladens um die Ecke, werfen Bee Gees, Roxy Music, Elton John und Queen in ihren Einkaufskorb und kreieren daraus ihre ganz eigene Konfektion lupenreinen Pops.

Schon die erste Single „I Don’t Feel Like Dancing" treibt Fans und Gegnern gleichermaßen die Tränen in die Augen. Den einen vor Begeisterung, den anderen vor Zorn. Scissors-Frontmann Jake Shears schraubt seine Stimme gefährlich in die Nähe in die Höhe und keiner anderer als Sir Elton John himself packte für diese Single wieder sein altes Boogie-Piano aus. Doch mit reinem Pop geben sich die Scissor Sisters noch lange nicht zufrieden, so kommen sie bei „I Can’t Decide“ mit einer smoothen Bluegrass-Glampop-Nummer um die Ecke geschlendert, die von Scissor-Sisters-Mitbegründer Babydaddys Banjo seine besondere Note erhält. „Ooh“ führt sie dann auf die Spuren von Prince, der ja auch mittlerweile wieder von Underground-Elektronikern wie Captain Comatose, Jamie Lidell oder Namosh als Referenz rehabilitierte wurde. Trotz aller Zitate, die aufgefahren werden, haben die Scissor Sisters ihren eigenen Stil. Leider gleitet dieser auf ihrem neuen Album bei den leichten Balladen auch oft ins Bodenlose ab. Die „Queens of Kitsch“, wie sie von Kritikern schon betitelt wurden stört das aber herzlich wenig. Mit ihrem ersten Album balancierten die Scissor Sisters schon gekonnt auf dem „Top Of The Pops“ mit ihrem neuen Werk sind sie mitten drin. Knietief im Pop. Foto: Universal

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