Die Lieder der Woche: Travis, Von Südenfed, Windmill und Pelle Carlberg

Lied: “3 Times And You Lose“ von Travis Ausgesucht weil: sich die Stimme von Fran Healys immer noch so angenehm anschmiegt und die Gitarre so sanft klampft und hier alles schon in den ersten Takten enthalten ist, das Travis auszeichnet.
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Lied: “3 Times And You Lose“ von Travis Ausgesucht weil: sich die Stimme von Fran Healys immer noch so angenehm anschmiegt und die Gitarre so sanft klampft und hier alles schon in den ersten Takten enthalten ist, das Travis auszeichnet. Ausgesucht von: “The Boy With No Name” (Sony BMG)

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Illustration: Julia Schubert

Ein bisschen länger hat es gedauert, bis auch wir uns jetzt der neuen Travis-Platte widmen können. Aber mal ehrlich, dass sich Travis neu erfinden würden, das hat ja eh keiner geglaubt. Das Erfolgsrezept ist noch immer das alte: große Gefühlsballaden mit extrem eingängigen Melodien, mal mit mehr herzschmerzender und schmachtender Stimme, mal eher fröhlich, manchmal sogar etwas rockig. Die Single „Closer“ gefällt mir gar nicht, weil mir das einfach too much von den bewährten Travis-Zutaten ist, auch bei „Battleships“ geht es mir so, das ist mir alles zu süßlich. Die eher rockigen Stücke „Selfish Jean“ und „Eyes Wide Open“, der sanft melancholische, aber nie zu pathetisch auftrumpfende Opener „3 Times And You Lose“ und das sanft schunkelnde „Out In Space“ mit Akustikgitarre und Glockengeklingel sind mir wesentlich lieber. Aber natürlich ist man insgesamt immer wieder baff, was für Hymnen diese Band schon raus gehauen hat und wie es ihr auch diesmal wieder mühelos gelingt. Insgesamt aber eben etwas zu glatt für meinen Geschmack. Lied: „Flourescent Lights“ oder jedes andere von Windmill Ausgesucht weil: so großartige Bands Built To Spilt, Mercury Rev, Flaming Lips oder Arcarde Fire und The Polyphinic Spree grüßen lassen Ausgesucht von: Puddle City Racing Lights (Groenland Records)

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Illustration: Julia Schubert

Für Freunde oben genannter Bands ist diese Platte des 26-jährigen Matthew Thomas Dillon Newport Pagnell ein Muss. US-Indie-Schrubbeligkeit und -Schrägheit trifft siebziger Jahre Orchester-Bombast samt Weird Folk: "Piano, huge drums and finding a different way of saying things - that's Windmill to me", sagt er selbst. Ein Drama King, mit einer derart seltsam verzerrt quäkenden und quengelnden, aber eindringlichen Stimme – so was hat man wirklich noch nicht gehört. Und ich glaube gerne, dass sie vielen nicht gefallen wird. Aber ich sage: Herrlich, dass es diese seltsam, verschrobene, verschwurbelte, aber wunderschöne, bombastische Musik gibt mit Bläsern, Streichern, Klavier, ein bisschen E-Gitarre, Chor und allem Pipapo. Rufus Wainwright lässt grüßen. Da können Travis mit ihren konventionell langweiligen Pop-Hymnen einpacken. Lang singe Windmill! Lied: „Hit The Bit“ feat. Yo Majesty von Ben Mono Ausgesucht weil: der Song alles hat, was Ben Mono ausmacht – anhören! Ausgesucht von:„Hit the Bit“ (Compost Records)

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Illustration: Julia Schubert

Eine perfekte Synthese aus Moderne und Vergangenheit ist diese Platte, die das Beste von mono und digital kombiniert und aus Seventies-Funk, Achtziger-Synthies, 90er-Raps und Elektro-Beats die Zukunft macht. „Bit-Hop“ nennt Ben Mono, DJ aus München, Remixer, Produzent, Multiinstrumentalist und Kosmopolit, seine eigene Interpretation aktueller Clubmusik. Mono drosselt zwar das Tempo, aber verdichtet den Sound zu einer euphorisierenden, funky, wohlig warmen und gleichzeitig erfrischenden Mixtur, die den ganzen Körper durchströmt, sobald die ersten Töne erklingen. Dazu noch die Raps von einer Schar MCs aus allen Teilen der Welt wie Capitol A., Killa Kela oder den Miami-Bass Queens von Yo Majesty. Auch für Leute, die sich nicht auf den Dancefloors dieser Welt bewegen, bestens geeignet. Anhören. Laut! Lied: “The Rhinohead” von Von Südenfed Ausgesucht weil: Mark E. Smith hier auffallend sanfte Töne anschlägt und die Jähzornigkeit beim durch den Sampler jagen etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Ausgesucht von: “Tromatic Refelxxions” (Domino)

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Illustration: Julia Schubert

Was für eine Mischung: Mark E. Smith von The Fall und Jan Werner und Andi Toma von Mouse on Mars! Smith schreibt seit 30 Jahren mit seiner Band The Fall Post Punk Geschichte, während Mouse on Mars seit Mitte der neunziger Jahre von Düsseldorf aus die elektronische PopMusik modernisiert. “Tromatic Refelxxions” ist jetzt nicht etwa das Oevre eines Underground-Urgesteins, der seinen Sound noch mal von hippen Elektroniktüftlern aufmöbeln lassen will, sondern das Debütalbum einer richtigen, neuen Band. Der erste Track „Feldermaus Can’t Get It“ zeigt einem schnell, wo der Hammer hängt: in einer ziemlich dreckigen, lauten, krachigen, Elektro-Punk-Ecke. Mit “The Rhinohead” wird es dann zum Glück etwas verspielter, melodiöser und versöhnlicher, aber „Feldermaus Can’t Get It“ repräsentiert das Debütalbum dieser eigenwilligen Band wohl besser als „The Rhinohead“ und einige wenige weitere Stücke dieser Art. Denn meistens wird die Mark E. Smith-Misanthropenstimme mehrfach durch den Häcksler gejagt und mit allerlei lustigen Maschinen wieder neu zusammengesetzt, was sich in der Kombination mit dem punkigen Mouse On Mars Elektrosound zwar spannend, neu, aufregend und auch ungehört anhört, wie viele schreiben, aber insgesamt finde ich dieses Album einfach ein bisschen zu anstrengend, um es wirklich hören zu können. Hier kannst du dir kostenlos Von Südenfed-mp3s runterladen. Lied: „In The Basement, Part One“ von Etta James & Sugar Pie DeSanto Ausgesucht weil: es an die früheren Parties im Hobbykeller erinnert, die so schön waren Ausgesucht von: Hot Chip DJ-Kicks (!K7)

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Illustration: Julia Schubert

Joe Jackson, Dominik Eulberg, Positive K, New Order, Ray Charles sind nur einige der Namen, die sich auf der DJ Kicks-Compilation finden, die die großartige Band Hot Chip zusammengestellt hat. „Das ergibt einen ziemlichen Schizo-Mix“, sagt denn auch Hot Chip-Drummer Felix Martin, „aber genau das ist es ja, was uns als Band ausmacht.“ Das beschreibt diesen 68-minütigen auf CD gepressten Auf-und-Ab-, Laut- und-Leise-, Schnell-und Langsam-Wahnsinn so gut, dass man dem eigentlich nichts hinzufügen kann: Blues, Old-School-Hiphop, R&B, House, Soul, Drum & Bass, Detroit-Techno und Electro-Pop fügen sich auf wundersame Weise doch irgendwie harmonisch zusammen. Lied: „Pamplona“ von Pelle Carlberg Ausgesucht weil: Die Sonne scheint, und das ist gut so. Ausgesucht von: Der fantastischen zweiten Platte des Schweden namens „In A Nutshell“ - natürlich auf Labrador

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Illustration: Julia Schubert

Wie seit Jahren beglückt festzustellen ist, reißt der Zustrom an wunderbaren Poplatten aus Schweden einfach nicht ab. Pelle Carlberg setzt nun wieder eine neue Krone obendrauf, mit einem klassischen, soliden und himmlischen Pop-Werk, das sich gleich in die Oberliga spielt, zwischen Beach Boys und Belle And Sebastian. Als wäre es nichts, bilden die elf Lieder des Musikers aus Uppsala jeweils für sich eine harmonische Burg, ein mit Zuckerwerk versehenes Tortenstück, dass einerseits leicht verdaubar ist, andererseits Tiefgang und Schläue aufweist. Seine Stimme und Intonierung (z.B bei „Clever Girls...“) erinnert bisweilen wirklich frappierend an Stuart Murdoch und auch die Instrumentierung, mit Trompeten und Glockenspiel, mit Dschingdarassa und bumm ist wie aus einem Belle And Sebastian- Lehrbuch entnommen. Zusätzlich ist Carlberg ja aber noch Schwede, ein Umstand der unbedingten Mitklatsch- und Fröhlichkeitswillen einfordert. Genau das macht diese Lieder zum perfekten Sommersoundtrack und nicht zur Herbstkerzenplatte. Ein Hitalbum, ein Geschenk für Mädchen in Sommerkleidern, Barfußmusik, Wiesenblumen aus Tönen - sehr große Empfehlung.

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