Dorfdisko battlet nicht die Pink Robots, andere Bands aber wohl schon.

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max-scharnigg

www.meanwhiles.com Dorfdisko – Viel zu stürmisch, viel zu laut (motor) Editors – The Back Room(Kitchenware Records/PIAS) Meanwhiles – The Nights Rewind (decoder records) V.A. – Future Soundtrack for America (barsuk records) Also Dorfdisko. Der Bandname soll ja wohl irgendwelche nostalgische Jugenderinnerung aufstöbern. Ich war aber nie in einer Dorfdisko, ich war immer schon in den topangesagtesten Innenstadtclubs, also wirkt diese Retro-Injektion bei mir nicht. Unsere Praktikantin hat tatsächlich schon ein T-Shirt von Dorfdisko, das steht ihr gut. Ich würde mich aber nicht trauen, ihr die Platte zu schenken, viel zu nichtssagend und profillos klingt das. Der deutsche Popgesang vom „Helden sein“ und „Freiheit haben“, diese Schulfest-Gitarrenmelodien ohne Berg und Tal, das macht mich im Juli 2005 langsam müde. Wenn ich das jetzt gut fände, hätte ich zu Bands wie Astra Kid, Virginia jetzt!, Rekord, Space Kelly, etc., schon längst ausflippen müssen. War aber nicht so. Dorfdisko haben vermutlich einen Majorvertrag, weil die Leute in der Plattenfirma hoffen, dass die Nummer mit der Flaschendreh-Romantik im Deutschpop noch ein paar mal zieht. Vielleicht klappt das auch, lieber wäre mir aber Dorfdisko würden aus diesem Theater aussteigen und mal in die Zukunft spinnen, anstatt immer noch einen Stil zu verkaufen, der mir exakt seit dem Film „Nichts bereuen“ auf den Verklär-Keks geht. Anders funktioniert das in Großbritannien. Da machen auch alle Bands, die gerade einen Vertrag kriegen, irgendwie das Gleiche, trotzdem fühlt sich immer noch jeder dieser Hype-Acts dazu verpflichtet, ein bis zwei Kracher aufs Debüt zu packen, damit die Hysterie wenigstens ein bisschen was zu futtern hat. Editors klingen also fast haargenau wie Interpol, diese wiederum haben im Impfpass ja nun wie allseits bekannt die Joy Division stehen. Sonores Sprechsingen über lang ausholenden Gitarren/Keyboard-Schleifen, dazu ein trocken-treibendes Schlagzeug. Viel muss man nicht dazu sagen, jeder hat ja mittlerweile so eine Band daheim. „Munich“ ist ein hübscher Hit der Editors, nicht nur wegen des Titels, sondern weil man ihn sofort kapiert, beim ersten Hören, zack, wirkt wie dieses Aspirin zum auf die Zunge streuen. Die Restplatte hat noch ein paar solcher Momente, aber natürlich hätte es eine EP auch getan. Das geht überhaupt an alle The-Bands und Artverwandte: Macht doch mehr Singles! Ein schmucker Hit und eine gute B-Seite und ihr brennt euch elegant ins Gedächtnis. Diese langen Alben verwässern nur das schneidige Auftreten. Neu sind auch die Meanwhiles, angeblich, wobei mir der Name verdammt bekannt vorkommt. „Recorded at home in Brooklyn“, steht in der CD-Hülle, das ist schön. Eine Brüderpaar aus New York, das sich hier an sehr vielen verschiedenen Instrumenten festhält und dabei Geräusche macht, wie sie normalerweise eher von Inseln kommen: Island und England zum Beispiel. Schönes, lang-verzweifeltes Aufbäumen mit aller Wucht, wie es Radiohead zu „Creep“-Zeiten perfektionierten: Einsame Singpassagen im Widerhall der Donnergitarren, drohendes Schwären von Bass und Keyboard, Hall und Effekte direkt aus dem Reich der toten Haustiere. Das ist heute etwas Seltenes: Eine ganze, richtige Platte, die am Stück verkauft werden muss, um zu wirken, die dann aber saugt und zieht und nicht mehr loslässt. Sigur Ros würde das auch gefallen. Sehr gute Platte für diese ganze Scheißverzweiflung, die man ja doch mit sich rumträgt. Aber es ist ja Urlaubszeit und einen Sampler aus einem fremden Land zu hören, das ist fast wie ein Bus-Rundreise zu den Sehenswürdigkeiten, nur noch schöner. Future Soundtrack of America ist ein Benefiz-Sampler, mit dessen Einnahmen die politische und gesellschaftliche Opposition in den USA unterstützt werden soll, wenn ich das richtig verstanden habe. Alle sind sie drauf, Death Cab for Cutie (recht super), Bright Eyes (verzweifelt), Nada Surf (so geil souverän) aber auch Blink-182 (Flipflop) R.E.M. (Huhu, Michael Stipe!)und Tom Waits (bräsig). Leider sind der überwiegende Teil der 22 Songs krude C-Versionen, Mixes oder BBC-Live-Session-Aufnahmen, was nicht so richtig viel Kohle für die gute Sache bringen wird, es anders aber wohl auch nicht möglich war, die stattliche Zahl bekannter Leute zu versammeln. Dankbar bin ich, dass mir der Sampler wieder das ganz ausgezeichnete „Yoshimi Battles The Pink Robots“ von den Flaming Lips ins Herz legte. Fast schon vergessen, das süßte Teilchen. Außerdem erscheinen diese Woche: Fat Freddys Drop – Based On A True Story (Sonar Kollektiv) Katze - Von hinten (ZickZack/Indigo)