Entdeckungen aus der Plattenkiste

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Illustration: Julia Schubert

www.heatherduby.org Heather Duby - Come Across the River (Sonic Boom) Dieser Dame aus Seattle, die gerne mit Beth Orton oder Souxie Soux verglichen wird, folgt man schon nach den ersten Takten gerne über den Fluss, auch ohne zu wissen, wohin es gehen wird. Ohne Angst vertraut man sich ihrer verzaubernden Stimme an, dieser zarten, nahen und gleichzeitig entrückten, kühlen Wärme. Sanft führt sie einen in die Schlaflosigkeit, in kahle Wälder, singt von Vorsehung, Verlust, Einsamkeit und Dahinschwinden. Düster und dicht wirkt diese Platte aber nie beunruhigend oder gar kitschig, sondern eher tröstlich. Der Piano-Schlagzeug-Cello-Klangteppich wird dezent durch elektronische Beats verstärkt, hier und da klingelt ein Tamburin und verbreitet fast fröhliche Stimmung. Vielleicht hängen große Kunst und großes Unglück ja doch zusammen. Wünschen will man es der traurigen Stimme von Heather Duby aber nicht. Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Rainer von Vielen – Rainer Von Vielen (Ebenso Musik) Es ist unheimlich, was manche Menschen alles auf die Reihe kriegen. Rainer von Vielen ist so einer. Er studiert an der Filmhochschule in Ludwigsburg Drehbuch, drehte mehrere Musikvideos, komponiert Filmmusik für Lang- und Kurzfilme, hat auch schon die Musik für ein Theaterstück beigesteuert und veröffentlicht nun sein drittes Album. Unsere österreichischen Nachbarn haben Herr von Vielen schon seit geraumer Zeit ins Herz geschlossen. Er gewann den diesjährigen FM4-Protestsong-Contest (immerhin traten 350 Konkurrenten an), das Stück „Innen an Aussen“ hielt sich mehrere Wochen in den Top Ten des Senders. Und obwohl Smudo von den Fantasischen Vier das Album als „Hammer“ bezeichnet (was einen ja erst mal misstrauisch werden lässt), ist es wirklich eine unterhaltsame Platte. Und vor allem eine wilde Mixtur aus Hiphop, Reggae, Elektrorock, Pop, Funk, Akustikgitarre und aberwitzigen Samples. Wer Referenzen mag, kann sich freuen: Die Fantastischen Vier (kein Wunder, dass Smudo Fan ist), Funny van Dannen, Mediengruppe Telekommander lassen sich raushören, gekrönt wird das Ganze dann noch mit Rundumschlägen gegen alle Übel der Welt: Asbestböden über Schulkinderköpfen, Gentechnik, Konsum und Medien. Bestellen bei Amazon Goodnight Monsters - The Brain That Wouldn’t Die (Bone Voyage Recording Company) Die Plattenfirma preist diese Band als Lo-Fi-But-Cool-Fi-Pop aus einem Jugendzimmer in Finnland mit dem Charme einer japanischen All-Girl-Band an. Alles klar? Die Godnight Monsters sind zwei Finnen, die sich wahrscheinlich gelangweilt und deshalb in ihrer Küche ein paar Songs aufgenommen haben. So hört sich’s jedenfalls an: kein Ton wird getroffen, die Gitarren schrabbeln wie die Weltmeister, noch schnell eine Mundharmonika aufgenommen und über die Gitarren gelegt, eine Krackel-Zeichnung für das Cover gekrizelt und fertig war das erste Album. Ein hervorragendes Album wohlgemerkt. Ziemlich schrullig zwar, aber mit wunderbaren Beach Boys- und Flaming Lips-Melodien und sehr charmant. Die Band ist übrigens das erste Signing auf dem Label von 22 Pisterpirko und wurden quasi im Messageboard der 22 Pisterpirko-Seite gecastet. So einfach geht’s manchmal. Bestellen bei SZ-Medieathek oder bei Amazon Kaminer & Gurzhy - Radio Russendisko (Russendisko Records) “Liebe Zuchörer und Zuchörerinnien“ - die Begrüßung auf der neusten Russendisko-Compilation weist den Weg. Yuriy Gurzhy und Wladimir Kaminer präsentieren diesmal nicht mehr famose Stücke uns unbekannter russischer Bands, sondern sie moderieren Stücke wie in einer Radiosendung an und erzählen kleine Anekdoten dazu. Es geht um falsche Identitäten, um Missverständnisse zwischen Russen und Deutschen (Gurzhy und Kaminer trinken zum Beispiel keinen Vodka) und um russische Sänger, die glauben, deutsch zu singen, aber in Deutschland nicht verstanden werden. Dazwischen liest Wladimir Kaminer immer wieder eine seiner Geschichten vor, in denen er drüber nachdenkt, wer Ivan Rebroff wirklich war, wie sich „Rasputin“ von Boney M auf russisch anhört, warum deutscher Hiphop so schlecht ist, ob es Russen auf dem Mars gibt und was Berliner Straßenmusiker können? Kaminer und Russendisko in bewährter Manier also, aber nach wie vor lustig. Außerdem darf diesmal auch Herr Kaminer selbst singen. Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Curse – Sinnflut (Alles Real Records) „Sinnflut“ ist das vierte Album des Mindener Rappers Curse. Grob gesagt ist es musikalisch eine Fortführung von "Innere Sicherheit", wenn auch nicht ganz nicht ganz so experimentell – Beats, die sich vollkommen abkoppeln von dreckigen USA-Produktionen. Inhaltlich ist „Sinnflut“ Curse-typisch: Hiphop-Programmatik bei „Gangsta Rap“ und „Kein Weg zurück“, Stimmungslieder wie „Spiritual“ (mit Patrice) „Struggle“, „Herbstwind“ (neun Minuten lang) und „Wir erwarten zuviel“. Am interessantesten ist aber vielleicht „Links, Rechts“ (mit Italo Reno) in dem die zwei MCs die Wirkung des Schicksals verarbeiten und „24“ in dem Curse minutiös einen Tag beschreibt. „Sinnflut“ ist – meiner Meinung nach – das beste Album des Jahres. Wie Samy Deluxe sagen würde: „Das rundeste Ding seit Erfindung des Rades“. (hannes-kerber) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon V.A. – Hildegard Knef. Ihre Lieder sind anders (Tapete) „Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei“, hat Hildegard Knef gesungen. Am 28. Dezember wäre sie 80 Jahre alt geworden. Auf dem Sampler "Ihre Lieder sind anders" verneigen sich deshalb namhafte Protagonisten der hiesigen Musikszene, darunter Paula, Stereo Total, Richard v. d. Schulenburg, Kissogram oder Justus Köhnke vor der 2002 gestorbenen Diva. Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Björn Kleinherz – Trans Pony (Mi Amante Records) Eine weitere Entdeckung: Ein liedermachender Schwede, der als nächster Kristofer Aström gefeiert wird, in Stuttgart geboren wurde, in Irland seine ersten Songs schrieb und in Göteborg mit Freunden vor drei Jahren ein kleines Label gründete. Selbstvergessene Melancholie, aber ohne die Traurigkeit einer Heather Duby. Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Außerdem erscheinen diese Woche: Home of The Lame - Here, of all Places (Grand Hotel Van Cleef) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei oder bei Amazon Korn – See You On The Other Side (Virgin) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon The Specimens – The Quick and the Leaf (In-Fidelity) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Dendemann – Best of Dendemann (Sleepy’s World) Luis Miguel - Grandes Exitos (Warner) Bestellen bei SZ-Mediathek Michael Bublé - Caught In The Act (Warner) Bestellen bei Amazon The Soundtrack Of Our Lives - A Present From The Past (Soulfood) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Various Artists - Our New Orleans (Warner) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon 1980 Forward – 4AD Celebrating 25 Years (4AD) Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon

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