Gespenstisch - totgeglaubter Rapstar in 100 Meter langer Bar mit LSD unter den Augenlidern gesichtet!

Der Reisepass für die Grenzen der Wahrnehmung: Mars Volta (Foto: Universal) The Mars Volta – Scabdates (Universal) Diese Woche ist aus geheimnisvollen, für niemanden näher zu durchschauenden Gründen große Generalkonferenz der Live-Alben.
christoph-koch
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Illustration: Julia Schubert

Der Reisepass für die Grenzen der Wahrnehmung: Mars Volta (Foto: Universal) The Mars Volta – Scabdates (Universal) Diese Woche ist aus geheimnisvollen, für niemanden näher zu durchschauenden Gründen große Generalkonferenz der Live-Alben. Alle Bands der Welt waren auf Tour und haben ein Aufnahmegerät mitgenommen. Doch welches der Konzertalben soll man denn jetzt aufs Kassenband legen? Ich behaupte ja: Lässt sich alles am Lieblingsrauschmittel festmachen. Für Leute, die sich gerne LSD-Blättchen auf die Zunge oder unter die Augenlider schieben, ist Mars Volta eine gute Wahl. Die Nachfolger der fantastischen Emo-Afros At The Drive-In gehen inzwischen mehr in eine Led-Zeppelin-Richtung und live noch ein paar Schritte weiter in Richtung des unzugänglichen Wäldchens Verschrobenheit. Songtitel wie „Abrasions Mount The Timpani“ lesen sich bereits eher wie die Namen surrealistischer Bilder und wer nach dem rund 40-minütigen Opus „Cicatriz“ noch stehen oder sich gar an eine Art Refrain erinnern kann, sei beglückwünscht. Macht schon Spaß, aber nicht unbedingt immer. Bestellen bei Amazon Bonnie „Prince“ Billy – Summer In The Southeast (Drag City / Rough Trade) Für Whiskey-Freunde mit weniger Interesse an psychedelischen Grenzerfahrungen ist vielleicht das Mitgebrachtel von der Bonnie „Prince“ Billy Tournee die bessere Wahl. Will Oldham, der ja unter diesem wie unter vielen anderen Namen (Palace Music, Palace Songs und sicher auch Palace Schmalace) reüssiert, war mit sechsköpfiger Band im Old South der USA unterwegs. Georgia, Florida, Mississippi, North Carolina – richtig, genau die Staaten, die nach mehreren Hurrikan-Durchgängen nicht mehr so richtig gut beinander sind. Auch wenn es wohl nicht so geplant war, kann man „Summer In The Southeast“ als eine Hommage an diese ehrwürdige Gegend lesen. An die Langsamkeit, die Schaukelstühle und Veranden und das „Spanische Moos“, das von den Bäumen hängt. Persönlich finde ich nicht alle Live-Versionen gelungen. „Break of Day“ beispielsweise wird durch schlimme Backingvocals vom Weidezaun geschossen wie eine rostige Konservenbüchse, andere Stücke wie „Blokbuster“ erstrahlen dagegen in neuem Licht. Bestellen bei SZ-Mediathek oder bei Amazon Tupac – Live At The House Of Blues DVD (Death Row / Eagle Vision) Aber was ist jetzt mit den Kiffern und Edel-Trinkern? Den Blunt-Buben? Den Hennessy-Helden? Die machen es sich mal schön mit der neuen DVD von Tupac gemütlich. Man wundert sich inzwischen ja schon gar nicht mehr, wenn fast zehn Jahre nach dem Tod des Westcoast-Rappers immer noch ein neues Produkt auf den Markt kommt. Diesmal handelt es sich um den durchaus sehenswerten letzten Auftritt Shakurs im House of Blues auf dem Sunset Strip von L.A. – und auch wenn das Linksrechts-Gerenne mit Funkmikro in der Hand ja nicht gerade zu den optisch reizvollsten Formen von Musikdarbietung gehört: Bei Tupac und dem Rest der Death Row Posse (Snoop und Nate Dogg, Outlawz, Suge Knight und Tha Dogg Pound) ist es aber höchst unterhaltsam. Dazu gibt es zum ersten Mal auf DVD auch fünf Videoclips, darunter das spitzenmäßige „Hit ´Em Up“ (mit schöner Lil Kim und Puffy Persiflage) und der Reiseführer in Clipform „To Live And Die In L.A“. Bestellen bei Amazon Prima Carezza – Salon Music At Schumann’s (edel) Für die Champagnerfraktion ist auch etwas dabei: Prima Carezza gegründet von einem Schweizer Chefarzt, hat sich ganz der Salonmusik des frühen 20. Jahrhunderts verschrieben und erweckt auf dem live aufgenommen „Salon Music At Schumann’s“ die Zeit der alten Kaffeehäuser wieder zum Leben. Der Vorkriegsdekadenz und der Bars, die sich über eine über hundert Meter lange Häuserfront erstreckten. Instrumentiert mit Violine, Cello, Klarinette, Akkordeon, Bass und Piano widmet sich Prima Carezza vor allem den Stücken des beinahe vergessenen Komponisten Georges Boulanger, der in Hotels wie dem Berliner Adlon und dem Hamburger Savoy wirkte und später verarmt und unbeachtet in Buenos Aires verstarb. Bestellen bei Amazon Jetzt ist aber Schluss mit Livemusik – für Bourbontrinker hat roland-schulz aber noch eine Empfehlung und hannes-kerber glaubt Bushido den Heroin-Chic nicht . Demented Are Go – Hellbilly Storm (I Used To Fuck People Like You In Prison Records) Jeden Tag eine Flasche Bourbon, danach mit einem Pfund Nägel gegurgelt – so in etwa bekommt man eine Stimme wie Sparky. Sparky, das ist der Gott der Gottlosen, der Tod und Teufel Gefährten nennt, der den Beweis antritt, dass auch böse Menschen Lieder haben. Seine Haut rülpst Pestilenz, sein Atem lässt Blumen welken. So rostig, rauchig und dreckig wie der Sänger der Rasselbande Demented Are Go singt sonst niemand im Rock´n´Roll, was vor allem damit etwas zu tun hat, dass eigentlich niemand mehr richtigen Rock´n´Roll singt, was in Sparkys Ohren heißt: Mutant Rock, Mad Man Roll, Psychobilly halt. Das ist die Musik, die Metallica spielen würden, wenn sie Vampire wären. Schneller, böser, mieser Rockabilly, in dem es immer nur und ausschließlich um die dunklen Seiten der Welt geht: Tod, Teufel und alle anderen Nachtgestalten. Demented Are Go sind, neben den Meteors, so was wie die Altvorderen dieser Musikrichtung. Und jetzt haben sie mal wieder ein Album draußen. Hellbilly Storm heißt es. Ist ganz nett. Aber auch nicht mehr, leider. (roland-schulz) Bestellen bei Amazon oder bei SZ-Mediathek Bushido – Staatsfeind Nr.1 (Ersguterjunge/Universal) Beim ersten Hören bestätigt „Staatsfeind Nr. 1“ die Erwartungen, die ich an Bushido hatte – nicht, dass die sonderlich hoch wären... Dann bekam ich von jemandem, dessen Meinung ich schätz, zu hören: „Harte Jugend... Berliner Ghetto...wenn es dir mal schlecht geht... unheimliche Kraft“. Also höre ich die Platte noch mal. Aber: Ich glaube Bushido keine seiner Rollen: Staatsfeind Nr.1, Kokser, heroinabhängiger Selbstmörder, Engel, bester Rapper Deutschland, harter Brocken, Gangster. Auch deshalb spricht mich das Album nicht an (hannes-kerber). Bestellen bei Amazon oder bei iTunes A-ha – Analogue (Universal) A-ha lösten damals ja Winnetou und Boris Becker als Postermotive in meinem Kinderzimmer ab. Jetzt ist es raus. Aber heutzutage bekennt sich ja jeder zu den damals verlachten Norwegernslickern. Jetzt kommen die brillanten Melancholie-Popper mit einem neuen Album ums Eck. Wieder mit viel Gespür für die richtigen Ansatzpunkte des großen Gefühlsbrecheisens („Celice“, „Analogue“,“The Summers Of Our Youth“), aber als komplettes Album nur gute Mittelklasse. Da war „Scoundrel Days“ damals eben doch besser. Bestellen bei Amazon oder bei iTunes Außerdem sind erschienen: AdamWest – Power To The People (I Used To Fuck People Like You IN Prison Records) Bestellen bei Amazon Anastacia – Pieces Of A Dream (Universal) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes Bamboo Kids – This Ain’t No Revolution (Big Dipper / Cargo) Bestellen bei Amazon Curse - Gangsta Rap (Universal) Bestellen bei Amazon Edith Frost – It’s A Game (Drag City / Rough Trade) Bestellen bei Amazon Eurythmics – Ultimate Collection (Universal) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes Face Down – The Will To Power (Black Lodge / Rough Trade) Bestellen bei Amazon Hell Is For Heroes – Transmit Disrupt (Burning Heart / SPV) Bestellen bei Amazon Henry Reyels – We All Should Be In Love Tonight (Sitzer Records) Il Divo – Ancora (Universal) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes J.B.O. Für Anfänger (Sony BMG) Bestellen bei Amazon Jeff Caudill – Here’s What You Should Do (Redfield Records / Cargo) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes Kate Bush – Aerial (Sony BMG) Bestellen bei Amazon oder bei SZ-Mediathek Martell – Présente Son Interprétation Personelle Du Post-Pop (Carmelle Recordings) Bestellen bei SZ-Mediathek Mojado – Arena (Black Hole / Rough Trade) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes Picastro – Metal Cares (Monotreme Records) Bestellen bei SZ-Mediathek Psychotic Youth – Bamboozle / Alive Under The Midnight Sun (Wolverine) Bestellen bei Amazon Savage Garden Feat. Darren Hayes - Truly, Madly, Completely (Universal) Bestellen bei Amazon Scooter – Who’s Got The Last Laugh Now? (Sheffield / edel) Bestellen bei Amazon The Mass – Perfect Picture Of Wisdom And Boldness ( Monotreme Records) The White Birch – Come Up For Air ( Glitterhouse) Bestellen bei Amazon oder bei iTunes V.A. – Aphrodissimo II (Blue Flame / Rough Trade) Bestellen bei Amazon V.A. - Elizabethtown Original Soundtrack (Universal) Bestellen bei Amazon

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