New York schlägt Schweden 2:1 und Glamour macht mal Pause.

EMI Jede Woche stellen wir an dieser Stelle einige CDs vor, die diese Woche erscheinen.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

EMI Jede Woche stellen wir an dieser Stelle einige CDs vor, die diese Woche erscheinen. Nicht unbedingt die besten, nicht unbedingt die schlechtesten - sondern einfach die, die wir erwähnenswert finden. Subterfuge – The Legendary Eifel Tapes (Supermodern Music) The Ark – State of the Ark (EMI/Virgin) Recover – This May Be The Year I Disappear (Strummer/Universal) Major Matt Mason USA – Bad People Rule The World (Shoeshine Records) Schwervon! – Poseur (Shoeshine Records) Subterfuge. Die sind auch schon immer da. Machen auch immer ordentliche Musik. Trotzdem habe ich noch nie eine Platte von denen gewollt. Ich habe auch noch nie ein Subterfuge -Lied auf eine Mixkassette aufgenommen. Hat nie jemand vermisst. Dabei gibt es, glaube ich, keine deutsche Indierock-Compilation, auf der kein Subterfuge-Lied drauf ist. Also jetzt, was ist das? Langsame, sehr langsame Musik. Pop. Sinnvolle Emo-Reihenfolge: Readymade, Subterfuge, Naked Lunch. Gutherzige Gitarren, ein Sänger mit Tränen in den Augenwinkeln, aber er lacht schon wieder. Vertonen Sie bitte auf Ihrer Platte die folgende Stimmung „Sonnenaufgang über dem Immergut-Festival am Abreisetag“. Schöne Musik, zweifellos, aber es fehlt eben der USP, nicht wahr, Herr Unternehmensberater. Es fehlt der zwingende Grund Subterfuge hören zu wollen und nicht vierzig andere Bands aus interessanteren Ländern. Sie sind so, äh, normal. Das macht Subterfuge eigentlich schon wieder höllisch sympathisch. Vielleicht kriegt diese Band im 14. Jahr ihres Bestehens endlich mal mehr als ein freundliches Kopfnicken. Vielleicht sollte sie aber auch aufhören, mit diesem versöhnlich-fantastischen Album. Kolossal neugierig ist man ja darauf, was The Ark auf ihrem dritten Album wohl so machen. Die Vorgänger-Platten legten schillernde Grundsteine für alles, was in den letzten Jahren an Rock und Glam aus Skandinavien kam. Jetzt also das schwierige, dritte Album. Es glamt nicht mehr so, was aber wohl bewusste Entscheidung der Band war. Ein paar schrille Spuren sind aus den Liedern verschwunden, man müht sich eher mit herkömmlichen Rockeffekten ab und möchte dabei so gerne wieder einen Hit haben. Schlecht ist das nicht, aber die Lockerheit ist hin, der Überrumpelungsbonus des Debütalbums sowieso. Der Song „Clamour For Glamour“ bringt es auf den Punkt. Ein Hitchen. Eines das man zwischen 21 und 22 Uhr auflegt. The Ark sind gerade netto nicht mehr als eine schwedische Poprockband aus dem guten Mittelfeld. Das macht traurig. Es soll aber lustig sein. Deswegen höre ich als nächstes „Eines der besten Rockalben des Jahres“, wie die Rockzeitschrift Visions über den Auswurf einer amerikanischen Band namens Recover urteilt. Ganz früher hat diese Band laut Pressetext Green Day-Songs gecovert, was ich einen unendlich beruhigenden Zeitvertreib finde. Damals waren die Bandmitglieder aber erst zwölf Jahre alt, was mir schon wieder affig aufstößt. Jaja, und mit fünf haben sie bestimmt schon The Clash gecovert. Jetzt also Rock. Und ich langweile mich nach drei Liedern so entsetzlich, dass ich die Fotos im Cover anschaue. Vier grimmige Jungs, einer hat ein T-Shirt mit Totenkopf drauf, tatsächlich! Lange Haare haben sie auch, was mir aber gar nichts ausmacht. Ein Lied heißt "F**k Me For Free", das reicht vermutlich, um in den US-College-Charts als wildes Rockding durchzugehen. Ich muss lachen. Recover machen Rockmusik, wie man sie momentan einfach nicht hören will, wo uns doch aus Schweden und England eimerweise, selbstherrlich-melodiesicheren Bands überschwemmen, alle sexy, kurzlebig, radikal-chic. Und Recover kommen mit so einem biederen Pearl Jam meets Offspring-Gepupse an. Keine Stimme, nix zu sagen, nix anzuziehen. Pah! Visions, da habt ihr mich ja sauber reingelegt. Heute ist echt Scherzkeks-Sprechstunde, der nächste Patient heißt Major Matt Mason USA, ist aber zu Abwechslung super. Der Typ spielt auch bei Schwervon!, die ich gleich ebenfalls loben werde, aber sein Solo-Ding hier ist noch weiter vorne. Ganz kurz: New York, Antifolk, leichte Gitarre, zynische Texte und eine schnodderige Singstimme zum Knuddeln. Verdammt will ich sein, wenn ich leichtfertig Leute mit Adam Green vergleiche, aber hier geht’s nicht anders. Major Matt ist ein bisschen kauziger, ein bisschen schrumpeliger, aber liebenswert wie Bolle. Besser als Ben Kweller auf jeden Fall. Hat jemand ein Fenster, ich will mich weit rauslehnen: Major Matt macht Karriere. Erst als Geheimtipp, dann als Tipp und dann als Typ, und zwar als geiler. Außerdem hat er ein Lied das „Munich“ heißt und, natürlich, super ist. Zusammen mit seiner bezaubernden Freundin Nan Turner bildet er dann noch die Mini-Band Schwervon!, ein Narr, wer da nicht gleich an White Stripes und Moldy Peaches denkt. Zurecht! Schwervon! waren gerade mit Kimya Dawson auf Europa-Tour und sind, Ladies und Gentlemen, heißer als eine voll aufgedrehte Herdplatte, auf die die Sonne scheint. Zweigesang mit schriller Dame, Melodien fast so gut wie von den Pixies, schön verstrubbelt jedenfalls und schief. Wie man das eben so gewohnt ist aus New York, in den letzten Jahren. Klar darf gefragt werden, ob es das jetzt noch mal braucht, dieses geschwisterliche Rumrocken auf ungestimmten Mülltonnen. Aber: Logo. Und wie gesagt, die Soloplatte des Knaben ist mir noch lieber. Aber nur weil ich grade noch ein bisschen Kopfweh habe von Recover. So, ich höre jetzt auf. Besser wird’s nicht. Außerdem erscheinen diese Woche: Pete Philly & Perquisite - Mind.State (Epithaph/SPV) Eigentlich ist es gut, wenn Musiker über den Tellerrand schauen. Wenn sie neue Einflüsse haben, so wie etwa The Roots. In deren Tradition sehen sie Rapper Pete Philly und Produzent Perquisite. Die Beiden haben ein bisschen zu viel über den Tellerrand gesehen und das Album "Mind.State" abgeliefert. Das Album schwimmt irgendwo zwischen Jazz, Lounge und HipHop - und ist genau deshalb nicht wirklich hörenswert.(hannes-kerber), Ich+Ich - Ich+Ich (Polydor) Die blöde Annette Humpe macht jetzt blöde Musik mit einem blöden Namen. Blöd. Bomfunk MCs – Reverse Psychology (Polydor) Tiger Tunes - Absolutely Worthless Compared To Important Books (V2)

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