Reingehört mit den Kaiser Chiefs, Tele, Handsome Hank und vielen mehr

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Lied: Ruby von den Kaiser Chiefs Ausgesucht weil: Wir hören es ja sowieso schon ununterbrochen in der Diskothek unseres Vertrauens und dem einzig hörbaren Radiosender der Stadt. Also auch hier. Ausgesucht aus: Yours Truly, Angry Mob (Polydor)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Rein qualitativ hat sich bei den Kaiser Chiefs nichts geändert. Wieder haben sie einen sehr hohe Standard abgeliefert, perfektes Hit-Material. Nur leider auch: null Innovation. Bei diesen Herren hat man nicht das Gefühl, einer Band beim Leben zuzusehen. Eher wie da eine Maschine einen Tanzboden Feger nach dem anderen raushämmert. Selbstverständlich ist das perfekt Indie-Discotheken-tauglich mit dem Kaiser Chiefs-patentierten Stakkato-Rock, der nur dafür gemacht ist: die Tanzfläche möglichst schnell möglichst derwischhaft voll zu kriegen. Aber vielleicht ist man ja auch ein bisschen zu mäkelig, wenn man von einer Band verlangt, dass sie sich weiter entwickelt, wenn sie die perfekte Formel schon gefunden hat. Lied: Bye Bye Berlin von Tele Ausgesucht weil: es der Song für alle ist, die zum Studium nach Berlin gegangen sind und sich nach der schönen Heimat sehnen. Also eigentlich die Hälfte unserer Generation. Ausgesucht aus: Wir brauchen nichts (Universal)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Die können das irgendwie, die Tele-Jungs: Musik machen, die einen mit einem Gefühlsmischmasch zurück lässt, das eigentlich gar nicht zusammen geht: mit einem melancholisch-hoffnungsvoll-traurig-fröhlich-gute-Laune-Gefühl. Vielleicht sind daran ihre schön gesetzten Chöre, ihre Alltags-geprüften und schlauen Texte. Vielleicht ist es auch all das zuisammen. Ähnliche Arrangements wie auf dieser Platte findet man jedenfalls in Deutschland sehr selten, mal erinnert das an den Beach-Sound der 60er, mal wird es ein bisschen jazzig, wenn sie ihre Hörner auspacken. Und was sie auch können: in zwei Zeilen ein Bild enstehen lassen, das stimmt. Und das ist eine seltene Begabung. Was sie, auf der anderen Seite, nicht ganz so gut können: schön singen. Aber für diesen Job gibt es ja andere Bands und Interpreten. Lied: Follow Me von Handsome Hand and his Lonesome Boys Ausgesucht weil: Amanda Lear ist ja nun nicht für ihre Country-Tauglichkeit bekannt, aber Handsome Hank und seine einsamen Jungs beweisen mal wieder, dass jedes noch so bescheuerte Lied in einem neuen Gewand auf einmal sehr gut aussehen kann. Ausgesucht aus: Live in Murmansk (Rookie Records)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Mit ihrem neuen Album „Live At Murmansk“ beweisen die sechs Schweizer das aufs Neue. Insgesamt 15 Songs sind da drauf und bis auf ein Instrumental und einen alten Texas-Schlager von Bill Monroe sind es alles Pop-Songs. Dabei unter anderem „Rasputin“ von Boney M., "Big Big Girl" von Emilia und "Ace of Spades" von Motörhead. Das ist alles sehr lustig und vor allem live ein einziger Faschings-Ball der guten Laune. Aber beim Durchhören der Platte denkt man nach dem fünften Cover, warum diese so unfassbar talentierten Musiker nicht auch mal einfach ihre eigene Musik machen und vor allem: warum sie Country scheinbar so misstrauen, dass sie ihn nur ironisch transportieren können. Spielen können die sechs nämlich wie Derwische, singen auch. Lied: Cary Grant von den Moulinettes Ausgesucht weil: Jeder Cary Grant sein will, wie die Moulinettes sehr schlau singen. Ausgesucht aus: Für eine Handvoll Moulinetts – 10 Jahre verstrickt (Echokammer)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Die Moulinettes sind zehn und haben sich zum Geburtstag nicht nur ein paar Fingerpuppen gestrickt, sondern auch eine Best-of-CD gebastelt. Darauf sind nicht nur sämtliche Hits drauf, sondern auch ein paar verloren gegangene Songs und zwei ganz neue. Dass diese Band ihr zehntes Bühnen-Jubiläum feiert, freut aber nicht nur die Mitglieder der Kapelle, sondern eigentlich alle, die ein Herz für gute Musik und Frauenbands ohne Frauen-Attitüde haben. Einziger Wermutstropfen: die Tatsache, dass man von ihnen schon so lange nichts Neues mehr gehört hat. Trösten wir uns eben mit dieser sehr reichhaltigen Werkschau der Moulinettes. Lied: Florence’s Sad Song Ausgesucht weil: So ein trauriges Kinderlied kann natürlich nur von einem traurigen Belle & Sebastian-Frontmann gesungen werden. Ausgesucht aus: Songs For The Young At Heart (City Slang)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ach ist das eine wunderbare Idee! Die Herren Stuart Staples und Dadve Boulter, ihres Zeichens Sänger und Keyboardes von den Tindersticks haben alte Kinderlieder neu vertont und sich dafür eine Menge hervorragender anderer Musiker an Bord geholt. „Florence’s Sad Song“ wird von Stuart Murdoch von Belle & Sebastian gesungen, außerdem dabei: Jarvis Cocker, Bonnie „Prince“ Billy, Kurt Wagner von Lambchop und so weiter und so fort. Man möchte sofort einem entfernten Verwandten-Kind ein Päckchen schnüren und diese CD ganz oben drauf legen. Und während man die Adresse auf das Päckchen schreibt, denkt man sich ganz nebenbei: "Verdammt, warum wollte ich als Kind immer Benjamin Blümchen anhören und konnte mich nicht für so großartige Musik begeistern." Aber es nützt ja nichts, sich über den eigenen schlechten Kinder-Geschmack aufzuregen und deshalb behält man am Ende die CD einfach und schickt dem Verwandten-Kind doch nur ein T-Shirt mit dummem Aufdruck, auf dass es sich die Coolness selbst erobere... Lied: Brain Leech von Alex Gopher Ausgesucht weil: Die erste Single-Auskopplung sich besonders französisch-sophisticated anhört und man gleich seine House-Schuhe anziehen möchte. Ausgesucht aus: Alex Gopher (Go 4 Music)

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Illustration: Julia Schubert

Alex Gopher ist in Frankreich eine Disco-Koryphäe. Er hat mit den Jungs, die später Air wurden, in den 80er Jahren zusammengearbeitet. 1994 dann sein erstes Solo-Album herausgebracht und daraufhin gleich mal Remixe für Nightmares On Wax, Kraftwerk, Bootsy Collins und noch viele mehr gemacht. Auf dieser Platte nun hat er wieder seine ganz alten Kumpanen von der Straße geholt und im Studio versammelt. Und was ist rausgekommen? Ein sehr abwechslungsreiches Club-Album, mal sehr sexy mal sehr einfach und lieblich klingend. Lied: Brother Sister von den Soft Hearted Scientists Ausgesucht weil: so eine schöne Flöte spielt da um einen Song herum, es ist eine Freude Ausgesucht aus: Uncanny Tales from the Everyday Undergrowth (My Kung Fu)

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Illustration: Julia Schubert

Ach, man würde die Soft Hearted Scientists so gerne uneingeschränkt super finden und auch noch zu recht. Weil sie schöne Musik machen, aus Wales kommen und so geheimnisvoll klingen. Leider ist es nun so, dass in letzter Zeit ein bisschen zu viel folkige Kollektiv-Musik aus den Regalen quillt und die Begeisterung für den zehnten Act, der pittoreske Instrumente (hier sind es, wenn mich nicht alles täuscht, Flöten und witzige Synthie-Sounds) naturgemäß irgendwann nachlässt. Schade. Kann die Band nämlich nichts dafür. Lied: Destroy The Future Of All Mankind von Dextro Ausgesucht weil: hier die Musik wie der Brei aus dem Märchen hervorquillt und gar nicht mehr enden will. Ausgesucht aus: Consequence Music (Groenland)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Das ist keine CD, das ist ein sorgfältig geklöppelter Soundteppich, der sich dem Hörer um die Schultern schmiegt, nur um irgendwann einen Angriff auf die Gehörgänge zu unternehmen. Nicht wie die Killertomaten. Mehr so: steter Rhythmus höhlt den Gehörgang. Irgendwie ist das faszinierend und ein bisschen hypnotisierend. Ein kleines bisschen Geduld braucht der geneigte Hörer mit dieser Platte. Aber es öffnet sich einem auf das zweite oder dritte Hören, wie vielschichtig und behutsam da jemand mit Musik umgeht. Lied: Klutter von Kimya Dawson & Jeffrey Lewis Ausgesucht weil: man Kimya Dawson aus irgendeinem komischen Grund am liebsten zur Freundin hätte und sich immer frveut, wieder etwas von ihr zu hören. Und wenn es nur auf einer CD ist. Ausgesucht aus: V.A. – Sidewalk Songs & City Stories (Trikont)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Der deutsche Verleger und Journalist Martin Büsser hat bei Trikont einen Sampler mit Anti-Folk-Musik rausgebracht. Da ist Herman Düne dabei, auch der wild-schöne Devendra Banhart und viele unbekannte Künstler. Allen ist totaler LoFi zueigen und den politischen, subversiven Anti-Mainstream haben sie alle mit der Muttermilch aufgesogen. Das ist oft ein bisschen anstrengend anzuhören. Aber dank des ausführlichen Booklets (wie immer bei Trikont, die vielleicht die besten CDs in Deutschland machen) kann man sich mit dieser CD einen guten Überblick über die Szene verschaffen. Lied: East Babe von rad. Ausgesucht weil: das Stück das funkieste von allen ist mit einem verfrickelten Basslauf und der sehr sexy Stimme von rad. Ausgesucht aus: East Babe (7bridges Recording)

rad. macht Funk, kein Wunder als ehemaliges Mitglied von Princes „New Power Generation“. Nach einem kurzen Ausflug in den Mutterschaftsurlaub hat sie nun ein neues Album aufgenommen, das sich anhört, als hätte Bootsy Collins eine kleine Party mit Sly & the Family Stone gefeiert. Viel Improvisation, treibende Rhythmen und ein bisschen Jazz. Kein Wunder: Die Mitglieder von rad. arbeiten nebenher unter anderem bei Tower of Power, in Herbie Hancocks Band und Sheila E..

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