Reingehört mit Maximo Park, Puts Marie, Apostle Of Hustle und anderen tollen Kapellen

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Die Fankritik von peter-wagner

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Illustration: Julia Schubert

Lied: By the Monument von Maximo Park Ausgesucht weil: Hat Drive, Drive, Drive. Wenn der Frühling ein Lied braucht – Grüß Gott und Guten Tag, hier hat er´s. Ausgesucht aus: Our Earthly Pleasures Warp (rough trade) Bin eher hinten dran mit Musik und Trends und sonst so und gut beschreiben kann ich sie auch nicht. Das machen hier vor allem der Erk Daniel, der Scharnigg Max undsofort. Aber eben bei Maximo Park war ich wegen sauviel Glück mal der Erste. Die Spex (zufällig gekauft, echt) hatte Anfang 2005 von einem Londoner Gig einer unvergleichlichen Band berichtet, die, hieß es damals, bald auch testweise in Berlin und Köln spielen werde. Ich bekam Karten, ging hin, kannte kein Lied und erlebte das beste Konzert meines Lebens. Und das, wo ich doch kein Musikantentreffen besuche, ohne vorher die Songtexte auswendig gelernt zu haben. Jeder Titel ein knüppelharter Ohrwurm, zwo-drei-vier-los-geht´s, ich habe zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben allen Menschen, die mir lieb und teuer waren eine Gruppe ans Herz gelegt. Diese Gruppe. Keiner hat´s bereut. Maximo Park sind der Treibauf unter den Indie-Bands, darf ich das so sagen? Die zweite Platte ist der liebenswert-forsche Beweis für diese These. Wer nach einem öden Arbeits-Lern-oder-Trauertag nochmal Energie tanken will, klebt sich die Stöpsel ins Ohr und lauscht. Und freut sich. Und dankt vielleicht dereinst einmal dem Fan-Kritiker von jetzt.de. Aber das muss auch nicht sein. Hier bitte reinhören: Maximo Park auf MySpace +++

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Illustration: Julia Schubert

Lied: NoNoNo von Apostle Of Hustle Ausgesucht weil: Es zwar nicht unbedingt für die Stimmung auf der Platte steht, aber so hübsch klingt. Ausgesucht aus: National Anthem Of Nowhere (Arts&Crafts) Apostle Of Hustle ist das Soloprojekt von Andrew Whiteman, der zum Geldverdienen bei „Broken Social Scene“ die Gitarre und Tres (eine kubanische Gitarre) bedient. Zusammen mit Dean Stone und Julian Brown, ebenfalls Indie-Hipster aus Toronto, hat er dieses Projekt schon 2001 gegründet und 2004 das Debüt „Folkloric Feel“ veröffentlicht. „National Anthem Of Nowhere“ ist der Nachfolger. Und er ist gut. Die drei Herren haben sich noch eine Menge Gastmusiker eingeladen, Liam O’Neil von The Stills, Lisa Lobsänger, eine Kollegin von Broken Social Scene und Daniel Stone, der auf fast allen Stücken Conga, Bongo und Caja spielt. Das hört sich jetzt möglicherweise recht Weltmusik-ig an, ist es aber überhaupt nicht, keine Bange. Viel mehr ein weiterer Beweis, dass die Kanadier gerade anscheinend Wasser saufen müssen, weil sie so unfassbar kreativ sind (Siehe Aufmacher). +++

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Illustration: Julia Schubert

Lied: Happy Game von Puts Marie Ausgesucht weil: man sofort in die Tanzschuhe schlüpfen möchte oder einen Volkshochschulkurs in Tuba belegen. Ausgesucht aus: Dandy Riot (Hazelwood) Das hört man und imaginiert ein paar überschlanke langhaarige Engländer auf einer zu kleinen Club-Bühne, die mit Verachtung ihre Instrumente bearbeiten. So hingerotzt und großartig die Laune verbessernd klingt das. Stimmt aber mal wieder nicht, es sind Schweizer, die hier ihre akustischen Instrumente so beharrlich traktieren, bis richtig lauter Lärm herauskommt. Aus einem Ort namens Biel stammen die, sind dann aber bald aus den Bergen herunter gewandert, haben auf dem Weg über die Alpen eine Band gegründet und sind dann für einige Zeit durch Europa gewandert und dabei aus Versehen richtig erfolgreich geworden. Und das ging so: zunächst wurde an exponierter Stelle ein Freiluftkonzert gegeben, daraufhin kamen Kontakte zur Szene zustande, die Clubs wurden zu Hallen und am Ende war die Stadt bespielt. „Dandy Riot“ ist das erste Album der Band. Es ist swingende Musik, die sofort Lust auf Tanzboden-Derwischtum und Rumschreien macht. Also: gut und sympathisch. +++

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Illustration: Julia Schubert

Lied: „Taboo“ von G.Rag Y Los Hermanos Patcheckos Ausgesucht weil: Der akustische Bass, der Rhythmus, die Melodie, die Congas! Ausgesucht aus: Lucky Goddamn (Gutfeeling) A propos sympathisch: Die Münchner Kapelle G.Rag, bestehend aus zwölf Musikern, ist genau das: außerordentlich sympathisch. Man erkennt sie im Stadtbild leicht, vor allem an ihrer babylonischen Sprachverwirrung und dem ausnehmend gesunden Durst. Das Prinzip G.Rag funktioniert so: Man nehme eine gute Portion alter bayrischer Blasmusik, zwei Megaphone, Hank Williams und Woody Guthrie, eine Steel Drum und rühre alles kräftig um. Heraus kommt das, was sie als „Caribbean Folk Trash“ bezeichnen. Für den Laien klingt es sehr toll und großartig sympathisch. Reinhören kannst du auf der Seite ihres Labels gutfeeling.de. +++

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Lied „Going To Where The Tea Trees Are“ von Peter von Poehl Ausgesucht weil: es der Beginn der Geschichte dieses Musikers ist. Ausgesucht aus: „Going To Where The Tea Trees Are (Herzg Records) Peter von Poehl, halb Schwede, halb Deutscher, ging vor knapp zehn Jahren nach Frankreich, um dort als Musiker seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er schaffte es, zu einem gefragten Studiomusiker zu werden und arbeitete unter anderem auch für Michel Houellebecq. So ganz nebenbei bastelte er an seinen eigenen Songs. Irgendwie schaffte es der kleine Song „Going To Where The Tea Trees Are“ in eine Pariser Radio-Station, wurde dort gespielt und sofort von allen Hörern ins Herz geschlossen. Von Poehl zog vor kurzem nach Berlin und hat dort sein Debüt-Album fertig gestellt. Das ist wirklich schön geworden und man versteht, warum die Pariser Radiohörer so entzückt waren. Ein reizendes Stück Musik, das innen drin ganz behaglich macht. +++

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Illustration: Julia Schubert

Lied: La Número Cien“ von Genaro Salinas Ausgesucht weil: Rumba, Cha Cha Cha, großartig. Deshalb. Ausgesucht aus: „Mexican Boleros – Songs of Heartbreking, Passion & Pain 1927-157“ (Trikont) Kaum ist die CD in der Anlage, will man sich die Congas von Daphne aus „Manche mögen’s heiß“ ausborgen und einmal sehr schief durchs Großraumbüro rasseln. Geht natürlich nicht, weil andere auch noch arbeiten müssen. Deshalb hört man sich brav auf dem Stuhl die Platte an und liest das (wie immer bei Trikont) hervorragende Booklet, das der CD beigelegt ist. Der Bolero ist die Schnulze der Mexikaner, der groß wurde in den Bordellen von Mexiko City und in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts seinen Höhepunkt hatte. Dann kam, mit der Einführung des Fernsehens der langsame Niedergang und seitdem fristet der Bolero wieder eine Schattenexistenz in der Muzak-Abteilung der mexikanischen Gesellschaft. Der Schriftsteller und Journalist Stefan Wimmer hat selbst drei Jahre in Mexiko City gelebt. Er hat die Songs zusammengestellt und daraus einen Spaziergang durch die Gefühlswelt von Machos, Masochisten und Liebeswahnsinnigen gemacht. Sehr hörenswert. +++

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Illustration: Julia Schubert

Lied: “21st Century Pardise Traveller” von Surrounded Ausgesucht weil: Episch genug, um einen Eindruck von der Musik-Weberei der Band zu bekommen, aber kurz genug, um Menschen mit ADS nicht zu überfordern. Ausgesucht aus: The Nautilus Years (Make My Day Rec) Wir sind ja in schwedische Bands schon von vornherein reinverknallt – ganz ohne ihre Musik zu kennen. Klar, die sind gut aussehend, tragen so schöne Lederjacken, heißen Lasse und machen momentan den besten Rock’n’Roll. Nur. Schön langsam wird es langweilig. Jede Woche erscheint eine neue schwedische Formation (alle vier Wochen sind dann zur Abwechslung kanadische Riesen-Orchester dran) und alle haben die gleich solide, manchmal sogar hervorragende Qualität. Surrounded auch. Sie orientieren sich recht eindeutig an „The Flaming Lips“ und deren Vorbild „Pink Floyd“ - alles super und super-solide. Nur haben sie eben das Pech der späten Band-Geburt. Alles schon da gewesen und alles auch schon in dieser Qualität. Weshalb man de Platte ein wenig ungnädig begegnet und sich wünscht, jemand würde mal wieder etwas Abwechslung reinbringen. +++ Anmerkung: Modest Mouse „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ würden wir gerne besprechen, leider lässt sich die CD nicht abspielen. Vielleicht nächste Woche.

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