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Reingehört Spezial: Musik von Mädchen nicht nur für Mädchen

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Diverse – 4 Women No Cry (Monika enterprise) Lalalaaa-lalaaaa-la-laa / lalalalalaaa-la-lalalaaaa haucht Dorit Chrysler uns entrückt zu sphärischen Theremin-Klängen entgegen und eröffnet damit die zweite Folge der „4 Women No Cry“-Compilation-Reihe, die das tolle Berliner Monika Label jedes Jahr veröffentlicht. Das Motto dieser Reihe wurde von Rainald Goetz übernommen: „Don’t Cry – Work“. Die Idee: Vier noch nicht so bekannte Künstlerinnen aus vier Metropolen auf einer Platte vereinen, um so die Aufmerksamkeit zu bündeln. Diesmal sind New York, London, Berlin und Barcelona vertreten. Aber nicht nur das Geschlecht hält diese Compilation zusammen, sondern auch die Musik der vier Damen: psychedelischer, experimenteller, melancholischer Laptop-LoFi-Dubstep-Pop-Minimalismus-Elektronika. Das hört sich jetzt vielleicht abschreckend und ziemlich anstrengend an, ist es aber nicht. Im Gegenteil. Die Compilation ist eine Entdeckungsreise in aufregende, neue Klangfelder: Dorit Chrysler, gebürtige Österreicherin, die aber in New York lebt und arbeitet, hat sich ganz dem seltsamen Instrument Theremin verschrieben und komponiert mit ihm federleichte Popsongs, die wie aus einer Traumwelt zu uns herübertönen. Die in Japan geborene und in London lebende Künstlerin Mico arrangiert ihre Spoken Words in einer manchmal an Console erinnernden Knister-Elektronik. Monotekktoni aus Berlin orgelt dagegen über alle Genregrenzen hinweg, mal melancholisch-düster, mal punkig-mitreißend auf Synthesizer und Klavier. Am vertracktesten und verschwurbeltsten klingen die Klick- und Klacker-Lieder von Iris aus Barcelona, aber auch sie ist eine Entdeckung.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Diverse – Girl Monster (Chicks on Speed Records) Nicht nur Sampler, sondern zugleich Manifest und weibliche Musikgeschichtsschreibung ist das von Chicks On Speed-Mitglied Alex Murray-Leslie herausgegeben 3-CD-Paket „Girl Monster“. Ein feministisches Großprojekt: Das Girl Monster ist hysterisch, neurotisch, satanisch, seine Hysterie kann nicht kontrolliert oder unterdrückt werden durch Konsumismus oder Heldenverehrung, schreiben die Manifest-Verfasser. Girl Monster sind das Gegenmodell zum Fembot, einem weiblichen Roboter, der in den fremdbestimmten Strukturen des Mainstream verhaftet bleibt und ein von männlichen Komponisten und Produzenten erschaffenes Pop-Püppchen ist. Austausch zwischen Musikerinnen fördern, ist das eine Ziel dieses ambitionierten Projekts. Das andere: Die Verknüpfung zur New Wave Musik. Die Zeit zwischen 1978 und '84 war eine Blütezeit weiblicher musikalischer Ausdrucksformen. Erstmals traten Frauen in dieser Phase unübersehbar als Musikerinnen auf die Bühne. Girl Monster zieht denn auch eine Verbindungslinie von den ersten Punk-Girl Monster-Bands wie den Slits, die sich die Do-it-Yourself-Tradition aneigneten, sich Instrumente schnappten, ohne sie spielen zu können, und begannen, sich auf der Bühne genauso zu verhalten wie Männer (spucken, sich auf dem Boden wälzen, schreien und anzügliche Gesten machen) über Postpunkbands wie den Raincoats, Malaria oder Delta Five zu den Riot Grrrls der Neunziger wie Le Tigre, die die Attitüden der Punk- und Postpunkbands in den Neunzigern wieder aufgriffen bis zu den unzähligen Ausdrucksformen heutiger Elektro-Künstlerinnen: da ist das aggressive German Fräulein Miss Le Bomb, BH-Verweigerinnen wie No Bra und geschlechtswechselnde Damen wie Gustav, Kevin Blechdom und Peaches und nicht ganz so lauten Künstlerinnen wie Michaela Melian oder Valerie Trebeljahr (Lalie Puna ). Eine wahre musikalische Schatztruhe ist diese Compilation. Weitere Einführungen in die Welt der Girl Monster sollen übrigens noch folgen.


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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Diverse – Female Future Transatlantic (Phazz) Diese letzte Compilation (auch schon der zweite Teil einer Reihe) spannt musikalisch den weitesten Bogen: von Jazz über Indietronic Minimal, Detroit House bis Spoken Word-Hop. Die selbst gesetzte Aufgabe der Platte: Verbindungen zwischen Musikerinnern hierzulande und in den Vereinigten Staaten ziehen. Und das klappt erstaunlich gut, fast hat man das Gefühl die auf dieser Platte vorgestellten Musikerinnen befinden sich im Zwiegespräch miteinander und antworten auf den jeweils vorangegangen Song. Die 70-jährige Jazz-Harfinistin Alice Coltrane auf Niobe, Michaela Melian fängt die instrumentalen Harfenklänge mit Cello-Zupfen und Synthie-Zirpen im wunderschönen Instrumental „Kloster“ auf, Masha Qrella verbindet die Elektronik mit einer Prise kuscheligen Pop, den Gladys Garcia fortführt und dann mit DJ Designer Imposter wieder in die USA gespielt wird. Danach wird es mit Barbara Morgenstern wieder elektronischer und instrumental und mit DJ Genesis und Mike Grant feat. Sky vor allem housiger, nur um dann noch mal einen Schlenker über ein Spoken Word Kapitel wieder zu sanften Ambient-Klängen zu gelangen. So gut können transatlantische Beziehungen funktionieren. Außerdem erscheinen diese Woche natürlich noch ein paar andere Platten:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Petsch Moser – Reforma (Wohnzimmer Records) Sehr schön ist das neue Album dieser Wiener Indie- und FM4-Lieblingsband, die sich nach dem Schweizer Buckelpistenfahrer Petsch Moser benannt hat. Neuerdings verlassen sich die vier Herren nicht mehr nur auf Gitarren und Mundharmonika, sondern für das Eröffnungs- und Schlussstück wurde eine ganze Bläserfraktion eingeladen und ein Klavier verirrt sich jetzt auch das ein oder andere Mal zu den zum leidenschaftlichen Mitschunkeln animierenden Melodien.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Herztechnik – Walk On Air (Schinderwies) Stell dir vor: Du stehst auf einem Berggipfel, der Wind bläst dir sanft um die Nase und es schneit, du siehst nur weiß, ab und zu von gelben Sonnenfetzen durchzogen, und in diesem Frau Holle-Weiß hast du ein Gefühl von Raum- und Schwerelosigkeit. So hört sich das neue Album der München-Regensburg-Herztechniker Oliver Balk und Billie Mayer an. Gitarre, Glockenspiel, Mundharmonika, Streicher, Elektronik werden zu filigranen Popsongs mit Chanson-, Bossa Nova und Easy-Listening-Elementen verwoben.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Karma - Latenight Daydreaming (Compost) Und auch dies noch mal ein Album, das die Grenzen zwischen Jazz, Soul, Elektronik und Pop verwischt. Karma sind die beiden rheinländischen DJs und Produzenten Lars Dorsch und Tom Dams. Mit dem Clubknaller "High Priestess" wurden sie 1993 bekannt, jetzt haben sie sich eher dem Kontemplativen zugewandt und ein extrem warmes, entspanntes und Ruhe verströmendes Album aufgenommen. Und wenn man den Stimmen von Michelle Amador bei „Are We?“ und „Home“ lauscht oder Oezelem Cetin in „Father, Father“ weiß man, wie Soul auch klingen kann. Diverse - New British Invasion (Firestation Records) The Beautiful Kantine Band – Deluxe Vol. 1 (Wohnzimmer Records)

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