Reingehört und aufgeschrieben

www.
max-scharnigg
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

www.thethrills.com Jede Woche stellen wir an dieser Stelle einige CDs vor, die diese Woche erscheinen. Nicht unbedingt die besten, nicht unbedingt die schlechtesten - sondern einfach die, die wir erwähnenswert finden. Lake Placid – Make more Friends (Universal) Team Blender – In die Nacht (Kind Label) The Frames – Burn the Maps (Plateau Records) The Sid Hillman Quartet – Tercero (Trocadero Records) The Thrills – Let’s Bottle Bohemia (Emi) Diverse – berlin Super 80 (Crippled Dick Hot Wax) Dänen sind nette Menschen, ein bisschen einfach gestrickt aber gesund. Ich kenne allerdings keine. Jetzt kenne ich immerhin den Abräumer der dänischen Indie-Szene, die Band Lake Placid. Das sind lauter so dänische Intellektuelle mit gutem Charakter, versucht mir der Pressetext zu stecken. Ihre Musik? Pop halt, aber gar nicht Dogma, sondern eher so Blondie für Nordlichter, ein bisschen lustig und mit Keyboards, einfach gestrickt, aber: hörbar. In guten Momenten auch so, dass man mit der kleinen dänischen Sängerin unanständige Sachen incl. Küssen machen möchte. Mit Berlin möchte ich auch mal dringend unanständige Sachen machen, allerdings excl. Küssen. Etwas, das sich Team Blender nennt, hat mir eine EP geschickt, mitsamt der gedruckten Warnung, es handle sich dabei um „verträumten Gesang und atmosphärisch dichten Sound“. Besser hätte das mein ungeborener Schwager auch nicht ausdrücken können. Schon wieder singt da eine Frau, bzw. ein verträumtes Mädchen und Jungs machen dahinter, was Jungs oft machen, wenn sie nicht krank sind: Gitarrentöne mal laut, mal leise. Team Blender also: arg brav, möchte ich meinen, arg harmlos, deutsche softemo Texte und ein einfältiges Schlagzeug. So wird das irgendwie nichts, zumindest nicht bei mir, mehr blenden, Team Blender. Jetzt mache ich mal den Sack mit den The-Bands auf, puh, riecht schon ein bisschen streng, deswegen höre ich das Zeug gewissermaßen mit akustischer Nasenklammer. Als Erstes The Frames, die mir weismachen wollen, dass sie schon seit 1992 durch Irland tingeln. Irland ist ein bisschen wie Dänemark, nur besser, weil es viel mehr zu trinken gibt. Leicht angetütert ist auch das, was sich die Frames so musikalisch vorstellen, nämlich endlich mal wieder Indierock mit Anklängen von: Radiohead, Pavement, Electric Soft Parade, Travis, Coldplay Jj72, Idlewild etc. Unshocking Grundkonzept der Frames: Gitarrenwände wechseln sich mit ganz intensiven „Männerstimme haucht Schmerz“- Momenten ab. Ich bin gelegentlich anfällig für so was, das will ich nicht verschweigen, deswegen nehme ich mir das mal mit nach Hause, für den nächsten Weltschmerzhusten, aber drauf gewartet hat da kein Plattenschrank der Welt. The Sid Hillman Quartet, so müssen Bands heißen, wenn sie meinen Widerwillen an Land ziehen wollen. Hier: ein ganzes Pfund erstklassiger Widerwillen von mir. Herr Hillman und sein lustiges Quartett machen Country. Nicht reinen Straßenstaubcountry, bei dem Hunde sterben, sondern Opulenzcountry, was natürlich nicht funktioniert, denn Country muss ja traurig und karg sein. Finde ich. Sid Hillman ist das egal, und seine Musik ist nicht übel. Ich kenne mindestens drei topvernünftige Menschen, denen man so etwas schenken kann. Weg damit. The Thrills, The Thrills, warum kommen mir die so..., ach ja, da steht’s, jajaja, Big Sur, letztes Album, großer Kracher, für ein paar Tage oder so, damals im verrückten 2003, weiß schon wieder Bescheid. Was ich nicht wusste: Die kommen auch aus Irland. Jetzt müssen sie also ein zweites Album machen, das ist auch so eine schlechte Eigenschaft von vielen Bands. Ich meine, wir können an dieser Stelle ja mal grundsätzlich drüber reden: Brauchen wir immer noch mehr halbgare Indierockgitarrenpopo-Platten? Und brauchen wir noch mehr halbgare Rezensionen darüber, die langatmig zu keinem anderen Schluss kommen als: Wer will, kann, wer nicht will, verpasst auch nix. Ich persönlich habe davon schon viel zu viele gelesen und geschrieben. Das wird jetzt sofort anders, Achtung: Die Thrills-Platte ist super, sind ja keine Vollidioten, und außerdem hat Peter Buck von REM ein bisschen mitgespielt! Kauft sie euch bitte sofort, und wenn sie nicht gleich gefällt, dann bestimmt nach dem zehnten Durchlauf, weil dann gefällt einem ja sogar das Megahertz-Live-Album. So ist das im Pop, und mehr steckt nicht dahinter. Ach, jetzt bin ich richtig befreit und gut gelaunt, jetzt kann man mir auch mit einer Berlin-Compilation kommen, mit der sich meine Angestellten sonst nicht mal ins Vorzimmer wagen würden. Also her damit, Papa ist in Gönnerlaune, ja, wie heißt du denn, meine Kleine, „berlin Super 80“, das ist ja ganz hübsch ausgedacht, von ein paar arbeitslosen Szenetypen, nicht wahr, und was hast du so drauf? Ach, jetzt habe ich auch den Untertitel entdeckt „Musik&Film Underground 78-84“ Total stylegeiler Nerdstuff also, wie ja vieles vom gefälligen Crippled Dick Hot Wax – Label. Die tödliche Doris und Malaria und natürlich die Neubauten sind da versammelt. Kein Hörgenuss, nichts was Hans seiner Gretel aufs Romantikbrot schmiert, aber für verkrachte Kopfexistenzen in irgendwelchen Kellern das Größte. Außerdem erscheinen diese Woche: Charlotte Hatherly – Grey Will Fade Die Ash-Gitarristin macht alleine Druck. Joachim Deutschland – Rock sei Dank Sehr guter Albumtitel, macht richtig Lust drauf, da mal reinzuhören Sage Francis – A Healthy Keine Ahnung, Punk womöglich? Bizibox – Never Catch Us Downtown Ebenfalls keine Ahnung, aber gutes Artwork.

  • teilen
  • schließen