Sleepy Jackson weinen in Bermudas, Mia. werden bald wie Nena sein, Sufjan Stevens staubt die Fankritik ab und in Hamburg gibts endlich mal wieder Champagner!

The Sleepy Jackson - Personality - One Was A Spider One Was A Bird (Virgin) Diese Psycho-Surf-Boys aus Australien! Platzieren ihr neues Psycho-Surf-Beach-Album mitten in die große Hitze, da bleibt einem nichts übrig als zu sagen: Passt perfekt! Beziehungsweise: Past perfect, denn reichlich nostalgisch und unmodern ist dieses hervorragende Sommeralbum schon.
max-scharnigg

The Sleepy Jackson - Personality - One Was A Spider One Was A Bird (Virgin) Diese Psycho-Surf-Boys aus Australien! Platzieren ihr neues Psycho-Surf-Beach-Album mitten in die große Hitze, da bleibt einem nichts übrig als zu sagen: Passt perfekt! Beziehungsweise: Past perfect, denn reichlich nostalgisch und unmodern ist dieses hervorragende Sommeralbum schon. Wie bereits das Debüt: Angesiedelt zwischen Pet Sounds und dem Apricot-Backkatalog. Easy Singalong, teilbekifft, aber trotzdem die Lieder nie zu lang, stets sonnigsten Gemüts und der Rhythmus immer genau im Schaukeltakt der Hängematte. Klar, die Sonne geht ab und zu mal unter, aber auch in den ruhigen Stücken wie „Miles Away“ behält Mastermind Luke Steel ein bewundernswertes Maß an Leichtigkeit und Lässigkeit. Man kann auch in Bermudas weinen. Und man kann auch heute noch Bläsersätze wie niedliche Tierbabys durch die Gegend laufen lassen. Großes entspanntes Popharmonikum. Zum Verschenken, zum Eincremen, aber mit Haltbarkeitsdatum.

Mia. - Zirkus (Sony) Natürlich: Die Fraktion, die unentwegt „Mieze rockt!“ in Gästebücher und Musikforen schreibt, soll sich verzischen. Ansonsten bin ich aber schon geneigt, auch für Mia. das gleiche Poprecht gelten zu lassen wie für alle: wenn es mich ein paar Minuten lang unterhält, hat es auch eine Daseinsberechtigung. Und Mia. haben schon in der Vergangenheit mit manchen Songzeilen und Refrains eindrücklicher und langwieriger im Ohr angedockt als andere. Mir gefällt die Klarheit dieser Band, die Klarheit in Miezes Stimme, aber auch beim Komponieren, dieses geordnet Abgemischte, die Konzentration der Instrumente. Zirkus ist auch so, gut durchstrukturiert, die Lieder eher zurückgenommen als oberfrech, die Sängerin eher professionelles Mädchen als bissige Randalistin. Insgesamt geht hier die Tendenz stark Richtung Nena. Der E-Rock ist gefällig wie es deutscher Rock nach Erfolgen irgendwie immer schnell wird, klinisch, radioesk, aber auch wieder intelligent eingängig, die Texte schmissig, harmlos. Neben „Tanz der Moleküle“ noch locker drei, vier Ohrwürmer und keine, für die sich die eigenen Ohren besonders schämen müssten. Trotzdem ist die Luft ein bisschen raus, die netto eben doch übrig bleibende Normalität dieser Band ein wenig zu ernüchternd. Aber ich freue mich vermutlich wieder, wenn’s im Radio kommt.

Champagner Gloystein – Moderate Ekstase (Dustbowl Sounds) Heute Morgen habe ich ja also Marc Deckert auf einer Freitreppe getroffen, da wo ich wohne. Und jetzt muss ich schon wieder an die Monostars denken, angesichts dieser wirklich schönen Platte aus Hamburg hier. Gut, dass es dieses Jahr doch noch etwas neues, junges, deutsches gibt, das vor Begeisterung wedeln lässt. Ich sage auch noch: Couch und frühe Sterne. Viel! Viel gute Instrumentalminuten hier, sehr ausgestreckter, flächiger Postrock (ist mir jetzt wurscht), dazu sehr gute Texte („Die neue Fauna / ist nicht schön“), gute Stimme von Elmar Günther. Je länger ich das höre, desto besser wird es. Gitarrenakkorde aus dem sehr klassischen Indierock, dazu eben so entspannte Momente der Zeitlosigkeit. Mut zur Komposition, aber nie so, dass man denkt: Ach uff, jetzt Gefrickel. Schon das Postrockige mit gutem Zug und eben auch nett, nicht entmenscht, kaum elektrisch. Wie die Monostars damals auch. Logo, trockenes Schlagzeug, schmale Snare, super Allerlei im Titeltrack und eimerweise Energie. Hier auf der Homepage bitte mal anhören, leider sind da neben der 1 sonst nur die eher schwachen Lieder freigegeben. Aber wenn ich mich nicht ganz täusche und hitzeblöd bin, könnte das richtig was werden. Sehr gutes Rausschmeißer-Lied, ach Kinder, ich bin verliebt. In Jungs! Die Fankritik von caroline-vonlowtzow:

Sufjan Stevens – The Avalanche (Asthmatic Kitty Records) Sufjan Stevens ist ja so was wie der Justin Timberlake der Indiegemeinde. Er wird bereits jetzt als einer der besten Songwriter seiner Generation gefeiert und mit „Come On Feel The Illinoise“, dem zweiten Teil seines durchgeknallten Projekts, alle US-Bundesstaaten mit einem Album zu beschenken, landete er 2005 in den Rankings der Musikmagazine ganz weit oben. Das Album war ein Traum aus orchestralem Pop, ruhigem Folk und Indie-Schrabbeleien mit Chören, Gitarren, Posaunen, Flöten, Elektroeinsprengseln, Streichern, Glöckchen und Melodien, hach, da konnte man nur jubilieren und tirilieren. So wunderschön waren sie, dass selbst ein Atheist den Herrn dafür loben und preisen würde, dass er den Menschen die Musik gegeben hat. Denn so zart, feinfühlend und detailverliebt hatte noch niemand einen Bundesstaat besungen. Ein Jahr nach „Illinoise“ gibt es nun also ein neues Album. Aber kein neuer Staat wird vertont, sondern die 21 Songs auf „Avalanche“ entführen einen stattdessen erneut in die wundersame Welt von Illinois. Es muss ein äußerst inspirierender Staat sein. Mit dem Avalanche-PickUp fährt man von Springfield zum Clearly Lake, begegnet dabei Saul Bellow, Adlai Stevenson, dem ehemaligen Senator von Illinois, und anderen Bewohnern, um dann weiter nach Pittsfield und ins No Man’s Land zu reisen. Und gleich dreimal macht man in Chicago Station – einmal in der zweistimmigen Akustikversion, in der Adult Contemporary Easy Listening Version und der verrückten Multiple Personality Disorder Version. Und keine von ihnen möchte man vermissen. „Outtakes And Extras From The Illinois Album“ heißt es auf dem Cover. Aber die Songs sind nicht einfach die weniger guten und deshalb übrig gebliebenen. „The Avalanche“ ist vielmehr die Vervollständigung von „Illinoise“: Jedes Lied ist als Gegenstück zu einem Song aus "Illinois" gedacht, das ursprünglich als Doppelalbum geplant war. Ein Glück, dass es nun auch wirklich eines ist. Die Vorfreude, hoffentlich bald einen neuen Staat entdecken zu könne, ist nach „Avalanche“ jedenfalls noch größer. Michael Franti & Spearhead - Yell Fire (Anti) Eine Sommerplatte anderer Prägung: Off-Beat, Dreadlocks, aufgenommen in Kingston, Jamaica. Michael Franti ließ sich zu den Liedern auf einer Reise durch den Nahen Osten inspirieren. Was rausgekommen ist, ist aber gar nicht so reggea-lastig wie die Komponenten vermuten lassen, da sind auch mal regelrechte U2-Gitarren im Spiel und angenehm einfaches Singer-Songwriting. Rye Coaliton – Curses (Gern Blandsten) Dave Grohl von den Foo Fighters produziert hier eine Rockband aus New Jersey und zwar, weil er sie so verehrt. Verstehen kann man das, denn was hier klingt ist solider, scharfkantiger Bombast-Rock- gut gemacht und trotzdem heiter. Mag der Dave Grohl. Mir kommt das trotzdem ein bisschen miefig vor, aber fragt mich doch nach drei Bier noch mal. Außerdem erscheinen diese Woche: Vague Angels – Let’s Duke It out At Kilkenny Katz’ (Pretty Activity) Cock Robin – I Don’t Want To Save The World (31 production Edition) Manyfingers – Our Worn Shadow (Acuarela) Blood On The Wall – Awesomer (Fat Cat) Tom Petty – Highway Companion (Warner)

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