Star-Power-Woche

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caroline-vonlowtzow
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Illustration: Julia Schubert

www.babyshambles.net Madonna - Confessions On A Dancefloor (Warner): Wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahren mit dem „Gesamtkunstwerk Madonna“ und die sogenannten „Madonna Studies“ füllen bestimmt ganze Bibliotheksregale. Nach dem langweiligen Ausrutscher „American Life“ ist Madonna mit ihrem neuen Album nun wieder da angekommen, wo sie angefangen: bei Disco und der Zeit, als Aerobic- und Stulpen-Wahn grassierten, A-ha und Alphaville ihre Synthesizer anwarfen und Madonna selbst mit „Like a Virgin“ und „La Isla Bonita“ ihre Hits hatte. Zwanzig Jahre später nun also wieder Disco. Für die erste Single „Hung Up“ hat Madonna deshalb teuer ein Sample bei den Dancing Queens von Abba eingekauft und dementsprechend ohrwurmesk hört sich dieses Stück. Jetzt könnte man natürlich sagen, das sei nicht Madonnas Verdienst, sondern das der Schweden. Aber auch die anderen Stücke und ganz besonders „Sorry“ sind richtige Disco-Knaller geworden. Geholfen hat ihr dabei der 28-jährige Brite Stuart Price, der schon mit Zoot Woman wunderbare retro-futuristische Elektronik samt Songwriting erschuf. "Ich will, dass die Leute von ihren Sitzen aufspringen und non-stop eine gute Zeit zu haben", sagt Madonna über „Confessions On A Dancefloor“. Nach meinen Wochenenderfahrungen kann ich nur sagen: Es ist ein Album zum Durchtanzen geworden. Das kann sie eben am besten, die Disco Queen. Bestellen bei SZ-Mediathek , Amazon oder iTunes Babyshambles – Down in Albion (Rough Trade): Eines ist sicher: Pete Doherty füllte in den letzten Wochen häufiger die Klatschspalten als Madonna. Das verkokste Biest neben der hübschen, zumindest eine Zeitlang noch unschuldigen Kate Moss – die Medien waren sich in ihren Überschriften ziemlich einig. Passenderweise und etwas populistisch ausgewählt ist das erste Stück auf dem lang erwarteten Babyshambles-Album „La Belle et la Bete“, das Duett mit Kate Moss. Denn wie bei Madonna sind auch bei Pete Doherty die Skandale ein Teil seiner Marke geworden. Beim Hören war ich denn auch fast ein bisschen enttäuscht, weil sich das Album gar nicht so skandalös anhört, wie man nach all diesen Meldungen denken konnte. Die Single „Fuck Forever“ hört sich schon ein bisschen kaputt an, es wird ordentlich rumgerotzt, aber schon zwei Lieder weiter bei „The 32nd of December“ und „Pipedown“ geht es regelrecht ohrwurmartig zu. Das klingt nicht nach jemand, der permanent zugedröhnt ist, sondern nach der Musik, die Briten so gut wie niemand sonst hinkriegen. Manchmal allerdings bricht Pete Dohertys Stimme und gerade im zweiten Album-Teil ähneln die Stücke manchmal eher Demo-Aufnahmen oder unfertigen Fragmenten (etwa bei „Pentonville“, aufgenommen mit dem Toaster „The General“, den Pete angeblich im Knast „Pentonville“ kennen gelernt hat). Mein Lieblingsstück: der Titelsong „Albion“ - seltsame Lärmfetzen und ein Türklopfen am Anfang, dann aber herrlich traurige Verzweiflung. Bestellen bei SZ-Mediathek , Amazon oder iTunes Wilco - Kicking Television, Live In Chicago (Nonesuch): Das Jahr 2005 wird als ein gutes Jahr in die Geschichte von Wilco eingehen. Zwei Grammies und Gold haben die Folkrocker für ihr letztes Album „A Ghost Is Born“ abgeräumt, die zig „Album des Jahres, des Monats, der Woche“-Platzierungen gar nicht erst erwähnt. Ich muss zugeben, dass Wilco immer etwas an mir vorbeigegangen sind. Man kann schließlich auch nicht alles verfolgen. Noch dazu habe ich sie während ihrer Woody Guthrie-Phase einmal live gesehen, was ich eher öde fand. „A Ghost Is Born“ wäre wahrscheinlich auch an mir vorbeigegangen, hätte ich die Platte nicht geschenkt bekommen. Und was für ein Glück! Verzweiflung, Glückseligkeit, Klavier, verzerrte Gitarren, Stille und Chaos – alles dabei. Um so mehr freue ich mich jetzt über dieses Live-Doppelalbum. Sänger Jeff Tweedy sagte nach den Aufnahmen im Chicagoer Vic Theatre, er habe noch nie in einer Band gespielt, die so sehr eine Einheit bildete und so in einer kollektiven Vision verbunden war wie Wilco. Das hört man. Bestellen bei SZ-Mediathek oder Amazon . Angie Reed - XYZ Frequenzy (Chicks On Speed / Indigo): Zwei Jahre ist es her, dass Angie Reed in die Rolle der gelangweilten Sekretärin Barbara Brockhaus schlüpfte und mich mit ihrem musikalischen Mix aus Disco, Hiphop, Elektro und Punktrash beglückte. Nach dem monothematischen ersten Album, schlüpft sie diesmal in ganz unterschiedliche, kaum unter einen Hut zu bringende Figuren: in eine Nonne, die nach Oralsex mit einer Kollegin aus dem Kloster ausgeschlossen wird, in einen New York City Pimp, der in den Achtzigern in seinem Cadillac die Nacht im Wald verbringen muss oder in einen 17-jährigen Fußgängerzonen-Punk, der jeden Morgen den Lebensstil der Promis kritisiert, aber heimlicher Gala-Leser ist - „Dingsbums bumst Dingsda“ heißt passenderweise der Song dazu. Es gibt also viel zu Lachen bei dem neuen Werk der in Berlin lebenden Italo-Amerikanerin. Musikalisch geht es dafür etwas weniger wild zu. Zwar ist von Punk, Trash bis Elektro wieder alles dabei, aber diesmal mit einer gewaltigen Prise Pop versüßt. Bestellen bei SZ-Mediathek oder Amazon oder iTunes Green Day – Bullet In A Bible (Reprise Records): Rasender Applaus, kreischende Menschen, bis die schnellen Gitarren einsetzen und Billie Joe Armstrong politisch korrekt "American Idiot" zu singen beginnt. So startet das Green Day-Live-Album und gibt schnell einen ziemlich guten Eindruck davon, wie beliebt Green Day auch 15 Jahre nach ihrer Gründung noch sind. Neun Millionen Alben haben sie weltweit verkauft, mit „American Idiot“ gewannen sie einen Preis nach dem anderen und spielten vor ausverkauften Hallen. Wer sie verpasst hat, kann das mit diesem Paket nun nachholen. 14 Live-Songs von ihrem bisher größten Auftritt im National Bowl-Stadion in Milton Keynes, England, dazu 116 Minuten Bild- und Tonmaterial mit Ausschnitten vom Auftritt, Interviews und Backstage-Aufnahmen. Bestellen bei SZ-Mediathek oder Amazon . Die Fantastischen Vier – Best of 1990- 2005 (Four Music): Insgesamt 47 Tracks auf zwei CDs und einer Kassette ergeben das "Best Of" der Fantastischen Vier. Und man kommt natürlich ins Zweifeln: Generelle Vorurteile gegen die Fantas und dann auch noch 47 Tracks lang? Aber beim Durchhören kommen Erinnerungen: An "Die Da?!", das ich zum ersten Mal in Griechenland im Urlaub mit meinen Eltern gehört habe, an "Zu Geil für diese Welt", das wir nachts beim Skateboardfahren gehört haben, an "Populär", das mal an Silvester kurz vor zwölf lief, "Sie ist weg", "Krieger", "Der Picknicker", "LeSmou", "Buenos Dias Messias", "Millionen Legionen" (unplugged) und nicht zuletzt "Troy". Jetzt kann ich mich nicht mehr verstecken als heimlicher Fan. (hannes-kerber) Bestellen bei Amazon Außerdem sind erschienen: Funny Van Dannen – Authentic Trip (Trikont) Bestellen bei SZ-Mediathek oder Amazon . DJ Hell - Grössenwahn 1992-2005/Monotonie durch Automation (Doppel-CD) Bestellen bei Amazon oder iTunes . The Bear Quartett – Angry Brigade (A Westside Fabrication) Bestellen bei SZ-Mediathek oder Amazon oder

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