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Photo: privat

Zu Beginn des Jahres hat uns Sebastian Balders, der in Oimjakon in Sibirien, dem kältesten Ort der Erde war, Ratschläge für die kalten Wintermonate gegeben. Jetzt stecken wir mitten im Sommer und um uns für die nächste Hitzewelle zu wappnen, haben wir uns Tipps von Mathilde Erfurt geholt. Die 28-Jährige war im Rahmen ihres Geographie-Studiums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg schon zweimal im heißen Südwesten der USA unterwegs, wo die Temperaturen häufig über 45 Grad steigen. Hauptsächlich ging es bei der Exkursion (2012) und der Projektstudie (2015) um Wasserknappheit, Armut und den Klimawandel. Mathilde lernte nebenbei aber auch viel über Hitze. Mittlerweile ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Physische Geographie an der Uni Freiburg.

jetzt: Mathilde, habt ihr in den USA mal ganz klischeemäßig ein Spiegelei auf einem Stein gebraten?

Mathilde Erfurt: Ein paar Witze haben wir darüber gerissen, es gemacht aber letztlich nicht. Dafür haben meine Füße mal gekocht.

Wie das?

Wir wollten auf eine Sanddüne in der Nähe von Yuma hochlaufen, blöderweise hatte ich nur Sandalen an. Deswegen hab ich’s auch nur halb hoch geschafft. Der Sand war einfach kochend heiß und oben hatte es an die 50 Grad. Bei normalen Temperaturen hätte man da nur fünf Minuten hoch gebraucht. Ich würde also jedem empfehlen, der in die Wüste oder raus in die Natur will, geschlossene Schuhe einzupacken.

Die Imperial Sanddüne in der Nähe von Yuma, Arizona.

Die Imperial Sanddüne in der Nähe von Yuma, Arizona.

Foto: Mathilde Erfurt

Wie sieht es sonst kleidungstechnisch aus? Hier reißen sich ja alle bei 23 Grad schon gern die Klamotten vom Leib. Ist das auch an solchen Orten die richtige Taktik?

Nein, und genau den Fehler nur kurze Sachen mitzunehmen, habe ich auf der ersten Reise gemacht. So holt man sich extrem schnell einen Sonnenbrand. Davor bin ich gottseidank verschont geblieben, weil ich mich wirklich stündlich mit 50er Sonnencreme eingeschmiert habe. Für die zweite Reise hatte ich dazugelernt: leichte, langärmlige Hemden und helle Leinenhosen sind bei den Temperaturverhältnissen ratsam. Ein Tuch ist auch ziemlich praktisch, damit kann man den Kopf oder die Schulter gut schützen, ansonsten hatte ich meistens ein Käppi auf.

In den kommenden Tagen soll es ja auch hierzulande wieder ziemlich heiß werden. Wie fühlt sich der Sommer in Deutschland für dich an, nachdem du schon in viel heißeren Regionen unterwegs warst?

Wir waren dort öfters in der Mittagshitze wandern, das war schon um einiges extremer als ein heißer Sommertag hier. Ich gehe aber mittags auch hier ungern raus, wenn’s so heiß ist, das hat sich auch durch die Erfahrungen in den USA nicht geändert. Ich denke generell, dass ich mit Hitze schlechter klar komme als andere.

Wie meinst du das?

Naja, ich bin auf der ersten Reise mal umgekippt, so dass der Krankenwagen kommen musste. Lustigerweise war das ausgerechnet neben einer Kirche mit Friedhof. Es wurde dann festgestellt, dass ich komplett dehydriert und mein Elektrolythaushalt am Boden war. Obwohl ich eigentlich jeden Tag mindestens drei Liter Wasser getrunken habe. Dann sind wir darauf gekommen, dass ich und ein paar andere aus der Gruppe aus versehen immer entmineralisiertes Wasser im Supermarkt gekauft haben. Mir ging’s tendenziell schlechter als den anderen, die es auch getrunken haben.

Wie sah es mit Essen aus? Oft hat man ja keinen Hunger, wenn’s so heiß ist.

Wir haben immer nur leichte Sachen gegessen. Meistens einfach im Supermarkt Salat, Obst oder Gemüse geholt. Fast Food habe ich gar nicht gegessen. Manche aus der Gruppe schon, die waren dann aber danach auch ziemlich erledigt, weil deftiges Essen einem bei so einer Hitze schwer im Magen liegt.

Auf Uni-Exkursionen fließt ja nicht unregelmäßig Alkohol. War das bei euch wegen der enormen Temperaturen anders?

Wir haben ab und zu mal irgendwo ein Bier getrunken, mehr eigentlich nicht. Alles andere steigt einem bei den Temperaturen eh viel zu schnell zu Kopf. Alkoholfreies Bier wär für mich tagsüber vielleicht mal eine gute Idee gewesen, hat mir mein Arzt hinterher gesagt, weil es den Natriumhaushalt in Schwung hält.

"Auf so einer Reise kann man wirklich krasse Erfahrungen sammeln"

Wie gehen die Menschen dort mit den Temperaturen um? Beispielsweise draußen arbeiten ist doch unvorstellbar, oder?

In den USA habe ich draußen niemanden zumindest körperlich arbeiten sehen. Als ich mal in Israel war, haben die Bauarbeiter nachts gearbeitet. Ich war dort Mitte Mai und da hatte es schon 40 Grad. Vielleicht machen sie das in den USA auch. Dort wird hauptsächlich in klimatisierten Bürogebäuden gearbeitet. Da liegt der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen oft bei über 20 Grad. Die Straßen sind dann auch in größeren Städten einfach komplett leer.

Auf so Reisen macht man erfahrungsgemäß ziemlich viele Fotos. Handy und Kamera überhitzen aber ziemlich schnell und schalten sich dann selbst aus. Wie hält man die am laufen?

Meine Kamera ist regelmäßig ausgefallen, ging dann nach dem Abkühlen aber wieder. Das ist aber denk ich mal einfach vom Modell abhängig. Wahrscheinlich sollte man schon beim Kauf drauf achten, wenn man vor hat, damit in heißen Regionen zu fotografieren. Ansonsten einfach immer nur kurz für ein Foto auspacken und dann wieder schnell in die Tasche mit einer kühlen Wasserflasche daneben.

Wie haben dir die Trips in die Hitze insgesamt gefallen?

Trotz allem fand ich’s wirklich super. Besonders wenn man sich an die Ratschläge der WHO für Hitzeperioden hält, kann man auf so einer Reise wirklich krasse Erfahrungen sammeln.

Wie sehen die Sommerpläne für dieses Jahr aus?

Ich will Ende August möglichst weit in den Norden fahren, am besten nach Schweden oder so.

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