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Wie Gordon den Vulkanausbruch in Guatemala erlebt

Der Deutsche ist nach seinem Master in dem Land unterwegs – und versucht nun zu helfen, wo er kann.
Protokoll von Maike Frye
  • Guatemala
    Foto: Oliver De Ros/dpa

Für die Menschen in Guatemala ist es eine Katastrophe unglaublichen Ausmaßes. Der Ausbruch des Volcán de Fuego („Feuervulkan“) hat Familien auseinander gerissen, Häuser unter Schutt und Asche begraben und weitere Ausbrüche müssen befürchtet werden. Aktuell gibt es mindestens 109 Tote und noch unzählige Vermisste. Gordon Kruse, ein deutscher Backpacker, der gerade Zentralamerika bereist, war in der nahegelegenen Stadt Antigua, als der Vulkan ausbrach. Hier berichtet der 32-Jährige von der Situation vor Ort und wie die Menschen damit umgehen:

    • Guatemala
      Foto: Eddy Kruse
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      Foto: Gordon Kruse
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      Foto: Gordon Kruse
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      Foto: Gordon Kruse

Plötzlich war die Straße schwarz

„Am Sonntag habe ich mir einen religiösen Festumzug angeschaut und bin mit den Menschen in Antigua durch die Stadt gezogen. Danach war ich für zwei, drei Stunden in meinem Zimmer im Hostel und habe so von dem eigentlichen Ausbruch nicht viel mitbekommen. Doch als ich dann vor die Tür gegangen bin, war die ganze Straße auf einmal schwarz. Ansonsten haben wir in Antigua Glück gehabt. Viel mehr als die umliegenden Dörfer des Fuego, die sich dort natürlich angesiedelt haben, weil die Erde um den Vulkan sehr fruchtbar und damit ideal für Ackerbau ist. Und dort war es schon krass. Mehrere Tausend Menschen mussten evakuiert werden.  

In Antigua selbst hatten wir nur die Vulkanasche. Ich hatte Aschebrocken im Haar, der Wind hat Staub und Asche von den Dächern geweht und die vorbeifahrenden Autos haben diese dann wieder aufgewirbelt. Am Montag sind dann viele Leute auf die Straße gegangen und haben die Asche zusammengefegt und in Tüten verpackt. Außerdem wurden Autos und Motorräder gewaschen und manche Leute sind mit Atemmasken rumgelaufen.

Ausbrüche des Fuego gehören schon fast zum Alltag

Der Grund, weshalb die Menschen in den besonders gefährdeten Gebieten noch vor Ort waren, als der Vulkan ausgebrochen ist, könnte ziemlich simpel sein: Die Anwohner leben dort schon immer umzingelt von Vulkanen, gerade der Fuego ist einer der aktivsten. Der spuckt jeden Tag Lava und Asche. Somit gehören natürlich auch Warnungen zur Tagesordnung, wie mir die Guatemalteken erzählt haben. Das ist für die Menschen dort etwas ganz Normales und wird deshalb nicht mehr wirklich ernst genommen. Auch in diesem Fall gab es wohl eine Warnung, ob die zu spät ausgesprochen wurde, weiß ich allerdings nicht. Dann kam die extrem heiße Aschewolke jedoch immer näher und als die Menschen die Gefahr wirklich realisiert haben, war es schon zu spät um wegzulaufen.  

Ich habe außerdem mit Leuten gesprochen, die am Sonntag eine der beliebtesten Vulkantouren in Guatemala gemacht haben. Vom Vulkan Acatenango aus kann man aus knapp 4000 Metern Höhe den gegenüberliegenden Fuego sehr gut beobachten. Ich war auch schon dort. An Sonntag hat der Vulkan jedoch wohl nicht wie üblich ein bisschen Lava und Asche gespuckt, sondern ungewöhnlich viel geblubbert. Deshalb wurden die Leute auf der Hälfte der Strecke wieder zurückgeschickt. Auch alle weiteren Touren wurden nach dem Ausbruch jetzt natürlich abgesagt.

Man wird auf einmal ganz klein

So eine Katastrophe aus nächster Nähe mitzuerleben, macht einen schon sehr ehrfürchtig. Man wird daran erinnert, wie klein man selber in dieser Welt ist und merkt, dass die Natur doch die Oberhand hat und man sich ihr gegenüber respektvoll verhalten sollte. Es raubt dir einfach den Atem, wenn du den Vulkan explodieren siehst. 

Für mich war es selbstverständlich, bei dieser Katastrophe dann auch direkt zu helfen. Ich bin vielleicht nur Backpacker mit einem kleinen Budget, aber selbst mit ein paar Euro kann man hier schon vieles bewirken. Die Leute in Antigua und den anderen umliegenden Orten haben Lkw organisiert. Sie standen mit ihren Schildern vor Supermärkten und haben um Spenden für die Opfer gebeten. Mein Freund und ich haben uns bei ihnen informiert, was am meisten benötigt wird und haben im Supermarkt Windeln, Wasser und T-Shirts gekauft und auch direkt am Lkw wieder abgegeben. Das Gute daran ist, dass es zweckgebundene Spenden sind.  Man spendet also nicht einfach Geld an irgendeine Hilfsorganisation, sondern kauft direkt das, was wirklich fehlt. So kommt das Geld auch wirklich komplett bei den Betroffenen an.  Bei vielen Spendenorganisationen erreicht am Schluss nur weniger als die Hälfte direkt die Menschen in Not. Das Geschäft mit Spenden jeglicher Art ist zu einer Industrie herangewachsen. Man sollte sich als Spender vorher genau über die jeweilige Hilfsorganisation informieren.  

Eine Reise, die für ein Leben lang prägt

Jede Reise in ein anderes Land prägt einen natürlich. Doch so eine Katastrophe mitzuerleben, wirkt noch einmal auf eine ganz besondere Art und Weise nach. Dieses Gefühl, so klein zu sein, wenn man mittendrin ist, erzeugt einen ungeheuren Respekt. Ich lerne daraus, das Leben zu genießen, denn mir ist jetzt umso mehr bewusst, dass es auch ganz schnell wieder vorbei sein kann.“