Wie geht es dir mit dieser Karikatur?

Die Welt diskutiert wieder eine Charlie-Hebdo-Zeichnung. Wir auch – in der Tagesfrage.

Niemand sollte eine Karikatur beschreiben (außer vielleicht Titanic-Redakteure die in der SZ), darum erstmal dieses Bild, um das es gehen soll und muss:

Das ist die neuste Karikatur der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo, die gerade die Welt aufschreien und dann diskutieren lässt. Gezeichnet hat sie Laurent Sourisseau (eher bekannt unter dem Künstlernamen „Riss“), der Karkaturist, der im vergangenen Jahr den islamistischen Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift überlebt hat.

Obwohl man Karikaturen nicht beschreiben soll, vielleicht trotzdem diese zwei Hinweise (falls jemand das nicht auf den ersten Blick erkennt und des Französischen nicht mächtig ist): Da oben im linken Eck des Bildes, das Eingekreiste, das ist eine Skizze des kleinen Aylan Kurdi, der Flüchtlingsjunge, der im vergangenen Herbst tot an den Strand von Bodrum gespült wurde. Und der Text auf dem Bild lautet zu Deutsch in etwa: "Was wäre aus dem kleinen Aylan geworden, wenn er überlebt hätte? Ein Hinterngrapscher in Deutschland."

 

Aylan ist damals auf der Flucht von Syrien nach Europa gestorben. Das Foto davon, das Sourisseau hier skizziert, löste weltweit Mitleid aus. Heute, nach Köln, wird das Mitleid mit den Flüchtlingen vielerorts von rassistischen Brüllaffen und dem „Das sind alles Sexisten!“-Generalverdacht übertönt. Die Karikatur ist ein Kommentar dazu. Aber einer, den nicht alle gutheißen. Unter dem Hashtag #CharlieHebdo findet man auf Twitter gerade viel Empörung. Die Karikatur sei geschmacklos, rassistisch, sie verspotte den toten Jungen, schreiben viele Nutzer. Andere verteidigen sie als treffenden Kommentar zum neuen, härteren Ton in der Flüchtlingsdebatte. Und Dorothea Hahn, die US-Korrespondentin der taz, stellt die berühmte Satire-Gretchen-Frage: Dürfen die das?

Auch aus der rechten Ecke kommen Stimmen, die die Karikatur gutheißen. Was für viele wiederum ein Grund ist, sie zu kritisieren, weil sie Öl in deren Rassimus-Feuer gieße. Woraufhin man die zweite Satire-Gretchen-Fragen stellen kann – nämlich die, ob man aus Angst vor so einer Reaktion zurückziehen und leiser werden sollte.

 

Es ist also die alte Gemengelage, die da von Neuem aktiv wird, weil: neues Thema, neue Debatte, neu erhitzte Gemüter, Gefühls- und Standpunkte-Chaos allerorten. Was uns, nach allen Fragen, die wir jetzt schon gestellt haben, zur Tagesfrage führt:

 

Wie geht es dir mit dieser Karikatur? Was ist deine Meinung dazu? Ist sie geschmacklos oder legt sie mit genau dem richtigen Druck den Finger in die Wunde? Spielt man damit den Falschen in die Hände oder rüttelt man sie auf? Und gerne am Ende auch noch mal: Dürfen die das?

 

Diskutier mit uns in den Kommentaren ganz unten.

 

nasch

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