Mach das Nebelhorn!

Wenn Fußballer nach dem Spiel Interviews geben, ist das so ähnlich wie das Ausgefragtwerden in der Schule: FC-Bayern-Pressesprecher Hörwick hat uns zehn Tipps gegeben, die an der Tafel genauso gut funktionieren wie vor dem Mikro des Reporters.
kathrin-hollmer


Markus Hörwick, 57, ist seit 30 Jahren Pressesprecher des FC Bayern und hat schon viele Fußballer auf Interviews und andere öffentliche Auftritte vorbereitet. Die Tipps, die er heute den Spielern gibt, hätte er gern schon während seiner Schulzeit gekannt, sagt er. „Ich habe keine guten Erinnerungen an die Schule. Ich war ein schlechter Schüler, außer im Sportunterricht war ich nicht gerade der Fleißigste.“

1. Bleib nicht bei der Sache!
Fußballer sind, wie alle Prominenten, Meister darin, zu reden und dabei nichts zu sagen. Auf bestimmte Fragen wollen sie einfach nicht antworten. In der Schule ist es eher so, dass man auf manche Fragen die Antwort einfach nicht kennt. Da hilft trotzdem dieselbe Strategie. „Viel reden“, empfiehlt Markus Hörwick: Wenn man über alles, was man weiß, möglichst weit ausschweift, vergehen kostbare Minuten, und man verbirgt, dass man nicht vorbereitet ist. Zur Not kann man vielleicht noch etwas an der Tafel aufmalen.

2. Beobachte die Konkurrenz!
Fußballer sehen sich immer wieder andere Interviews an, sagt Markus Hörwick. „Von guten wie schlechten Beispielen kann man viel lernen, manchmal sehe ich mir ein Interview mit einem Spieler noch einmal gemeinsam mit ihm an und sage ihm, was ich gut fand und was nicht. Oder wir analysieren in der Runde, was man besser machen kann.“ In der Schule hat man meistens keine Kamera zur Hand, aber viel Zeit, um die Mitschüler beim Ausgefragtwerden zu beobachten.

3. Schau in die Zukunft!
„Vor Pressekonferenzen und Spielen überlege ich mir zusammen mit den Spielern, was die Journalisten fragen könnten“, so Hörwick, „über das nächste Auswärtsspiel, Doping, Streits.“ Lehrer sind meistens auch relativ einfach zu durchschauen. Wenn man sich beim Lernen überlegt, welche Fragen sich anbieten, und im Unterricht ein wenig aufpasst, wie der jeweilige Lehrer Fragen stellt, kann man sich die meisten schon denken und ist dann nicht mehr so überrascht.

4. Zähl bis zehn!
„Wir haben junge Spieler mit 20 und 25 Jahren, die vor Spielen vor 70 000 Menschen im Stadion oder einem Interview sehr aufgeregt sind. Dann atmet man sehr flach und wird hektisch. Mir hilft es immer, wenn ich vor einem Auftritt zehnmal bewusst tief durchatme“, sagt Markus Hörwick. In der Schule beginnt man damit am besten, sobald der Lehrer sein Klassenheft zückt.

5. Leg die Stimme tiefer
„Wenn man angespannt ist, bekommt man eine sehr hohe Stimme, was dem anderen erst zeigt, dass man nervös ist“, sagt Markus Hörwick. „Vor zwanzig, dreißig Jahren hat mir ein Rhetoriktrainer geraten, vor einem Auftritt Geräusche wie ein Nebelhorn zu machen. Das macht die Stimme wirklich tiefer.“ Im Klassenzimmer könnte das allerdings Fragen aufwerfen. Vor einem Referat oder dem Kolloquium hat man aber manchmal ein paar Minuten für sich, in denen man die Übung ausprobieren kann.

6. Halt mal still!
„Nach dem Spiel werden die Fußballer manchmal noch auf dem Platz interviewt. Ich sage immer: Steht auf-recht, Schultern durchdrücken, und wippt nicht von einem
Fuß auf den anderen, steht mit beiden Sohlen auf dem Boden!“, so Hörwick. „Das macht auch vorn an der Tafel einen besseren Eindruck.“ Wer sitzen bleiben darf, dem rät Markus Hörwick: Nicht zu tief im Stuhl sitzen! „Viele stützen sich mit beiden Ellenbogen ab und sinken zusammen, das sieht nicht gut aus. Gesten, die das Gesagte unterstützen, lassen einen dagegen sicherer wirken, im Sitzen wie im Stehen.“

7. Mach einen Punkt!
„Ich rate immer, kurze Sätze zu machen. Die anderen - ob Interviewpartner und Zuschauer im Fernsehen oder Lehrer und Mitschüler - sollen ja kapieren, was man meint. Schachtelsätze sollte man deshalb vermeiden. Wenn man kurze Sätze macht, spricht man automatisch langsamer, das ist immer überzeugend. Außerdem
geht dann die Stimme auch wieder nach unten. Am besten zwingt man sich nach jedem Punkt zu einer kleinen Pause.“

8. Sei ehrlich!
„Wenn man einen Hänger hat, sagt man das am besten ganz offen“, so Hörwick, „das versteht jeder Journalist und bestimmt auch der Lehrer. Wenn man das offen zugibt, bekommt man immer einen zweiten Versuch. In der Schule kann man ehrlich sagen: Ich habe gelernt, aber ich habe einen kurzen Hänger, geben Sie mir zehn Sekunden? Dann noch das Fenster öffnen, kurz die Augen schließen - und weiter geht’s.“

9. Werd mal laut!
Auch wenn es dir vor dir selbst peinlich ist, den Lernstoff laut zu wiederholen - es hilft! Markus Hörwick rät auch den Spielern, Interviewsituationen durchzuspielen. Sein Tipp: „Ich sage immer: Stell dir vor, du sprichst mit deinem besten Freund, dem erzählst du die Dinge ganz normal. Das hilft, natürlich zu bleiben.“

10. Verschaff dir Zeit!
Fußballer können mit Standardsätzen wie „Wir kennen unsere Stärken“ und „Die Saison ist noch lang“ Zeit schinden, in der Schule hat man diese Möglichkeit leider nicht. „Man kann aber immer sagen: Entschuldigung, ich habe die Frage nicht verstanden, könnten Sie sie noch einmal anders formulieren?“, so Hörwick. „Dadurch gewinnt man auf jeden Fall einen kurzen Moment zum Nachdenken und Gedankensammeln.“

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