Teenage Dirtbag: Warum es doch gut ist, in Deutschland zur Schule zu gehen

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer und Spickerschreiben. Im Label Schulkolumne auf jetzt.de beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht.
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Vor kurzem ist Alessandra nach neun Austauschmonaten zurück nach Hause gekommen. In Australien musste sie eine Schuluniform tragen. Ich stelle mir das interessant vor, würde es sogar ganz gerne mal ausprobieren. Sie müssen ja nicht gleich aussehen wie die von Rory Gilmore während ihrer Zeit an der Privatschule Chilton: Steifes Jäckchen mit Schulemblem zum altmodisch gemusterten Faltenrock. In der Serie gab es sogar eine intrigante Schülervertreterin, die zusammen mit ihrer Clique für kürzere Rocklängen kämpfte. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie damit durchkam, aber in dieser Episode war einmal mehr die scheinbar starke Gruppenbildung an amerikanischen Schulen dargestellt. In all den High-School-Filmen sehen wir sie immer wieder: die vergötterte Mädchenclique und die Sportlergang, die Mathestreber mit den Hornbrillen, die Skaterjungs - und den großen Verlierer. Spätestens seit in "Loser" alle Schüler Jason Biggs ihre ausgestreckten Daumen und Zeigefinger entgegenhielten, hat sich Letzterer auch bei uns etabliert.

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Illustration: Julia Schubert

Es gab einen großartigen Song zu diesem Film. In "Teenage Dirtbag" besang die Band Wheatus das ausnahmsweise glückliche Ende eines Losers, der auf dem Prom vom Mädchen seiner Träume angesprochen wird. Prom! Der sagenumwobene Abschlussball, auf den die amerikanische Schülerschaft das ganze Jahr über hinzufiebern scheint. Ob das tatsächlich so spektakulär ist? Ich kann nicht an diese magischen Abschlussbälle glauben, deshalb beneide ich die Amis nicht darum. Mein Neid gilt vielmehr ihren Schulschränken. Ich will auch einen Spind! Ein eigenes Ablagefach, mit geheimer Zahlenkombination. Jeden Dienstag in der Pause würde ich meinen Spindnachbarn treffen, den netten Jungen aus der 13. Und eines Morgens würde dann eine Rose an meinem Spind stecken, wie im Film. Nein, wenn es Spinds an meiner Schule gäbe, müssten wir wahrscheinlich auch zu jeder Stunde den Raum wechseln, und in den Räumen stünden diese grausamen Stühle mit einem nicht einmal heftgroßem Brett dran. In unserem Medienraum musste ich letztens auf einem solchen Stuhl sitzen - anschließend hatte den restlichen Tag über Rückenschmerzen. Trotzdem war ich froh in Deutschland zur Schule zu gehen, wo es richtige Tische und richtige Spicker gibt, weniger Cliquen und Stufenfeten ohne Dresscode. I'm just a teenage dirtbag, baby! +++ Illustration: katharina-bitzl

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