Schwanger!-Kolumne: Begegnung am Bürgersteig

Linda ist schwanger. Endlich. Ein Jahr lang hat sie es vergeblich versucht. Auf jetzt.de erzählt sie uns jede Woche, wie es ihr damit ergeht. Folge 8: Peinliches Missverständnis
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Ich stehe da also mit ein paar Leuten auf irgendeinem Gehsteig in Haidhausen herum, weil wir einer Freundin beim Umzug helfen. Meine Schnittchen finden reißenden Absatz, schwer tragen geht ja nicht mehr. Aber Hauptsache ich bin noch dabei.

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Illustration: Julia Schubert

Da kommt eine Frau mit ihrem Ehemann vorbei, sie kommt näher, grinst mich an und sagt dann: „Hab schon gehört, Linda, toll, herzlichen Glückwunsch!“ Ich kenne die Frau. Sie heißt Rieke und spielt mit mir Basketball. Oder besser gesagt: sie spielte mal mit mir Basketball. Sie war schon mindestens ein halbes Jahr nicht mehr im Training. Meine Hirnsynapsen schalten jetzt ganz schnell: Basketball. Letzten Mittwoch Auswärtsspiel in Bad Tölz. Gewonnen. Ex-Mitspielerin Rieke. Gratuliert. Zum Spiel. „Danke yeah yeah yeah!“ rufe ich und reiße die Siegerfaust aus der Hüfte heraus in die Höhe wie Rocky Balboa beim Balzen. Frau Rieke guckt irritiert, sagt dann „Ähöhöhö“ und geht weiter. Ich wundere mich. Dann klingelt es: Sie meinte gar nicht das Spiel, sondern das Kind. Und ich habe „Yeah Yeah Yeah!“ dazu gemacht, mit einer Pose, mit der normalerweise nur Männer mit Goldkettchen ihre Anmacherfolge kommentieren! Allerpeinlichste Situation. Allergrößte Lachkrämpfe neben mir. Allereinfachste Moral von der Geschicht: Auch wenn man selbst nach ein paar Wochen Schwangerschaft den eigenen Zustand andauernd vergisst: den Leuten um Dich herum passiert das nie! Es reicht ein kurzer Blick in dein Gesicht und schon sehen sie Schnuller, Strampelhosen und Baumwollwindeln in Deinen Augen. Also benimm Dich entsprechend! Prollige Siegergesten sollte man sich natürlich sowieso sparen. Illustration: dirk-schmidt

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