Schwanger!-Kolumne: Krach im Partnerkurs

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Von wegen „Umarme deine Rolle. Gehe offensiv auf sie zu. Alles andere ist lächerlich.“ (O-Ton Max, Kolumne 20. Juni). Alles nur einfach so dahin geschrieben! Wer von Euch dachte, mein Freund sei ein extrem netter, vorbildlich-bemühter Super-Bauchpapa und optimaler Schwangerschaftsbegleiter, der hat sich kräftig geirrt! Ich habe mich geirrt!! Grrrr, ich bin so was von sauer ... Am Sonntag also war Partner-Tag im Geburtsvorbereitungskurs. Alle sieben Frauen, die sonst auch immer da sind, und ihre sieben Männer dazu. Aufgeregte Papis, die statt Schlips heute mal Wollsocken zum Matratzenlager tragen und versuchen, beim Beckenkreisen so zu tun, als ob sie seit Jahren jeden Morgen auf dem Gymnastikball frühstückten. Alle Männer waren also sehr bemüht – alle außer meinem.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Max hat - wie es seit Monaten ausgemacht war, es nicht zu tun - am Abend vorher ein, zwei, drei, vier Bierchen mit einem Kumpel getrunken. Er hat viel zu wenig geschlafen, einen leichten Kater und absolut keine Lust. Auch wenn er das selbstverständlich abstreitet. Die Vorstellungsrunde übersteht er noch relativ unbeschadet (die Alkoholfahne umweht ja nur meinen Nacken). Doch dann, nach genau 22,5 Minuten von anstehenden neun Stunden (9.30 Uhr bis 18.30 Kurs mit einer Stunde Mittagspause) grundsätzlicher Vorrede unserer zugegeben sehr alternativen, aber ja ganz bewusst so gewählten Lehrerin Pamela, der erste Volltreffer: Max meldet sich (!), räuspert sich und spitzfindelt, in allerfeinster Schlaumeier-Manier: „Also wenn ich Ihnen, äh, Dir, Pamela, so zuhöre, dann klingt das, als kämen im Krankenhaus überhaupt keine gesunden Kinder zur Welt, sondern nur im Geburtshaus oder per Hausgeburt! Aber das kann doch auch nicht sein, dass die Ärzte immer nur die ganz Bösen sind ...“ Pamelas Räucherstäbchenlächeln gefriert, zwölf Augenpaare richten sich erstaunt auf uns und ich versinke im Matratzenboden. Muss man denn hier, in diesem Kurs, wo man vorher schon weiß, dass er nicht gerade für Wunschkaiserschnitt-Tussis gehalten wird, so ein Prinzipienfass aufmachen? Und muss mein Mann das tun?! Ich zwicke Max und wir schleppen uns mit ein paar Wehenübungen bis zur Mittagspause. Im Flur packt er mich am Arm und flüstert: „Komm lass uns abhauen, wir gehen schnell nur zu Zweit was essen!“ Der spinnt wohl. Das ist ein gemeinsamer Kurs und ganz egal, wie verspult man alle anderen hier findet: das steht man jetzt auch gemeinsam durch.“ Ich sage: Nein. Max wird bockig. Ich setze mich trotzdem durch, und wenig später sitzen wir zwischen all den topmotivierten Kuschelpaaren in einer Pizzeria. Es wird über Baby-Björns, Stilleinlagen und Stramplergrößen gefachsimpelt. Und Max, mein Max, dreht sich zur Seite, packt seine Zeitung aus und liest, während er das Schnitzel in sich hinein schaufelt! Dass er nach der Mittagspause natürlich ein starkes Formtief hat und andauernd wie in einem Uniseminar mit Hand vorm Gesicht in sich zusammensackt (und erst durch Kneifen im ein-Minuten-Takt wieder leicht zu sich kommt) ist kaum erwähnenswert. Dass dann mitten in der Pressphasen-Simulation sein Handy klingelt – geschenkt! Dass er in der Nachmittagspause allen Schwangeren die Schokokekse wegmampft und nicht einmal, nicht ein einziges Mal den Babysmalltalk von mir abnimmt und sich selbst ein bisschen bemüht – egal! Aber dass er kurz vor Schluss, während wir den ganzen Kurs noch mal im Detail durchspielen und Pamela die Männer einzeln befragt, was sie jetzt so meinen, wozu sie da sind, bei der Geburt – dass mein Freund da sagt: „Keine Ahnung. Die Linda war heute etwas angespannt. Da darf man ihr nicht so nahe kommen. Aber vielleicht legt sich ja das dann mit echten Schmerzen.“ Das verzeih ich ihm nie. Naja, vielleicht übermorgen.

Text: linda-ende - Illu: Katharina Bitzl

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