Der Initiator Dustin Loose war 17 Jahre alt und ging auf das Bonner Hartdberg-Gymnasium, als er im Sommer 2004 beschloss, einen Spielfilm zu machen. Dass daraus ein richtiger Kinofilm werden würde, hat Dustin zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. Aber dass er das Filmprojekt ernsthaft betreiben und bis zum Ende durchziehen wird, war von Anfang an klar. Deswegen hat Dustin, zusammen mit seinem guten Freund Christopher Zwickler eine eigene Produktionsfirma namens SceneMissing gegründet. „Ich habe in der Schule das Wahlfach Film besucht,“ erklärt er seine Begeisterung für Film. „Das wurde im Rahmen des Kunstunterrichts angeboten. Außerdem habe ich mich ein bisschen eingelesen.“. Dustin ist Regisseur und Produzent des Films und er hat am Drehbuch mitgeschrieben.

Die Idee Wer einen Film machen will, braucht eine Geschichte. Dustin hat sich für den Jugendroman „Rolltreppe abwärts“ von Hans-Georg Novak entschieden, den er Jahre zuvor gelesen hatte. Das 1974 erschienene Buch, das die Geschichte des vernachlässigten Jochen Jägers erzählt, der auf die schiefe Bahn gerät, ist mehreren Generationen von Schülern aus zähen Deutschstunden in Erinnerung. Heute wird das Buch seltener gelesen: der Tonfall ist didaktisch, die Sprache altmodisch. Die Geschichte aber findet Dustin immer noch aktuell und spannend: „Man muss nur die Zeitung aufschlagen. Dass Kinder vernachlässigt werden, dass sie an die falschen Freunde geraten und irgendwann nicht mehr rauskommen aus diesem Teufelskreis, passiert ständig. Erst vor ein paar Wochen ist ein ähnlicher Fall vor dem Bonner Jugendgericht verhandelt worden.“ Außerdem musste bei der Wahl der Geschichte auch auf die Umsetzbarkeit geachtet werden. Exotische Drehorte oder Special-Effects waren nicht drinnen, schon aus Geldgründen.

Das Team Sie kennen sich vom Jungen Theater Bonn, wo auch Dustin spielt, und aus der Schule: acht Freunde von Dustin, die meisten sind nicht älter als er, einigen sogar jünger. Für den Film wurden die Schüler zu Kameramännern, Aufnahmeleitern, Cuttern und Regieassistenten. „Wir haben einfach überlegt, was wir alles brauchen und wer für diese Aufgabe am besten geeignet ist.“, erzählt Matthias Jochmann, der für „Rolltreppe abwärts“ die Aufnahmeleitung übernahm, aber eigentlich gerne Theaterschauspieler werden will. Der 18-Jährige sagt: „Jeder ist in seiner Aufgabe aufgegangen und hat versucht, sie so gut wie möglich zu machen.“

Die Schauspieler Um die richtigen Schauspieler zu finden, hat das Team ein Casting veranstaltet. Die meisten Akteure, die bei „Rolltreppe abwärts“ mitspielen, spielen auch beim Jungen Theater Bonn. Wie der 15-jährige Timo Rüggeberg, der die Hauptrolle übernahm: Jochen, der klaut und daraufhin von seiner Mutter in ein Erziehungsheim geschickt wird. In einem Film hat Timo zuvor noch nicht mitgespielt, aber die Gesten und die Mimik hat er drauf. Man glaubt ihm den Trotz, die Unsicherheit und das Gefühl, allein gelassen zu sein, gerne. Nur für die Erwachsenenrollen, die Figur der Mutter und des Heimleiter Hamel, wurden professionelle Schauspieler engagiert. Gage hat keiner bekommen, sonst wäre der Film nicht realisierbar gewesen.

Die Dreharbeiten Gedreht wurde ausschließlich in Bonn und Umgebung. In der Wohnung von Kameramann Martin Backhaus (18), in Matthias Schule, in der Fußgängerzone und im örtlichen Kaufhof. Für die Dreharbeiten hatten die Freunde genau elf Tage Zeit: die Weihnachtsferien. „Für uns Schüler ist es nicht anders gegangen.“, sagt Dustin. Während dieser elf Tage lief alles erstaunlich gut, das Wetter machte mit, keiner wurde krank, keiner sprang kurzfristig ab. Zwischen 12 und 23 Stunden am Tag wurde gedreht.

Die Sache mit dem Geld und dem Glück Zwischendrin sah es immer wieder so aus, als ob das Filmprojekt am fehlenden Geld scheitere. Durch hartnäckige Sponsoren-Suche haben Dustin und seine Freunde insgesamt etwa 3000 Euro gesammelt. Aber für 3000 Euro kann man noch lange keinen Film machen, vor allem die Mieten für die technischen Geräte sind sehr hoch und sprengen jedes Schülerbudget. Da hatten die Freunde das erste Mal wirklich Glück. Weil im Winter wenig Filme gedreht werden und weil den Verantwortlichen das Konzept zu „Rolltreppe abwärts“ so gut gefiel, stellte die Bavaria Köln das Equipment kostenlos zur Verfügung: Beleuchtung, Tontechnik, sogar einen Kran hat der Kameramann Robert Slomke (18) bekommen. Glück hatten die Freunde auch während der Dreharbeiten. In einer Szene sollte Timo als Jochen ein Auto kaputt schlagen. Ein Bonner Schrotthändler hatte versprochen, ein altes Auto zur Verfügung zu stellen, sprang aber kurzfristig wieder ab. Da hat die Feuerwehr spontan ihren Übungswagen gestiftet, den Timo nicht nur kaputt schlagen sondern auch anzünden durfte. Um den fertigen Film im Bonner Kino „Woki“ zeigen zu können, musste der digitale Film auf 35-Millimeter-Zelluloid kopiert werden – eine teure Angelegenheit. In allerletzter Minute konnte die Firma Kodak dazu überredet werden, das notwendige Filmmaterial umsonst zur Verfügung zu stellen. Die Filmrolle kam einen Tag vor der Premiere.

Die Premiere Nach der Premierenfeier mit fast 500 geladenen Gästen, Limousinen, einem vom Baumarkt geliehenen roten Teppich und einem Klavierspieler im Foyer lief der Film noch 14 Wochen im „Woki“ in Bonn. Über 10000 Menschen haben ihn bisher dort gesehen. Und weil er in Bonn so gut ankam, hat sich die Zorro Film GmbH entschieden, den Film jetzt in ganz Deutschland in die Kinos zu bringen.

Der Film „Rolltreppe abwärts“ ist ein schöner Film. Die Szenen zwischen den jungen Laiendarstellern wirken natürlich und entspannt und sind wie selbstverständlich mit der Kamera eingefangen. „Die Dialoge sind während der Dreharbeiten weiterentwickelt worden“, sagt Dustin. „Wir haben Timo und die anderen so sprechen lassen, wie man im Alltag halt redet.“ Ein bisschen schwerer tut sich der Film allerdings bei den Erwachsenen. Da wirken die Dialoge manchmal ein wenig schwerfällig und hölzern, die 70er-Jahre-Buchvorlage schimmert durch. Vor allem die konträren pädagogischen Ansichten vom strengen Heimleiter Hamel und vom verständnisvollen Zivi Fred wirken plakativ. Aber der Film schafft es besonders gegen Ende, Verständnis für fast alle Figuren zu wecken, auch wenn er sich eindeutig auf die Seite der Hauptfigur, des jungen Jochen Jägers, stellt.