Tote tragen keine Karos - aber Eheringe

Foto: Warner Bros.
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Illustration: Julia Schubert

Foto: Warner Bros. Der Film: Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche Was wir lernen: Atmen ist völlig überbewertet. Victor kann einem Leid tun. Erst wollen ihn seine ärmlichen Eltern mit einer guten Partie namens Victoria verheiraten, einer jungen Dame, die Victor nicht einmal kennt. Dann – das Schicksal scheint für einen Moment auf seiner Seite – entpuppt sich diese Victoria trotz ihrer unausstehlichen Eltern als durchaus reizende junge Dame. Doch Victor verpatzt den Probedurchlauf der Trauung dermaßen, dass ihn der empörte Priester fortschickt, er solle das Procedere noch einmal üben. Als Victor in einem dunklen, einsamen Wald den Ring probeweise an einen Ast stecken will – entpuppt sich dieser als der knochige Finger einer Toten, die sich aus dem Boden erhebt. Und Victor hat plötzlich zwei Bräute, von denen leider nur eine am Leben ist. Soweit die Ausgangssituation von Tim Burtons märchenhaftem Stop-Motion Trickfilm „Corpse Bride“. Kein schlechter Schachzug, Liebes- und Grusel-Motive zu vermischen, so funktioniert der Film am Valentinstag und an Halloween – also gleich an zwei Feiertagen unserer säkularisierten Welt. „Corpse Bride“ ist so sehr Tim Burton, dass es schon beinahe eine Parodie ist. Sieh nur, der rabenschwarze Humor! Sieh nur, die schrulligen Charaktere! Sieh nur, ein toter Hund, eine Vogelscheuche, Schneeflocken, Edgar-Allen-Poe-artige Düsternis! Aber, ach, immer immer immer auch zum Lachen. Dass „Corpse Bride“ trotzdem überzeugt, liegt vor allem daran, dass die Story, die im Grunde sehr einfach ist, sehr liebevoll erzählt wird. Es geht um Außenseitertum, Anderssein und Gruppenzwang – auch das typische Burton-Themen. Das Schöne: Burton bekommt es immer hin, nicht den Regisseurszeigefinger zu erheben, sondern einen wie von selbst dorthin zu lenken, wo er einen haben möchte. Und auch wenn man am Anfang noch denkt, dass die tote Emily ja ganz schön fies aussieht mit ihren blanken Knochen und ihrem immer wieder raushüpfenden Augapfel – nach etwa einer halben Stunde versteht man Victor vollkommen, als er sich doch ein wenig in die morsche Maus verliebt. Dass der Film nicht ganz so lang ist, wie die meisten anderen Spielfilme, tut ihm erstaunlich gut, denn so bekommt man genau die richtige Dosis Puppenstube, Gruselklamauk und spontane Gesangsausbrüche. Und dass man sich „Corpse Bride“ in der Originalversion anschauen sollte, um die Stimmen von Johnny Depp und Helena Bonham-Carter sowie die englischen Texte zu den gewohnt brillanten Songs von Danny Elfman zu hören, muss nicht mehr extra gesagt werden. Oder? „Tim Burton’s Corpse Bride“ (76 Minuten) läuft seit Donnerstag in den Kinos.

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