Völkerverständigung am Vorabend

V.
lisa-goldmann
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Illustration: Julia Schubert

V.l.: Axel (Axel Schreiber), Cem (Elyas M'Barek), Metin (Adnan Maral), Yagmur (Pegah Ferydoni, M.), Doris (Anna Stieblich, o.), Lena (Josefine Preuß, u.) und Nils (Emil Reinke). Die Serie: „Türkisch für Anfänger“

Das lernen wir: Zynismus ist lustiger als jeder Nationalitäten-Witz

Nationalitätenklischees zu bedienen ist eine ziemlich billige Masche um Gags zu landen. Meistens geht das schief. Manchmal geht es aber tatsächlich gut. In „Türkisch für Anfänger“ zum Beispiel, der neuen ARD-Vorabendserie, die heute um 18.50 Uhr startet. „Türkisch für Anfänger“ ist die Geschichte einer deutsch-türkischen Patchwork-Familie in Berlin, erzählt in 12 Folgen. Die deutsche Therapeutin Doris verliebt sich in den türkischen Polizisten Metin und die beiden ziehen zusammen. Und deswegen müssen auch die Kinder, Lena und Nils und Yagmur und Cem, ab sofort zusammen leben. Die sind wenig begeistert, nur der dreizehnjährige Nils, ein kleiner Spätentwickler mit Seitenscheitel und Pullunder, findet es gut, wieder eine richtige Familie zu haben. Mit der fünfzehnjährigen Yagmur, die Kopftuch trägt, gen Mekka betet und alles, was nicht islamisch ist, als Porno oder Nazi bezeichnet, ihrem siebzehnjährigen Schwörer-Bruder Cem, der auf dem Spielplatz rumhängt und Macho-Sprüche klopft und mit Vater Metin, der sich Sorgen macht, „zu deutsch rüberzukommen“, hat die ARD einen hübschen bunten Strauß an Türken-Klischees zusammengebunden. Der Stereotypen-Schwerpunkt liegt eindeutig beim türkischen Teil der Familie, auch wenn alle Rollen liebevoll und lustig gezeichnet sind und jede Figur ihre großen Momente bekommt. Es sind dann auch nicht die Nationalitätenwitzchen, die diese Serie wirklich sehenswert machen. Es ist die sechzehnjährige Tochter Lena, die eigentliche Hauptfigur. Völlig abgeklärt und zynisch nimmt sie das Treiben um sich herum wahr und kommentiert es aus dem Off. Lena hat keine Lust auf Familie, auf heile Welt und Völkerverständigung. Sie ist genervt von ihrer antiautoritären Mutter, die, wenn sie an Lenas Zimmertür klopft, fragt: „Kann ich reinkommen oder masturbierst du gerade?“. Und von ihrem Stiefvater, dem „albanischen Terroristen“, ihrer neuen Schwester, mit der sie ein Zimmer teilen muss und ihrem neuen Bruder, der sie dazu bringen will, nicht mehr so freizügig rumzulaufen und überhaupt eigentlich von allem. Genauso wie sie von allem genervt ist, hat sie auch zu allem einen Kommentar abzugeben. Dass Lena als Herzstück der Serie so gut trägt, liegt auch an der Schauspielerin, Josefine Preuß. Schade, dass letzten Donnerstag nicht sie, sondern Darsteller Adnan Maral, der Metin spielt, zu Gast bei Harald Schmidt war.

“Türkisch für Anfänger“ läuft ab Dienstag, 14. März, immer Dienstag bis Freitag um 18.50 in der ARD. Bild: ARD/Thorsten Jander

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