Zwei Woodys zum Preis von einem

Noch lacht sie: Das ist die eher tragische Melinda, Foto: 20th Century Fox Der Film: "Melinda und Melinda" von Woody Allen Das lernen wir: Allen ist Allen ist Allen Es ist ein Déjà-vu: Ein paar Intellektuelle sitzen in einem irgendwie französisch wirkenden Café, das sich aber in New York befindet, und reden über nichts Geringeres als die Komik und die Tragik des Lebens.
lisa-goldmann
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Illustration: Julia Schubert

Noch lacht sie: Das ist die eher tragische Melinda, Foto: 20th Century Fox Der Film: "Melinda und Melinda" von Woody Allen Das lernen wir: Allen ist Allen ist Allen Es ist ein Déjà-vu: Ein paar Intellektuelle sitzen in einem irgendwie französisch wirkenden Café, das sich aber in New York befindet, und reden über nichts Geringeres als die Komik und die Tragik des Lebens. Die versammelten Typen kommen einem bekannt vor und ihre Gewissheit, mit der sie über das Leben sprechen, irgendwie auch. Nur hat man das schon länger nicht mehr gesehen. Um ihre Lebenssicht zu veranschaulichen, versuchen zwei anwesende Autoren, eine Geschichte aus zwei Perspektiven – der tragischen und der komischen – zu erzählen, und diese Geschichte soll so beginnen: Eine Frau namens Melinda platzt völlig fertig in ein Abendessen, das ein Paar für einen wichtigen Geschäftspartner ausgerichtet hat. Das ist die Rahmenhandlung des Films „Melinda und Melinda“ von Woody Allen. Und so spinnen sich zwei Episoden um Melinda, zwei unterschiedliche Geschichten mit unterschiedlichen Charakteren, in denen nur die Grundpfeiler identisch sind. Einzig Melinda selbst wird von der gleichen Schauspielerin (Radha Mitchell) gespielt. Aber auch die zwei Melindas sind nicht die gleichen. Sie treten beide mit völlig verschiedenen Hintergrundgeschichten in die Szenerie, und während sich die eine Melinda schnell wieder erholt und so für eine Komödie sorgt, muss die andere noch ein bisschen leiden, damit die Elemente einer Tragödie erfüllt sind. Auf diese Weise bekommt der Zuschauer eigentlich gleich zwei neue Kinofilme zu sehen. Aber nicht nur die Rahmenhandlung, auch die zwei Geschichten um Melinda kommen einem sehr bekannt und vertraut vor, als habe man „Melinda und Melinda“ vor Jahren schon einmal gesehen. Zu einer Zeit, in der es auch in amerikanischen Filmen okay war, wenn die Figuren die meiste Zeit einfach mit einem Glas in der Hand rumsaßen oder –standen und sich zuquatschten. Ein wenig sind es auch die gedeckten, bräunlichen Farben, die an früher erinnern und die Kleidung der Figuren, die so wirkt, als wurde sie vor vielen Jahren gekauft und schon oft getragen. Heute gibt es nur noch einen, der solche Filme dreht, einer, der sie so schon in den 80er, sogar schon in den 70ern gemacht hat: Woody Allen. Woody Allen ist einfach Woody Allen und das ist gut so. „Melinda und Melinda“ läuft seit gestern im Kino.

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