Busi und Brusti

Frauenzeitschriften haben mich schon immer auf die undenkbarsten Mängel meines Körpers hingewiesen.
michele-loetzner

Frauenzeitschriften haben mich schon immer auf die undenkbarsten Mängel meines Körpers hingewiesen. Alleine wäre mir nie bewusst geworden, dass meine Knie oder meine Ohrläppchen eine Problemzone sein könnten. Ich habe mir auch nie darüber Gedanken gemacht, dass meine Fersen Männer abschrecken könnten. Dank diverser bunter Blätter bin ich mir dessen aber sehr wohl bewusst. Und Dank Scarlett Johansson weiß ich jetzt, dass man seinen Brüsten positiver gegenübersteht, wenn man ihnen Namen gibt. Für Scarlett sind ihre Brüste ihre Freundinnen, sagte sie in einer Celebrity-Zeitschrift, und nennt sie deswegen liebevoll „Girls“. Wenn also die hochbeschäftigte Schauspielerin für so etwas Zeit hat, sollte ich mir die auch nehmen. Nur wo anfangen? Muss ich dann auch mit denen sprechen? Wie sieht so ein Dialog aus und nach welchen Kriterien benenne ich meine Brüste? Ich frage am besten einen Mann, haben Männer doch unendlich viele Namen für ihren Penis gefunden, etliche Filme gedreht, Bücher geschrieben und nicht zuletzt ja angeblich einen täglichen Dialog mit ihrem Geschlechtsteil. Wir erinnern uns an Tom Cruise im Film Magnolia: Respect the cock! Ich schicke also schnell eine Email an den erstbesten meiner männlichen Freunde mit der Frage: „Was hältst du von Frauen, die ihren Brüsten Namen geben und mit ihnen sprechen?“ Wie zu erwarten, werde ich in der Antwort zuerst gefragt, ob ich völlig verrückt sei oder zu viel Langeweile habe. Nichtsdestotrotz versucht er meine irritierende Email zu beantworten. Er habe sich da noch nie Gedanken darüber gemacht. Das wären einfach Titte 1 und Titte 2 und wenn ich jemand zum Reden bräuchte, sollte ich nicht meine Brüste nehmen, sondern ihn einfach anrufen und keine Emails schicken. Wie liebevoll, vielen Dank. Das Dilemma ist also noch nicht ausgestanden. Ich versuche mich jetzt von der Frauenseite an das Thema heranzutasten. Acht Anrufe und sieben Sag-mal-hast-du-sonst-nix-zu-tun-Verwünschungen später, renne ich endlich offene Türen ein. Meine Freundin Anne wundert sich kein Bisschen über meinen Anruf, hätten ihre Brüste doch schon seit Jahren Namen, noch dazu zwei verschiedene: Mr. Small und Mr. Little. Die wären selbsterklärend und ihr auf einer Party eingefallen, aber unterhalten würde sie sich niemals mit den beiden Herren vor ihrer Brust. Wen interessiert schon die Meinung von Brüsten? Nach dem Telefonat wage ich nun den Selbstversuch. Ich stehe vor dem Spiegel und frage mich, welche Namen zu meinen Brüsten passen könnten. Ernie und Bert? Halbhäng und Ganzhäng? Piggy und Kermit? Condi und Colin? He-Man und She-ra? Mando und Diao? Busi und Brusti? Ich bin ratlos. Warum gibt Anne ihren Brüsten Männernamen und nimmt sich Zeit zwei verschiedene Namen zu finden, während Scarlett ihre zusammenfassend und weiblicherweise „Girls“ nennt? Bricht man einen Krieg vom Zaun, wenn man politische Personen wie Condi und Colin nimmt? Existieren Brüste, die He-man und She-ra heißen dann auch in Paralleluniversen? Sind die Brüste beleidigt, wenn man sie Halbhäng und Ganzhäng nennt? Und ist Busi und Brusti nicht einfach völlig bescheuert? Langsam komme ich mir auch äußerst dämlich vor, wie ich da so halbnackt rumstehe und mir schwachsinnige Namen ausdenke. Kalt wird’s auch. Aber wegen dem einen Muttermal sollte ich vielleicht mal zum Hautarzt gehen. Frustriert ziehe ich meinen BH wieder an. Während ich wie immer mit den Haken kämpfe, muss ich an ein Interview mit Heidi Klum denken. Die bringt`s auf den Punkt: „Meine Brüste haben keine Botschaft - sie müssen nur in den BH passen.“

  • teilen
  • schließen