Der Mythos: Autowäsche kann so sexy sein

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Illustration: karen-ernst Zu den Dingen, die Frauen mit knackigen Hintern in minimal dünnen Stofffetzen angeblich besonders gut (also: sexy) können, gehört offensichtlich unter anderem, die Autowäsche. Aktuelles Beispiel hierfür ist Jessica Simpsons Videoclip zu „These Boots Are Made For Walking“, in dem sie zusammenhanglos einen roten Sportwagen mit dem Schwamm abtupft. Wieso Jessica zum ekstatischen Rumhüpfen im Bikini ein Auto braucht, ist schwer zu sagen. Worin besteht eigentlich der Mythos der sexuellen Zugkraft, wenn eine Dame unkoordiniert ein bisschen Schaum auf der Motorhaube verspritzt? Vermutlich liegt es an folgender, leicht schräger Arithmetik: 1. Solche Stoffhäschen mit lasziv geschürzten Lippen stimulieren mitunter die männliche Potenz. 2. Diese wird wiederum stellvertretend von einem blechernen Kraftpaket, das laut röhrt und Schadstoffe ausstößt, verkörpert. 3. Nimmt die Frau also eines schönen Tages einen Putzeimer für den Lackaffen zur Hand, wird vor allem das männliche Ego, der Geltungsdrang, das Statussymbol durch frisch glänzende Felgen aufpoliert. Nicht sexy, sondern sehr, sehr dämlich Die Wahrheit ist: Autowaschen ist eine der dämlichsten Beschäftigungen, der Pop-Sternchen wie Jessica Simpson, Alibi-Stars wie Paris Hilton oder andere subjektiv als sexy empfundene Frauen nachgehen können. Dabei verlieren sie eigentlich nur. Es sei denn, sie spielen gekonnt damit. Dann entsteht tatsächlich so etwas wie Sexappeal. Wenn Liv Tyler in „Eine Nacht bei Mc Cool´s“ mit dem Schwamm an einem Auto schrubbt, bis ihr der Schaum aus dem Ausschnitt quillt treibt sie die männlichen Beobachter in den Wahnsinn. Das ist, weil überzeichnet lasziv, sexy. Problematisch aber wird es, wenn sich die schlanken Reinigungskräfte ernst nehmen bei dem, was sie tun. Wenn die Autowäsche nicht ein Element von vielen, sondern der absolute Knaller und der Inbegriff des Sex sein soll. Störende Zungen bei lästigem Pflichtakt Jessica Simpson hätte mit „These Boots Are Made For Walking“ ein solides Video hinlegen können. Weil sie aber glaubt, sie müsse zur sexuellen Stimulation der Zuschauer nur ein bisschen die Scheibe eines roten Flitzers wischen, und sich dabei im rosa Bikini gelenkig verbiegen, macht sie sich lächerlich. Und wer Paris Hilton toll findet, wie sie kraftvoll in einen Burger von „Carl´s Jr.“ beißt und eine schwarze Limousine mit der nassen Hand berührt, der ist einfallslosen Werbeleuten auf den Leim gegangen. Der brüchige Mythos von der sexy Reinigungsfachkraft ist endgültig dahin, wenn man sich daran erinnert, was Autowäsche eigentlich in Realität bedeutet. Warum man sein Fahrzeug da automatischen Bürsten, einer Hochdruckreinigung in dunklem Raum überlässt und sich nicht an überquellendem Schaum ergötzt. Die Antwort ist einfach: Weil das nur aufhalten würde, auf dem Weg zum nächsten Termin, zur nächsten Verabredung. Sein Auto waschen ist ein lästiger Pflichtakt wie der Gang auf das Gemeindeamt zur Ausweisverlängerung; arschwackelnde, Augen aufreißende und Zungen schlackernde Putzfrauen würden da ja auch nur stören.

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