Der Mythos: Mädchen klammern schnell

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Illustration: karen-ernst Die Geschichte ist tausendmal passiert: Junge und Mädchen treffen sich. Treffen sich noch mal. Verlieben sich. Tauschen Nummern aus. Mädchen ruft Junge an, nur um seine Stimme zu hören. Junge fühlt sich geschmeichelt. Gleicher Tag, wenig später: Mädchen ist wieder an der Strippe und will wissen, ob Junge mit ins Kino kommt. Junge wundert sich: Noch mal sie? Und sowieso will er lieber mit seinen Freunden Fußball spielen. Später ruft Mädchen wieder an (Grund: akute Sehnsucht), erwischt Junge zufällig beim Männerabend. Junge hält das Gespräch kurz, verdreht anschließend die Augen und stöhnt: "Nee, ey, die klammert echt voll!" Jungens Freunde nicken verständnisvoll, denn sie wissen: Dass Mädchen klammern wie Klettverschlüsse, ist ein Gesetz wie Schwerkraft oder die Tatsache, dass immer ausgerechnet an dem Tag Kontrolleure im Bus sind, an denen man schwarzfährt. In der Klischeefalle Plopp, da schnappt sie zu, die Klischeefalle. Mittendrin: Junge und seine Freunde. Jetzt wird mal einiges richtig gestellt. Zunächst mal: Ja, es stimmt, wenn wir uns in euch verlieben, dann wollen wir euch erst mal 24 Stunden am Tag nur für uns! Wir wollen euren Nacken küssen, euch mit Schokoladeneis füttern und eure Sommersprossen zählen. Eure Stimme hören, uns die Füße von euch massieren lassen und, natürlich, unseren Körper an eurem reiben. Und das möglichst oft. Schuld ist ein Bombardement von Östrogenen, die Hormone gehen mir uns eben durch. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo wir seltener anrufen. Nicht weniger begeistert, nicht weniger verliebt, einfach nur seltener. Wir kennen inzwischen jeden Quadratzentimeter eures Körpers, eure Lieblingseinschlafposition und den Satz, mit dem euch eure Mutter auf die Palme treiben kann. Unsere Liebe zu euch ist jetzt kein Wasserfall mehr, sondern eher ein langer, ruhiger Fluss. Die Östrogene tanzen nicht mehr Ringelreihen. Wir reiben uns verwundert die Augen und stellen fest, dass da noch eine durchaus lebenswerte Welt außerhalb unseres Bettes existiert und – ja, wirklich, wir hatten auch mal Freunde! I will follow you Seid doch mal ehrlich, Jungs: Es würde euch etwas fehlen, wenn wir genauso wären wie ihr. Wenn wir auch immer drei Tage warten würden, bevor wir zum Telefonhörer greifen und irgendwas von "magstnochvorbeikommen" nuscheln würden. Wenn wir auf eure Frage, ob wir mit euch die Sommerferien verbringen wollten "jomalschaunweißichnochnich" murmelten. Ihr wollt doch Glücksbringer für die Klausur gebastelt bekommen, bekocht werden und bei einem verstauchten Knöchel unser grenzenloses Mitleid erfahren! Ich höre die Einwände, und ja, natürlich gibt es Grenzen! Weit hinter denen bewegen sich die richtigen Kletten, jene willen- und hirnlosen Püppchen, die euch Tag und Nacht an den Fersen hängen und anscheinend nie einen eigenen Freundeskreis besessen haben. Dass die nerven, können wir verstehen, denn auch wir hassen nichts mehr als Kopfnicker, die uns in allem zustimmen und immer, immer, immer Zeit haben. Deshalb, und das gilt für sämtliche Geschlechter: Sollte euch ein derartiges Exemplar am Rockzipfel hängen, sofort abstoßen! Aber wenn eure heiß geliebte Prinzessin am Telefon ist, liebe Jungs, dann denkt an die Östrogene, lächelt ein bisschen in euch hinein und fühlt euch geehrt.

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