Du musst einfach loslassen!

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Verlassenwerden schmerzt, keine Frage. Noch viel mehr schmerzt allerdings, wenn man nicht loslassen kann und eigentlich noch Hoffnung hat, dass die gerade beendete Beziehung unter Umständen doch noch funktionieren könnte. Die Vernunft sagt, dass es besser so ist, aber dieses Ziehen, diese Sehnsucht, will nicht verschwinden. Man fühlt sich innerlich gevierteilt und langsam, schleichend macht man die beklopptesten Sachen, denn man kommt nicht von ihm los, dem Expartner. Ziemlich gut ist dieses Gefühl von U2 beschrieben, im Schnulz-Epos „With or without you“.

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Illustration: Julia Schubert

Illustration: daniela-pass See the stone set in your eyes See the thorn twist in your side. I wait for you. 1. Man kennt den Expartner in und auswendig. Seine Marotten, seine täglichen Aufgaben, seine Aufenthaltsorte. Ihm nachzuspionieren ist eigentlich ganz einfach. Doch am Anfang sträubt man sich dagegen, man will ja kein Stalker sein. Die Neugier frisst einen aber nach und nach auf. Man sitzt mit seinen Freunden zusammen in einer netten Runde, aber kann sich nicht richtig auf ein Gespräch konzentrieren. Die Finger tippen nervös auf dem Tisch herum und im Hinterkopf zischt eine Stimme: „Was Ex-Liebe wohl gerade macht? Wo Ex-Liebe wohl gerade ist?“ Weil die Welt eh gerade nur schwarz oder weiß ist, gibt es nur zwei mögliche Antworten: entweder er/sie amüsiert sich gerade prächtig oder sitzt zuhause und heult sich die Augen aus. Beides möchte man aber gerne aus erster Hand wissen. Das Fingertippen wird immer nervöser und eh man sich versieht, hat man die Party verlassen und sitzt im Auto. Man fährt nach Hause, nimmt dabei aber zufällig den Umweg durch die Straße, in der die Ex-Liebe wohnt. Dass diese in einem vollkommen anderen Stadtteil ist, wird zu Nebensache. Langsam wird dann am Haus vorbeigerollt und nachgesehen, ob Licht in der Wohnung brennt. Dummerweise sieht man dann trotz brennender Glühbirnen schlecht, was da oben passiert, dafür hält man aber blendend den Verkehr auf. Es empfiehlt sich in den Rückspiegel zu sehen, ein hupender Bus holt nämlich im schlechtesten Fall nicht nur die ganze Nachbarschaft, sondern auch die Ex-Liebe ans Fenster. Sleight of hand and twist of fate On a bed of nails she makes me wait And I wait without you 2. Meistens ist das kurze Nachsehen, ob der Expartner zuhause ist, erst der Anfang. Das Stalking geht weiter, nur möchte man es eigentlich nicht Stalking nennen. Stalker sind ja nur die verrückten Leute aus dem Fernsehen, man selbst möchte lediglich in Erfahrung bringen, ob es dem Expartner gut geht…naja, und wo er sich so rumtreibt, was er so macht und ob er schon jemanden Neues gefunden hat…und wehe, er hat sich schon anderweitig orientiert. Man hat ja fast das Recht, das zu erfahren, oder? So, und deswegen wird man Marktforscher in Sachen Ex-Liebe oder eher: Umfrager. Zufällig hängt man nämlich genau dort rum, wo man die Ex-Liebe treffen könnte und wenn nicht den, dann seine Freunde. Trifft man die, gibt es ein überherzliches Hallo, man beteuert wie gut es einem geht und nach fünf bis sechs Höflichkeitsfloskeln versucht man mehr oder minder geschickt, das Thema in die richtige Richtung zu balancieren. Mit Alkohol wird die Höflichkeit meist übersprungen und man kommt gleich zur Sache: „Redet er/sie noch von mir? Wie geht’s ihm/ihr eigentlich…und so weiter. Sehr wichtig: Egal was man bei diesen Gespräch erfährt, es muss einen nach außen hin so dermaßen kalt lassen, dass sogar die Eiswürfel im Glas staunen. Through the storm, we reach the shore You gave it all but I want more And I'm waiting for you 3. Überhaupt, Alkohol ist unser schlimmster Feind Nr. 1 und zugleich ein guter Freund. Wer ungewollt verlassen wird, muss das öfters mal betäuben. Problematisch nur, dass Gin Tonic, Wein und Bier die Sehnsucht im Allgemeinen noch verstärken. Das lädierte Herz rutscht auf die Zunge und wenn kein offenes Ohr mehr da ist, beschließt man doch noch mal direkt mit dem Expartner zu kommunizieren. My hands are tied, my body bruised She got me with nothing to win And nothing left to lose. 4. Und damit kommen wir auch gleich zu unserem schlimmsten Feind Nr. 2: Telefon und Email. Obwohl jedes billige Ratgeberheftchen immer darauf hinweist, dass man sofort nach der Trennung alle Nummern und Emailadressen löschen soll, macht man das höchstens symbolisch, wenn man weiß, dass man die Nummer vorher noch schnell auf ein Zettelchen gekritzelt hat. Da wird dann groß herumgetönt und unter Fanfaren auf „Delete“ gedrückt, aber wie so oft nach einer Trennungen lügt man sich nur ordentlich in die eigene Tasche. Die ganz Harten löschen die Nummer gar nicht, sondern lassen sie gleich auf der Kurzwahltaste, aber zurück zu Alkohol und Kommunikationsmittel. Eigentlich sollte man frisch Verlassenen Handy und Co. wegnehmen. Wer sich nämlich nicht mit der Trennung abfinden kann, ruft dezent betrunken morgens um 4 Uhr beim Expartner an und bittet ihn zurück zu kommen oder beschimpft ihn wahllos, was auch nichts anderes ist, als ihn zu bitten zurück zu kommen. And you give yourself away And you give yourself away And you give, and you give And you give yourself away. 5. Wer die Nummer tatsächlich gelöscht und nirgends aufgeschrieben hat, ist kein Stück besser, der hat sie sich nämlich gemerkt. Spätestens, wenn man beim Expartner rauskommt, obwohl man eigentlich gerade den Pizzaservice anrufen wollte, muss man sich eingestehen, dass etwas nicht stimmt. Übrigens: Den Namen des Expartners andauernd googlen ist auch nicht gesund und leider ein dringliches Anzeichen, dass man von ihm oder ihr nicht loskommt. With or without you With or without you I can't live With or without you.

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