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karen-ernst Denise hat eine Beziehung mit Dustin. Dustin hat danach Sex mit Katinka. Denise kennt Katinka nicht, sie geht kurz darauf mit dem feschen Uwe. Der fesche Uwe treibt es hintereinander mit der dicken Michelle, der lustigen Ninette, der argen Kathrin, der deutschen Ursel und dann noch mit dem unglaublichen Fridolin. Diese fünf haben untereinander alle nicht mehr gemein, als dass sie zufällig die gleiche Highschool besuchen. Über so eine lustvolle Reihe freuen sich US-Soziologen sehr, besonders wenn sie bei ihren Befragungen ans Licht kommt. Die Forscher jubeln dann: Teenies von heute leben ihre Sexualität ganz anders als ihre Eltern. Sie bilden interessante Sexketten! Sexketten sind neu. Eltern und andere Erwachsene mussten und müssen sich derweil noch mit dem Phänomen des unsympathischen Sexmonolithen herumschlagen. So ein Sexmonolith sieht in den Diagrammen der Soziologen eben nicht aus wie eine Kette, sondern wie ein Taubenschlag. Alle fliegen auf ihn oder sie. Oder anschaulicher: Die topattraktiven Sexmonolithen Rene und Karline poppen ihr ganzes Leben lang viel herum, viele andere aber, all die unscheinbaren Carinas, Michaels und Lutze, haben eher wenig differenzierten Sex und müssen deswegen ein bisschen unzufrieden sein. So drehte sich nun mal die Sexwelt bisher. Nicht gerade gerecht. Jetzt aber diese Sexketten der US-Teenies! Da gibt es also in der soziologisch untersuchten Highschool im mittleren Westen nicht mehr jene unerreichbaren Footballstars und Cheerleaderköniginnen, die uns Highschool-Filme als zwingendes Schulinventar vormachten. Und es gibt folgerichtig auch nicht jene Cliquen, die wir selber aus der Schule kennen, in denen sich magisch alle Schönen zusammenfinden, um sich gegenseitig zu paaren –hermetisch getrennt von den neidischen Mittelklassenkameraden. All diese Klassenparty-Pein ist also hinfällig. Die modernen Schüler haben Sex mit allem, was so den Schulflur entlang kommt. Das Bindeglied der Sexkette ist immer ein neues. Abwechslung geht vor Cliquenbindung und Neugier vor Statusanalyse des Bettpartners. Im Freundeskreis wird lange geredet und Fahrrad gefahren, Sex hat man aber lieber mit allen anderen. Sagt die Studie. Das klingt nun sehr schön. Das klingt nach Offenheit, Toleranz und Sex für alle. Es klingt eigentlich nach einer besseren Welt, zumindest für die, die bislang nicht als Sexmonolith durch die Welt liefen und jetzt gerade in eine US-Highschool kommen. Aber es ist auch ein monumentaler Widerspruch zu dem Glauben, mit dem man sich selber die sexuelle Startschwierigkeiten der Pubertät schön redete: „Wenn ich groß bin, wird das alles leichter.“ Eben offenbar nicht! Die Großen haben keineswegs besser, öfter und interessanter Sex als die verklemmten Teenies. Sondern die verklemmten Teenies sind neuerdings nicht mehr verklemmt. Während sich die Erwachsenen noch jedes Mal sehr anstrengen müssen, beim Wunschpartner sexuelle Neugier zu entfachen, fassen sich die Jugendlichen mittlerweile zwanglos gegenseitig an. Im gemeinsamen Einverständnis der Lusterweiterung. Schön und gut, aber menno, hätte das nicht auch ein bisschen früher losgehen können?