Satin und Sauberkeit sind für Doofmänner

Dass mehrere Bücher zu demselben Thema erscheinen, ist nicht ungewöhnlich.
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Illustration: Julia Schubert

Dass mehrere Bücher zu demselben Thema erscheinen, ist nicht ungewöhnlich. Selten treten jedoch zwei Veröffentlichungen in so direkten Wettstreit miteinander wie die folgenden beiden Sexfibeln. Mit ihrem „Sex-Knigge“ möchte Autorin Doris Burger helfen, „Fettnäpfchen rund um das Bettgeschehen gekonnt zu umschiffen“. Das gleiche nimmt sich Autor Christoph Koch mit seinem Konkurrenzwerk „Der Sex-Knugge“ vor. Wem es besser gelingt und welchem Ratgeber der liebesunerfahrene Leser schließlich den Vorzug geben mag – das muss nun wirklich jeder mit sich selbst ausmachen.

Das Interessante: Beide Bücher geben ziemlich gegensätzliche Empfehlungen. Während der „Sex-Knigge“ beispielsweise rät, spätestens vor dem Ablegen des letzten Kleidungsstückes nach dem Namen des Gegenüber zu fragen und sich diesen nach Möglichkeit auch zu merken, empfiehlt Koch im „Sex-Knugge“ eine andere Strategie: „Blaffen Sie sofort ‚Interessiert mich das?’, wenn ihr Sexpartner seinen Namen sagt. Sollten sich nicht umhin kommen, den Namen doch zu Kenntnis zu nehmen, sprechen Sie ihn mehrfach falsch aus und nennen sie während des Akts und zum Abschied völlig falsche Namen, die im Idealfall sogar nicht mal dem Geschlecht ihrer Eroberung entsprechen“.

Weitere Unterschiede finden sich in der Gestaltung der Schlafstätte: Während Doris Burger sich sehr weit aus dem Fenster lehnt und behauptet, ausgeleierte Spannbetttücher und gebrauchte Unterwäsche wären der Stimmung abträglich, glaubt es Christoph Koch auch hier besser zu wissen: „Durchforsten Sie Flohmärkte nach Frotteeschlafanzügen mit den Vereinsemblemen von Regionalligamannschaften und kaufen sie zusätzliche Unterwäschegarnituren ein, die sie gebraucht ums Bett herumdrapieren. Lassen Sie sich nichts erzählen: Satin und Sauberkeit sind für Doofmänner“.

Und auch vielleicht in der wichtigsten Frage sind sich die beiden Autoren uneins: Doris Burger postuliert ein striktes Rauchverbot während des Koitus, das frühestens nach dem „letzten Gang“ aufgehoben sei – und auch dann nur bei ausdrücklicher Erlaubnis. Christoph Kochs „Sex-Knugge“ kommt zu einem abweichenden Ergebnis: Wer im Bett lieber einen „letzten Gang“ verspeist, als Sex zu haben, hat von selbigem sowieso keine Ahnung, so der Autor in einem Kapitel namens „Schon gut, ich komm ja gleich“. Und Rauchverbote im Bett seien spätestens nach Iris Radischs Bachmannpreis-Bekenntnis sowieso nicht mehr zu halten: „Ein Text, der mit "wir rauchten beim Ficken" beginnt, kann nicht wirklich schlecht sein.“ Texte, die in Sexratgebern stehen, leider schon.

„Der Sex-Knigge“ von Doris Burger ist im Pieper Verlag erschienen.
„Der Sex-Knugge“ von Christoph Koch ist in einer ganz heißen Planungsphase – versprochen! (Illu: Simone Carrier)

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