152118

Illustration: karen-ernst Es kann vorkommen, da liegt man auf der Couch herum, hört Musik und denkt sich eigentlich gar nicht viel. Auf einmal platzt - ohne Ankündigung und in Großbuchstaben - ein Wort in den Kopf: Sex, mit einem Ausrufezeichen. Wäre doch mal wieder angebracht, findet man, und zwar dringend. Hat sich das Bedürfnis einmal eingestellt, lässt es sich nicht mehr so einfach abschütteln. Befindet man sich jetzt alleine auf der Couch, ohne Aussicht auf baldige Gesellschaft, stellt sich recht schnell die Anschlussfrage: Wer soll da mitmachen? Für gewöhnlich gibt es jetzt drei Möglichkeiten. Entweder man verlässt das Wohnzimmer und begibt sich an einen günstigen Ort, um willige Körper anzutreffen. Der Nachteil daran ist, dass man dabei meistens Geld ausgeben muss. Und sich dann womöglich aus Versehen ein fremdes Monster in sein Bett holt, welches man dort am nächsten Morgen auf keinen Fall mehr sehen will. Von Möglichkeit Nummer Zwei, nämlich einen Kumpel verführen, ist in jedem Fall strengstens abzuraten. Sie führt auf direktem Weg zu Unannehmlichkeiten und im schlimmsten Fall kommt es zu großen dramatischen Szenen und Herzschmerz. Die bequeme Lösung liegt so nahe Die sicherste und attraktivste Lösung ist also Variante Drei: Sex mit dem / der Ex. Reimt sich, denken sich scheinbar ziemlich viele Menschen, und ist deshalb bestimmt gut. Eine neue Umfrage will herausgefunden haben, dass ein Viertel aller Deutschen regelmäßig mit ihrem ehemaligen Partner ins Bett gehen. Sex mit jemandem, den man kennt und bei dem die Emotionen bereits abgewickelt sind, liegt bei Kurzschluss-Lustattacken nahe. Immerhin muss man sich dafür nicht einmal vom Sofa bewegen. Man greift einfach zum Telefon oder schreibt eine kleine, verheißungsvolle SMS. Schließlich besitzen die meisten Menschen, mit denen wir über einen längeren Zeitraum geschlafen haben, auch nach Beziehungsende einen gewissen Grad an Restattraktivität. Warum die also nicht durch ein bisschen entspanntes Vögeln würdigen? Auch der Rationalitätsfaktor steigt beim Sex mit dem Verflossenen. Immerhin weiß man ja schon, dass Küsse auf seinen Nacken mehr bei ihm auslösen als auf seinen Bauch, und dass ihre Hüfte empfindlicher ist als ihre Brustwarzen. Das Herumprobieren, das man mit einem Fremden hat, fällt weg, die Befriedigungswahrscheinlichkeit erhöht sich. Gemischte Gefühle beim Laufbandjoggen Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob jemand, mit dem man ja nicht mehr zusammen sein will, den Aufwand überhaupt lohnt. Mag sein, dass man einst gemeinsam vor lauter Geilheitsglück Tränen weinte. Tatsache bleibt, dass man sich irgendwann trotzdem so sehr auf die Nerven gegangen ist, dass man sich trennte. Dazu kommt, dass er in der Regel zu nichts führt. Das kann frustrierend sein, wenn man ganz insgeheim doch gerne eine Beziehung hätte. Denn die passiert nicht, indem man sich zusammen auszieht. Richtig schwierig wird die Angelegenheit, wenn man selbst der Verlassene war. Dann ist die Verwundbarkeit manchmal größer, als angenommen. Wo man gerade noch meinte, den anderen für seine eigenen Lustzwecke zu benutzen, fühlt man sich auf einmal selbst sexuell ausgebeutet. Letztendlich ist es bei Sex mit dem Ex wie beim Laufbandjoggen: Man kommt nicht voran, bleibt aber trotzdem in Bewegung. Wer das zu schätzen weiß, holt sich den Verflossenen auf die Couch. Wem das nicht genügt, schaut sich lieber an der frischen Luft um, was die Welt sonst noch so zu bieten hat.