Vom Aufwärmen alter Beziehungen

Kate und Leo machen's vor: sie vereinigen sich derzeit wieder auf der Kinoleinwand, und es scheint zu funktionieren. Und das, obwohl ihre gemeinsame Zeit schon zehn Jahre zurückliegt. Funktioniert das?
christiane-lutz

Um Leo DiCaprio und Kate Winslet geht es hier aber nur peripher. Es geht um das Prinzip Aufwärmen. Du kennst es: Lange habt ihr euch geherzt und geliebt, du und dein Partner, und lang ist es her, dass das vorbei ist. Aus einem einst trauten Paar sind alte Bekannte geworden, jeder für sich, getrennt im Guten. Die Titanic Zeit war schön, jetzt sind Kate Winslet und Leonardo diCaprio aber erwachsen. Man hat es hinter sich gelassen. Was aber, wenn man sich - wie die beiden in ihrem neuen Film - ganz unverhofft wieder trifft? Genauer: plötzlich wieder was miteinander anfängt und den alten Sud wieder aufwärmt?

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Illustration: Julia Schubert

Chilli con Carne wird ja bekanntlich besser, wenn man es am nächsten Tag wieder aufwärmt. Dann sind die Gewürze richtig durchgezogen, der Saft hat sich gesetzt. Manches Gute braucht eben Zeit, und was heute schmeckt, kann morgen noch viel deliziöser sein. Vorausgesetzt, es ist überhaupt noch was übrig, vom Chili, also von der Anziehung, der Zuneigung, was auch immer. Wir reden vom plötzlichen Knacken und Knistern, wenn man sich nach, sagen wir, dreijähriger Trennung, wiedersieht. Relativ unverhofft und relativ sexy kommt er daher, dieser Mensch, dem du mal so nahe standest. Ihr habe euch im Guten getrennt („Wir sind noch zu jung, uns schon zu binden“, hast du gesagt), euch ein bisschen aus den Augen verloren, aber nicht so sehr, dass du dich jetzt nicht wieder erinnerst, was du an dieser Person so ungemein anziehend fandest. Am Ende der Liebe war das weg, leider, verschwunden. Er sah so unattraktiv aus, wie ihm, wenn er wütend war, immer diese fiesen Flecken ins Gesicht stiegen. Das ist vergessen. Gelöst und entspannt plaudert ihr jetzt vom Leben, erleichtert, dass da rein gar nichts mehr ist. Gar nichts mehr? Naja. Zwei Stunden später liegt ihr nebeneinander im Bett, in nichts aufgelöst haben sich die drei Jahre ohneinander, ihr schaut euch an, wie einst, pustet euch in die Ohren, wie früher und wundert euch, dass noch immer jeder Handgriff sitzt beim Sex: ein Team wart ihr, ein gutes noch dazu. Ein Seitenblick auf den Körper des anderen bestätigt die Erinnerung, vielleicht poliert es diese sogar noch ein wenig auf, weil auf wundersame Weise alles neu ist, und alles fremd. „Nothing’s gonna change my world“, summt einer von euch, sich der Tatsache bewusst, dass der andere dieses Lied nie mochte, sich jetzt aber irgendwie nicht im Geringsten daran zu stören scheint. Jetzt ist er da, der Moment in dem man sich fragt, ob es vielleicht wirklich nur am „Alter“ oder „ich will noch ein bisschen frei sein“ lag, dass man sich getrennt hatte. Der Moment, in dem man sich in Richtung folgender Frage lehnt: „Vielleicht könnte das ja noch einmal was werden mit uns.“ Stille. Keiner hat etwas laut gesagt, ihr lächelt euch an und redet davon, dass das Pärchen, mit dem ihr im Urlaub wart noch immer zusammen ist: Ein paar der letzten Zeugen eurer großen Liebe. Seltsam ertappt fühlt ihr euch. Bei uns, da hat das nicht geklappt, denkt jeder für sich und tut so, als wären die zwei, die noch immer zusammen sind, die wären, die sich nicht weiterentwickelt hätten. Beziehungen aufwärmen ist ein bisschen wie mit großem Hunger nachts nach Hause zu kommen und sich freuen, dass noch was im Kochtopf übrig ist, die man dann halbwarm und hastig sich nimmt, ohne lang über Pros und Contras zu sinnieren. Hinterher plagen aber meist Bauchschmerzen, weil das Zeug doch nicht mehr so lecker war. Prinzipiell ist nichts einzuwenden gegen einen kleinen Nachschlag Zuneigung. Einmal im Topf der Erinnerung umgerührt, vielleicht ein bisschen nachgewürzt. Nostalgisch schön kann das werden, ein bisschen versöhnlich dann, wenn man statt an das bittere Ende jetzt wieder an die süßen ersten Begegnungen denkt. Möglich. Schwierig wird’s allerdings, wenn doch noch Gefühle im Spiel sind, welcher Art diese auch immer sein mögen. Denn dann macht man im Prinzip genau da weiter, wo man sich vor Jahren verabschiedet hat. Man erinnere sich: aus gutem Grunde. Daher lieber Finger weg vom Ex, denn sicher ist sicher. Dass beim Aufwärmen vergangener Zuneigungen wirklich noch mal etwas richtig Heißes rauskommen kann, ist zwar nicht auszuschließen, in der Mehrheit der Fälle allerdings muss man erkennen, dass der absolute Hochgenuss ausbleibt - wie bei den meisten Gerichten übrigens auch.

Text: christiane-lutz - Grafik: Christian Fuchsberger

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