Und plötzlich googeln alle Pfefferspray

Vor dem 4. Januar war das noch ganz anders.
Von Matthias Huber

Mehr als 500 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe in der Silvesternacht in Köln sind bei der Polizei eingegangen. Die Debatte um die Integration von Flüchtlingen und Migranten hat das neu befeuert, und Rechtspopulisten auf der ganzen Welt freuen sich jetzt höhnisch, dass Deutschland endlich aufwache. Aber haben die Deutschen nach den Übergriffen von Köln wirklich mehr Angst um ihre Sicherheit? Ein Indiz dafür liefern die Google-Suchtrends. Und die sind ziemlich eindeutig: Begriffe wie "Pfefferspray", "Elektroschocker" oder ganz generell "Selbstverteidigung" sind dort plötzlich sehr gefragt:

Im Januar informieren sich also etwa drei bis vier Mal so viele Menschen bei Google über "Selbstverteidigung" oder eine "Elektroschocker"-Waffe, nach "Pfefferspray" suchen sogar etwa zehn Mal so viele Internetnutzer wie sonst. Der Stichtag für diesen Trend ist offenbar der 4. Januar - der Tag, an  dem die ungewöhnlich hohe Zahl an Übergriffen bekannt wurde:

Interessant ist auch, woher die meisten Suchanfragen stammen: Im Jahresdurchschnitt suchten vor allem Menschen in Sachsen nach den Begriffen - Dresden und Leipzig führen die Liste an. Jetzt aber wollen vor allem die Kölner, Hamburger und Berliner wissen, wie sie sich schützen können.

Aber die Leute suchen nicht nur, sie kaufen auch: 16 der 20 aktuell meistverkauften Artikel bei Amazon in der Kategorie Sport & Freizeit sind Pfeffersprays.

Auch abseits der Amazon-Hitlisten zeigt sich ein beunruhigender Wille zur Aufrüstung: In Düsseldorf und Köln haben sich sogar Bürgerwehren formiert. Felicitas Kock schreibt bei SZ.de darüber, warum das ein gefährlicher Trend ist.

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