So war's unterwegs! Zwei Reiseberichte aus Amsterdam und Bali

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Haythan, 24, studiert Elektrotechnik

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Illustration: Julia Schubert

Strecke: München - Amsterdam - München Treffpunkt: Flughafen München Nützlichstes Gepäckstück: Jacke und Kamera Mitbringsel: Holländische Holzschuhe Er vermisst: Bastilla, Zwiebelhuhn im Blätterteig, mein Lieblingsessen aus Marokko. Das gab es in Amsterdam, hier gibt es das nicht. Die Erzählung: „Ich studiere eigentlich in Paris und bin nur für ein Auslandsemester hier in München. Freunde aus Paris sind am Wochenende nach Amsterdam gefahren und weil ich sie schon so lange nicht gesehen habe, bin ich ihnen spontan hinterhergereist, um sie zu überraschen. Wir haben in einem dieser Hostels gewohnt, die in alten Grachtenschiffen untergebracht sind. Das war schon toll, weil es mal etwas ganz anderes war, als eine gewöhnliche Billigunterkunft. Die sehen ja doch überall gleich aus. Bei gutem Wetter konnten wir uns gemütlich an Deck sonnen und hatten nicht einmal das Gefühl, etwas zu verpassen - weil wir ja mitten in der Stadt waren. Am Fenster unserer Koje schwappte immer das Wasser auf und ab - sehr zur Verwirrung meiner kiffenden Freunde. Ich trinke und rauche nicht und daher war es wirklich höchst interessant und amüsant, sie in ihrem Rausch zu beobachten. Gras wirkt ja auch bei jedem total anders - während der eine grundlos und unaufhörlich zu lachen beginnt, wird dem anderen ganz schrecklich schlecht. Gerade weil alle nur nach Amsterdam fahren, um Marihuana zu rauchen, war es für mich ein spannendes Erlebnis, es eben einmal andersherum zu machen. Am meisten fasziniert haben mich aber eigentlich dann doch die tollen Museen, vor allem das Rijksmuseum mit all den alten Gemälden. Die engen Straßen mit den tollen, schiefen Häuschen und die große, kulturelle Vielfalt waren ebenfalls eindrucksvoll. Ich fühlte mich an einigen Ecken richtig zu Hause - ursprünglich bin ich nämlich aus Marokko und in Deutschland vermisse ich die menschliche Offenheit ein wenig. Man spricht dort nicht viel miteinander, wenn man sich nicht kennt. In Marokko hingegen gibt es ein großes, familiäres Gemeinschaftsgefühl - genau das habe ich auch in Amsterdam erlebt. Die Menschen dort waren ähnlich friedlich und freundlich. Ich habe nicht eine einzige Pöbelei mitbekommen. Und ich glaube, das liegt vor allem daran, dass sich da so viele Nationen auf engem Raum versammeln. Da muss man einfach respektvoll miteinander umgehen. Manchmal kommt es einem vor, als sei die Stadt bloß erfunden oder inszeniert, weil sie so viel unverwechselbare Intensität auf einem so engen Raum bietet. Ich wusste oft gar nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte, weil alles so eindrucksvoll war - die vielen verschiedenen Läden und Restaurants, die psychedelischen Dekorationen, die blinkenden Schilder. Und es war natürlich auch immer ein Stück weit schockierend, diese ganzen jungen Prostituierten in den Fenstern und auf der Straße zu sehen. Amsterdam ist wie ein großer Zirkus.“


Natalia, 32, ist Reporterin und Redakteurin, Kristina, 30, ist Sportlehrerin

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Illustration: Julia Schubert

Strecke: München - Bali - München Unterwegs gelernt: Andere Menschen nur noch so behandeln, wie man selbst gern behandelt werden möchte Mitbringsel: Batikkleider, Kettchen und Teh Botol, ein ganz bestimmter balinesischer Eistee, der ganz leicht nach Yasmin schmeckt Nützlichstes Gepäckstück: Die große Ikeatasche - da kann man einfach alles reinschmeißen. Sei es für den Strand oder bloß, weil der Koffer keinen Platz mehr hergibt. Die Erzählung: „Wir haben uns vor einiger Zeit auf einem Surfcamp in Fuerteventura kennengelernt und versuchen seitdem, so oft es geht gemeinsam in den Surfurlaub zu fahren. Diesmal waren wir 14 Tage auf Bali. Als wir hier losgefahren sind, hatte es in München so um die minus zehn Grad, in Bali waren es gute 30 Grad, das ist schon eine gewaltige Umstellung. Man vergisst völlig, wie sich das anfühlt, dieses konstante Schwitzen. Man trägt schon nur Bikini, trotzdem rinnt der Schweiß ohne Unterlass an einem herab. Aber die meiste Zeit waren wir ja sowieso zum Surfen im Wasser - und das ist in Bali schon ein absolutes Highlight an sich. Das Wasser ist selbst bei hohem Wellengang glasklar, man gleitet über bunte Schatten und Formen hinweg - meistens sind das Korallen und Fischchen. Diese Idylle muss man sich erst einmal begreifbar machen. Waren wir nicht Surfen, haben wir uns massieren lassen - Massagen werden auf Bali ja an jeder Ecke angeboten und sind wahnsinnig günstig. Ohne sie hätten wir es wahrscheinlich gar nicht geschafft, jeden Tag wieder auf die Boards zu steigen. Die Menschen haben eine ganz andere Auffassung des Miteinanders, die meisten sind Hindus - und daher immer bemüht positiv zu sein und niemandem etwas zuleide zu tun. Diebstahl zum Beispiel ist so verpönt, dass es eine richtige Katastrophe für die ganze Inselbevölkerung wäre, wenn etwas wegkäme. Man kann seine Sachen dort also ganz unbefangen herumliegen lassen. Und das Essen ist so gut! Und so günstig! Für weniger als einen Euro bekommt man ein ganzes Festmahl! Wir haben uns nur von frischen Fruchtsmoothies, Banana Pancakes und den vielen verschiedenen Gemüse- und Reisgerichten ernährt. Die Balinesen sind sehr sorgfältig mit der Zubereitung des Essens - nie bekommt man Bauchweh oder etwas vorgesetzt, das zu scharf oder streng gewürzt ist. Wir haben jedes Mal blind von der Karte weggeordert und waren stets begeistert. Schade allerdings ist, dass wir natürlich nicht die einzigen sind, die so begeistert von Bali sind. Wir haben einen Kanadier kennengelernt, der sehr treffend sagte: „Bali is paradise - fucked in the ass“. Und irgendwie stimmt das auch. Der Tourismus zerstört schon einen großen Teil der ursprünglichen Romantik, hauptsächlich sind da Sauftouristen unterwegs. Für die Australier ist Bali nämlich genau das, was für uns Europäer Mallorca ist. Die Flüge sind günstig, der Weg nicht weit und daher lümmeln am Strand und in den Orten genau die gleichen Abschlussklassen mit Saufabsicht wie am Ballermann. Wir haben uns davon aber einfach weitestgehend ferngehalten, das geht nämlich, wenn man will. Nach Feiern war uns abends sowieso nicht zumute, wir waren zu geschafft vom Surfen. Und tagsüber kann man auch an weniger bekannte Strände fahren, die Entfernungen sind nicht groß und Mietroller günstig. Wir kommen nur leider beide ohne unsere Surfbretter zurück. Ich habe meines verkauft und Kristinas wurde am allerletzten Tag von einer Welle entzwei geschlagen. Sie wollte am Abend vor unserer Abreise noch ein letztes Mal hinauspaddeln, da passierte es. Ihr ist zum Glück nichts passiert, aber das Brett war hin. Die Kinder am Strand haben sich über die Überreste gefreut und kamen gleich mit ihren Mopeds an, um sie abzuholen. Die basteln sich da nämlich super Übungsbretter draus. Es war zum Schluss also gar nicht so traurig, weil wir jemanden glücklich gemacht haben. Und mir war mein Board einfach generell zu groß, ich habe es damals an der französischen Atlantikküste gekauft und nun in Indonesien wieder verkauft, das ist auch ein gutes Gefühl.“

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Autorin

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