So war's unterwegs! Zwei Reiseberichte aus Thailand und Kairo

Wer unterwegs war, weiß was. Regelmäßig fragen wir deswegen Reisende nach ihren Erlebnissen. Heute erzählen Dani und Norbert aus Thailand und Bine und Steffi aus Kairo
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Dani, 24, ist Schaufensterdekorateurin, und Norbert 33, ist Zimmermann

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Illustration: Julia Schubert

Strecke: München - Bangkok - München Treffpunkt: Flughafen München Erste Tat in der Heimat: Schwarzbrot kaufen, nahrhaftes Brot gibt es in Asien nämlich nicht Mitbringsel: Ganz viele Klamotten, Bangkok ist ein Shoppingparadies Nützlichstes Gepäckstück: Dani: ein Sarong, weil es Badetuch, Abendkleid und Kopfbedeckung zur gleichen Zeit ist Norbert: Hängematte, so fühlt man sich überall zu Hause Budget für die Reise: 2000 Euro für drei Wochen plus Flug. Mit eigenem Strandbungalow und ungezügelten Ausgaben für Essen - plus Shoppen in Bangkok. Die Erzählung: "Wir kommen gerade von unserem dreiwöchigen Thailand - Urlaub. Wir waren in Bangkok, Koh Phi Phi und Koh Lanta. „Koh“ heißt „Insel“. Koh Phi Phi ist die Insel, auf der „The Beach“ gedreht wurde. Eigentlich hätten wir uns vorher denken können, dass das nicht besonders spannend wird - ist ja bloß ein weißer Strand, wie es ihn auf den anderen Inseln auch gibt. Man assoziiert durch den Film aber soviel aufregendes Abenteuer mit ihr. Richtig nervig waren allerdings die englischen Sauftouristen. Wir haben dann schnell zu Koh Lanta übergesetzt, uns dort einen kleinen Strandbungalow gemietet und es uns einfach gutgehen lassen. Man fühlt sich wie ein rauer Abenteurer, wenn man über so eine Insel wandert - von erklärten Trampelpfaden ist da nämlich keine Spur, man läuft durch die rohe Natur und muss gut aufpassen, wo man hintritt. Gefährliche Tiere haben wir allerdings keine gesehen, bloß jede Menge Geckos. Toll ist es immer, wenn man aus dem Wald auf eine Lichtung gerät, die eine Klippe ist. Wie aus dem Nichts eröffnet sich knapp vor einem dann das türkise Meer, ganz weit und endlos. Und es ist ganz still und warm. Und da wir beide in unserer Freizeit klettern, haben wir unser Kletterzeug natürlich auch immer dabei gehabt. Begegneten wir also einer aufregenden Felswand, haben wir uns einfach an ihr installieren können. Ansonsten waren wir viel schnorcheln und essen. Das Essen ist nämlich wahnsinnig günstig und oft sehr gut. Obwohl man seinen Magen auch etwas abhärten muss, einige Gewürze sind wir Europäer eben nicht so gewöhnt - sie sind einfach zu scharf. Generell gilt: das Essen von Straßenständen ist nicht nur das billigste, es ist auch das beste. Und man sollte wirklich versuchen, sich soviel wie möglich von Früchten zu ernähren. Es schmeisst einem zwar alle Geschmacksrelationen über den Haufen, wenn man einmal eine Mango oder eine Banane frisch vom Baum gegessen hat und plötzlich weiß, wie die ,im Original‘ schmecken. Aber das ist es auch wert. Und bewahrt einen vielleicht davor, den Exportwahnsinn zu Hause so tatkräftig zu unterstützen - weil man weiß, dass die Geschmacksqualität einfach nicht mehr an den eigenen Anspruch heranreicht. Obwohl Thailand leider immer mehr von Touristen als von Einheimischen bevölkert wird, ist es einfach ein tolles, vielseitiges Land. Die Menschen sind so glückselig dort. Wenn wir uns zu einer Religion bekennen würden, dann wohl am ehesten zum Buddhismus.“


Bine, 30, ist Erzieherin, und Steffi, 28, studiert Ethnologie

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Illustration: Julia Schubert

Strecke: München - Kairo - München Unterwegs gelernt: Pauschalurlaub ist zwar verpönt, aber wahrhaftige Entspannung Nützlichstes Gepäckstück: Nagelbürste und Taucherbrille Erste Tat in der Heimat: Philadelphia bei Edeka am Flughafen kaufen - nur dort gibt es noch die tollen, alten Sorten wie Meerrettich oder Lachs. Die Erzählung: „Es ist uns ja fast ein bisschen unangenehm, aber wir kommen gerade von einem fünftägigen Pauschalurlaub in Ägypten. Wir haben dort nicht viel anderes getan als zwischen Meer und Hotel hin- und herzupendeln, nicht einmal eine Pyramide haben wir uns angesehen. Dabei haben wir aber etwas sehr Wichtiges gelernt: Nämlich, dass das die einzige Art und Weise ist, sich endlich einmal so richtig zu entspannen. Normalerweise sind wir richtig hartgesottene Abenteuerreisende, wir waren schon im Dschungel und in Marokko auf Wüstentour - diesmal wollten wir einfach eine ganz andere Seite des Reisens ausprobieren. Ohne Kultur- und Erlebnisdruck. Es war toll. Liegen, essen, baden und schlafen. Sauberes Wasser, frische Handtücher, sicheres Ambiente, wir wurden sogar von den Hotelangestellten daran erinnert, unsere Ausweise und Flugtickets beisammen zu halten und nichts liegen zu lassen. Ein paar Mal hat es uns in unserer faulen Taumelei aber doch in die Stadt verschlagen. Wir haben das zum Anlass genommen, Sozialstudien anzustellen. Das Ergebnis: Der Ägypter ist der Österreicher unter den Afrikanern. Er ist zwar, wie der Marrokaner, wahnsinnig nett und zugewandt, aber nicht so unendlich trantütig und langsam. Was er sagt, das tut er auch, bei aller Gelassenheit. Sehr angenehm. Aufgefallen ist uns auch, dass man kaum Frauen sieht in Kairo. Wir haben uns also auf die Suche gemacht. Als wir im Bus schließlich welche trafen, war das dann aber nicht so nett. Sie standen gleich hinter dem Busfahrer, der uns beim Einsteigen gleich einen Heiratsantrag machte. „Heirate mich, schöne Frau!“ ist übrigens wahrscheinlich auch unser meistgehörte Satz des ganzen Urlaubs. Der Fahrer jedenfalls zögerte nicht, im selben Atemzug zu erzählen, dass er noch Jungfrau sei und deshalb immer verlacht werde, weil das mit 33 Jahren eine absolute Blamage sei. Wir alberten ein wenig mit ihm herum und die Frauen hinter ihm müssen das mit angehört haben. Nicht nur, dass sie uns von vornherein schon so grimmig angesehen haben - das passierte uns einige Male und lag vermutlich daran, dass wir im Gegensatz zu ihnen so freizügig durch die Gegend spazierten - als wir während der Fahrt zwischen ihnen standen, fingen sie an, uns ihre Ellenbogen in die Rippen zu stoßen. In jeder Kurve. Immer etwas zu fest, um noch unabsichtlich zu sein. Wir konnten das erst kaum glauben und fühlten uns massiv ungerecht behandelt. Zum Schluss mussten wir dann aber doch schmunzeln, weil es einfach so skurril war. Unser persönliches Highlight des ganzen Trips aber war das Essen. Da wir schon im Auftrag des puren Wohlbefindens unterwegs waren, ist das nur gerechtfertigt. Wir sind beide Vegetarier und Afrika ist einfach das Paradies der fleischlosen Küche. Verschiedenste Auberginenpasten, Sesamsoßen, viel Knoblauch und schließlich Gemüsesorten in einer Vielzahl, dass es schwer fällt, sie überhaupt alle in Erinnerung zu behalten. Ein großartiger Entspannungsurlaub - als unser Vater gerade anrief, ob er uns etwas als Empfangsgeschenk besorgen kann, fehlten uns die Worte. Uns fällt sonst immer etwas ein, aber diesmal sind wir wunschlos glücklich!“

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Autorin

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