Baby Shambles: Can't stand me now

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daniel-erk

babyshambles.net Mit den Klischees ist es so eine Angelegenheit: Das kann gut gehen und alles noch größer, noch schöner und noch wichtiger machen – oder eben nicht. Sehr knapp am Rande zum Überkandidelten waren letzten Jahr ganz sicher die Libertines, die auf der To-Do-Liste für Rock’n’Roll wirklich jeden Punkt äußerst gewissenhaft abarbeiteten. Die Songs (heftig und pathetisch), der Style (Indiedisco plus Drogenschick), aber vor allem die Geschichte um die Band: Zwei Freunde, ein Band, zu viele Drogen. Wie ja auch in der Presse hübsch nachzuvollziehen war, hat Pete Doherty mittlerweile mehr Bock auf Crack, Modells und seine neue, strikt auf ihn zugeschnittene Band Baby Shambles – und Carl Barat muss bei den Auftritten der Rest-Libertines alle drei Meter die Fragen nach Pete beantworten und die Freundschaft beschwören. Während harte Fans Re-Union-Strategien entwerfen (obskure Gigs im Fränkischen stehen zur Debatte) und der NME an der Verbreitung der Details des Streits gut verdient, ist musikalisch recht wenig passiert. Pete Doherty veröffentlicht zwar regelmäßig dahingerotzte Songs über seine Homepage babyshambles.net – wie weit das alles aber vom Niveau der Libertines entfernt ist, wird bei Dohertys Schrammelrockversion seines 2004er Hits „Can’t Stand Me Now“ offenbar. Die hymnische Überlegenheit ist weg, hier singt ein junger Mann ein Lied aus besseren Zeiten über Freundschaft und Selbsthass. Und so, wie er es singt – man muss ihm glauben. Klischees hin oder her. Speichern Unter: Ein Mann, seine Gitarren und seine Drogensucht – der Überhit des letzten Jahres als sensible Schrammelrocknummer.

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