Eine Ode an die analoge Verletzlichkeit

Wie der isländische Musiker Johann Johannsson mit anachronistischen Monstern spielt
tobias-feld

Es war die Zeit, als Computer-Programmierung noch einer Pionierleistung gleichkam: 1964 warf IBM seinen ersten Rechner auf Markt, wobei das maßlos übertrieben ist – die Rechenmaschinen waren mannshoch. Außerdem fraßen sie beträchtlich Zeit für die simpelsten Prozesse und kosteten ein Vermögen. So ein Koloss stand also auch in Islands-IBM-Zentrale und Johann Gunnarsson zählte zu den elitären und ingeniösen Entwicklern, der diesen Maschinen Leben einhauchte; und nebenbei noch als erstes Musikinstrument zu nutzen vermochte. Programmiert und mit einem Mittelwellenradio bestückt, setzte er die Störfrequenzen des Prozessors in Töne um.

Johann Johannsson: Warm und Zerbrechlich Diesen musikalischen Output fand nun sein Sohn Johann Johannsson, auf Magnetbändern gebannt, auf den Speicher seiner Eltern – sie diente ihm als Ausgangspunkt, um den nun der Isländer sein Album schichtet. "IBM 1401 – A User´s Manual” ist vor allem Dingen eines: Entschlackt. Die rohe Eleganz der mit Brummspannung versetzen Modul-Melodien paart sich mit dem zerbrechlichen Gesang Johann´s und dem reduzierten Himmelsstreichern. Schön das, in einer Zeit, in der viele Produktionen die analoge Wärme und Verletzlichkeit abhanden kommen ist. So, wie die Welt das bei Gershon Kingsley oder Jean Jacques Perry liebte. Speichern unter: die bezaubernde Welt der Brummspannung