Pathos mit dem Teelöffel

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Illustration: Julia Schubert

kleinstadthelden.de Der Indiepopzirkus schreit ständig nach neuen Namen, bestenfalls Geheimtipps, die einem der Mitbewohner empfiehlt, die dann auf schmachtenden Tapes oder WG-Küchen-Mix-CDs landeen – und ein Jahr später verwunschen werden, weil dann doch alle am großen Pathos, am sommerlichen Kitsch und jugendlichen Wir-Gefühl teilhaben wollen. Das wird bei Clickclickdecker so nicht passieren. Der Hamburger – ja, doch: Songwriter Kevin Hamann, der sich hinter dem obskuren Pseudonym versteckt, ist dazu zu geschmäcklerisch, zu wenig auf die großen Melodien und Momente aus. Und das ist ganz toll so. Clickclickdecker schöpft den Pathos mit dem Teelöffel, nicht mit der Suppenkelle. In seinen Texten ist der Schmerz nicht überlebensgroß, sondern so bitter banal wie im eigenen, kleinen Leben und das macht „Wer erklärt mir, wie das hier funktioniert“ sehr sympathisch. Es geht nicht darum, Verbrüderung zu zelebrieren, hier erzählt einfach jemand Geschichten aus seinem Leben und man kann zuhören. Kann Zeilen und Zusammenhänge aufschnappen und sich getröstet fühlen: Woanders wird also auch gezweifelt und gelitten, geliebt und gelacht. Sind doch irgendwie gute Nachrichten, immer wieder. Speichern unter: Kettcar ohne bierseliges Schulterklopfen Ps. Das ganze Album, auch ganz toll, kann man über Clickclickdeckers Homepage ordern.

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