Schießen Sie nicht auf den einsamen Plastikpianisten

„True love is hard to find“ stöhnt ein junger Mann mit letzter Kraft.
daniel-erk
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Illustration: Julia Schubert

„True love is hard to find“ stöhnt ein junger Mann mit letzter Kraft. Es sind die Zeilen eines verehrten Mädchens an ihn, einer angehenden Schriftstellerin mit perfekt sortiertem Bücherregal und Erfolg im Scrabble-Spiel. Sie hat ihm diese Nachricht auf dem Bett hinterlassen. Ganz offenbar: Das Leben ist eine Last. Angst und Schwermut gesellen sich zu einem Gefühl des Kleinseins und fügen sich, oh Wunder, auf herzerweichende Weise zu einem Liedchen zusammen, das einem den Tag, die Woche, das Leben rettet. Musik in dieser Weise bringt einem schon mal, mit Recht, den Stempel „Morrissey unserer Tage“ ein. Gesagt hat dies James Murphy vom New Yorker Label DFA und die Rede ist von Casiotone for the painfully alone (Cftpa, wie Kenner sagen) und dem Stück „Roberta C.“ vom letzten Album „Twinkle Echo“. Nun kommt ein neues, viertes Album mit dem tollen, bürgerlichen Namen „Etiquette“. Dort ist alles wie immer und alles anders. Owen Ashworth, 28 Jahre alt und der Kopf vor und hinter Cftpa, hat die schrottigen, batteriebetriebenen Keyboards und das 4-Spur-Gerät bei Seite gelegt und schöpft nun aus dem Vollen der technischen Möglichkeiten, um seine Musik zu weiterer Größe zu treiben. Zwar klingt Cftpa weniger roh, dafür umso rührender, beklemmender und erlösender. Die Vorabsingle zum Album, "Young Shields" (zu der es einen charmanten Videowettbewerb gibt), und da jahreszeitlich etwas ungeschickte "Cold White Christmas", sind gute Zeugen Speichern Unter: Casiotone - Schaltet den Schmerz an. Schnell.

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