Vorschuß! Lorbeeren! Der erste Song vom neuen Notwist-Album

Manch einer hat schon nicht mehr daran geglaubt, aber irgendwie hat es die wichtigste deutsche Band doch geschafft, eine neue Platte zu vollenden. Was man heute schon davon hören kann, hält den höchsten Erwartungen stand
max-scharnigg

Erstmal: Laut Cityslang-Chef Christof Ellinghaus ist es ein „hammerschönes Album“ geworden. Wenn der Labelbesitzer davon erzählt, spricht aus seinen Worten aber nicht nur die Freude über die „unheimlich dichte“ Musik, sondern auch darüber, dass es überhaupt endlich was geworden ist, mit The Notwist. Weltvergesssen und akribisch, so Ellinghaus, hätten die Acher-Brüder an dem Werk gebastelt, verworfen, verändert - mit einer sturköpfigen Seelenruhe, die einen Musikfunktionär glaubhaft in den Wahnsinn treiben kann.

Dabei ist es schon stattliche sechs Jahre her, dass die Band mit ihrem international hochdekorierten Album „Neon Golden“ den Höhepunkt der „Weilheimer Musik“ markierte. Damals schien es, die genialischen Notwist und das quirlige Netzwerk, das sich zwischen ihnen, den Weilheimer Uphon-Studios und dem Hausmusik-Label aufspannte, hätten Potential noch das ganze Jahrzehnt mit Ideen aus Postrock, Jazz und Elektronik in Atem zu halten. Stattdessen aber legte sich mit der Ruhe nach „Neon Golden“ auch über großartige Formationen wie Lali Puna oder das Tied&Tickled Trio ein Schatten der Unscheinbarkeit und auch des Vergessens. Die Impulse kamen auf einmal wieder woanders her und zwei Jahre später sprach man beim Bier von „Weilheim“ schon mit jenem nostalgischen Ton, mit denen von anderen Arkadien der Musikwelt wie Seattle, Memphis, Island, gesprochen wird. Als schließlich letztes Jahr noch das trotzige Hausmusik-Label dicht machen musste, schien es, als wäre Oberbayern endgültig wieder aus der Poplandschaft gestrichen worden – und von The Notwist gab es zu diesem Zeitpunkt nichts als die ewigen vagen Gerüchte. Jetzt, mit diesem ersten neuen Lied ist damit Schluss. Good Lies ist ein herrlicher, nahezu klassischer Notwist-Song, hypnotisch einfach und doch ungeheuer vielschichtig. Er lässt für den Mai Großes hoffen. Dann soll das Album „The Devil, You+Me“ von The Notwist erscheinen.