Die Menschheit braucht keine Chips für Einkaufswagen!

Du dachtest, die Dinger wären da, um die Ordnung aufrechtzuerhalten? Ha!
Von Splendido Magazin
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Foto: Splendido Magazin

Einkaufen ist etwas Herrliches. Und Einkaufswagen machen das Einkaufen noch herrlicher: Tasche oder wahlweise ein ganzes Kind hineingelegt und geradewegs losflaniert ins Reich der Konsumgüter. Alles, was einem auf dem Weg zur Kasse unwiderstehlich erscheint, kann man gedankenlos in den großen Wagen fallen lassen und völlig unbeschwert von den Lasten der Mobilität durch Regale und Thekenlandschaften schieben. So einfach ist es um das Prinzip des Einkaufswagens bestellt. Was mir allerdings mein Lebtag ein Rätsel bleiben wird: der Einkaufswagenpfand.

Mir ist klar, dass der normalerweise ein Euro teure Pfand dazu dienen soll, Einkaufswagendiebstahl vorzubeugen. Beziehungsweise die Menschen dazu zu bewegen, die für einen Euro Gebühr ausgeliehenen Wagen schön brav wieder in ihren Wagenstall zurückzubringen und ihr sauer verdientes Münzchen zurückzubekommen. Nun bekommt man ja aber, zumindest seit ich denken kann, an jeder Ecke kostenlose Werbe-Plastikchips zum Einsatz in den Einkaufswagen hinterhergeschmissen. Ich würde behaupten wollen, dass jeder Mensch zu Hause in etwa soviele Werbe-Pfandchips für Einkaufswagen rumliegen hat wie Werbekugelschreiber und Feuerzeuge. Wäre man also zu faul, den Wagen wieder in seinen Stall zu fahren oder hätte das dringende Verlangen nach dem Besitz eines formschönen Rewe-Einkaufswagens, müsste man lediglich eines dieser kostenlosen Plastikschrottexemplare dafür opfern. Habe ich irgendetwas falsch verstanden, wenn ich also glaube, dass diese kleinen Nicht-Münzen ihr eigenes Prinzip untergraben?

Die Sinnlosigkeit des Pfandprinzips begegnet einem ja übrigens auch im Garderobensektor. In Museen, Theatern, Bibliotheken kann man seine Jacken und Taschen nicht wegsperren, ohne eine Auswahl an Münzgeld stecken zu haben. Die einen verlangen für das Schlüsselumdrehen fünfzig Cent, die anderen zwei Euro. Oft musste ich ein Museum oder eine Bibliothek vor dem Einsperren meiner Besitztümer noch einmal verlassen, mir an einem Bankautomaten Geld ziehen und es mir von einem Menschen mit Kasse wechseln lassen, bevor ich endlich loslegen konnte mit meinen eigentlichen Vorhaben. Oft tröste ich mich dann noch sanftmütig mit dem Gedanken, dass die Garderobenschränke sicherlich teuer waren und irgendjemand sie ja auch reinigen muss und dass sie Stellfläche kosten, und dass ich dem Museum den Euro dann ja gönne…  bis mir natürlich wieder einfällt, dass ich den Euro ja sowieso zurückbekomme! Er ist also keine Entlohnung. Er ist aber auch keine Mahnung, den eigenen Krempel wieder mitzunehmen, denn das will man ja sowieso. Und selbst wenn nicht, ist ein Euro kein teurer Preis, um etwas Schund zu entsorgen. Wobei da sowieso niemandem einfallen würde, das ausgerechnet in der Pinakothek der Moderne zu tun.

Pfandschloss-Industrie: Ich habe dich entlarvt. Du bist überflüssig. Ein Irrtum! Eine Verschwörung! Zuhülf! Petition! Aber wer hört schon auf eine arme Schmierfinkin wie mich?

Dieser Text ist zuerst im Splendido-Magazin erschienen, einem der Blogs, mit denen wir kooperieren.

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