Zehn Dinge, die du nicht über Realschulen wusstest

Viele reden übers Gymnasium, dabei haben Realschulen auch ganz schön viel zu bieten. Zehn Fakten über Realschulen, die du wahrscheinlich noch nicht kanntest.

In manchen Familien spielen sich vorm Schulwechsel Dramen ab: Wo soll das Kind nur hingehen? Langsam, aber sicher tritt dabei die Realschule aus dem Schatten des Gymnasiums. Die Realschule kann nämlich einiges – nur ist das noch nicht so bekannt. Oder wusstet ihr etwa diese 10 Dinge bereits?

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1. Mit einem Realschulabschluss stehen einem alle Möglichkeiten offen.

 

Weiß wirklich jedes Kind bereits in der vierten Klasse, ob und was es einmal studieren wird? Wahrscheinlich nicht. An der Realschule hat man alle Möglichkeiten: Mit dem Abschlusszeugnis der 10. Klasse abgehen und eine Ausbildung machen, das Abitur oder das Fachabitur machen, studieren oder auch nicht – die Entscheidung liegt bei Kind und Eltern. 

2. Digitalisierung wurde an Realschulen schon vor Corona gelebt.

 

Digitaler Unterricht und dann noch von zu Hause aus? Die Corona-Zeit war für viele Schulen ein Schock. Natürlich mussten auch die Schülerinnen und Schüler an den bayerischen Realschulen sich umstellen. Aber in der Krisenzeit hat sich rentiert, dass die Realschulen seit Jahren eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung einnehmen. Bereits seit vielen Jahren werden die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an den bayerischen Realschulen gezielt gefördert.

3. Die Realschulen fördern genau die Fächer, in denen Spezialistinnen und Spezialisten gesucht werden.

 

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – in der Wirtschaft werden händeringend Fachkräfte aus den sogenannten MINT-Fächern gesucht. Gerade Mädchen und Frauen trauen sich oft noch zu wenig an diese Fächer heran. Die Initiative MINT21DIGITAL der bayerischen Realschulen hat sich daher besonders der Mädchen-Förderung verschrieben. Ein weiteres Ziel der Initiative ist es, mehr Schülerinnen und Schüler für den mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Wahlpflicht-Bereich zu begeistern.

4. An Realschulen gibt es Begabtenförderung.

 

Begabtenförderung klingt für manche vielleicht nach Gymnasium, aber auch die Realschulen engagieren sich für besonders talentierte Schülerinnen und Schüler. Von der 7. bis zur 10. Jahrgangsstufe können die Schülerinnen und Schüler sogenannter Talentklassen oder Talentgruppen einen Zusatzkurs belegen und in der Abschlussprüfung sogar eine zusätzliche Prüfung in dem Fach ablegen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

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5. In die Wirtschaft oder doch lieber Sportkarriere? Beides geht.

 

Über den Wahlpflichtbereich können die Schülerinnen und Schüler sich spezialisieren und sich vertieftes theoretisches und praktisches Wissen aneignen. Dabei stehen vier unterschiedliche Bereiche zur Auswahl:

  • der mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Bereich (Schwerpunkt auf Mathematik, Physik, Chemie und IT)
  • der wirtschaftswissenschaftliche Bereich (Schwerpunkt auf Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen, Wirtschaft und Recht sowie IT)
  • der fremdsprachliche Bereich (Schwerpunkt auf Französisch, Spanisch oder Tschechisch und Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen)
  • der musisch-gestaltende/hauswirtschaftliche/soziale Bereich

 

Wer also schon in der Schule merkt, dass er gern Menschen hilft, besondere Talente im Sport oder musischen Bereich hat oder mit BWL-Kenntnissen in den Beruf starten will, kann sich bereits spezialisieren. Wie immer an der Realschule geht es dabei nicht nur um die Vermittlung theoretischen Wissens, sondern auch um die Anwendung in der Praxis und die Entwicklung der Persönlichkeit.

6. An Realschulen gibt es viele Fremdsprachenangebote.

 

Gute Fremdsprachenkenntnisse werden in einer zunehmend digitaler und flexibler werdenden Arbeitswelt immer wichtiger. Auch hier kann die Realschule punkten: In vielen Realschulen in Bayern kann man neben Englisch auch Französisch, Spanisch oder in Grenznähe sogar Tschechisch lernen. Die Schülerinnen und Schüler können hier international anerkannte Sprachzertifikate erwerben: Beispielsweise den PET (Cambridge Preliminary English Test) in Englisch oder das DELF-Diplom in Französisch.

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7. Medienbildung ist selbstverständlich.

 

Woran erkennt man Fake News? Wie überprüfe ich die Quelle, wenn jemand auf YouTube etwas behauptet? Wie sieht ein gesunder Umgang mit Medien aus? Ohne Medienbildung fällt die Orientierung in der heutigen Welt schwer. Auch in diesem Bereich gehen die Realschulen voran: Sie haben seit 2016 Schritt für Schritt ein Netzwerk sogenannter Medienreferenzschulen aufgebaut, die sich besonders für die Stärkung der Medienkompetenz einsetzen. Zudem beteiligen sich Realschulen am Modellprojekt Digitale Schule 2020.

8. Mehr Praxis geht kaum.

 

Wohl in jedem Klassenzimmer hört man irgendwann die genervte Schülerfrage, wofür man ausgerechnet das denn bitte später brauchen solle. Es gibt zwar keine Statistik zur Häufigkeit der „Wozu muss ich das wissen“-Frage, aber vermutlich hört man sie an Realschulen nur selten. Denn mehr Praxisbezug als an der Realschule geht kaum. Wirtschaft und ökonomische Bildung spielen eine große Rolle und bereiten auf Beruf und Leben vor. Praktika und Schnupper-Veranstaltungen bei Unternehmen sind eine Selbstverständlichkeit.

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9. Der Realschul-Unterricht ist anspruchsvoll.

 

Theorie und Praxis – um beides geht es an der Realschule. Der Unterricht verbindet beides. Das bedeutet aber nicht, dass der Unterricht deswegen leicht ist. Er ist anspruchsvoll und gerade deswegen gilt der Realschulabschluss in Mittelstand, Industrie, Verwaltung, aber auch in kreativen und sozialen Berufen als Qualitätssiegel.

10. Viele Prominente waren auf einer Realschule

 

Topmodel Barbara Meier besuchte eine Realschule in Amberg, danach machte sie ihr Fachabitur. Auch Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann und Ex-Bayern-Star Philipp Lahm entschieden sich für die Realschule. Ebenfalls einen Realschulabschluss haben Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Rapper Cro und der YouTuber Freshtorge alias Torge Oelrich. Und Grünen-Politiker Cem Özdemir ist heute noch stolz darauf, nach einem Jahr Hauptschule den Wechsel auf eine Realschule geschafft zu haben, wie er der „SZ“ verriet. Dies hätten ihm damals nicht alle zugetraut.

*Fotos: Staatliche Realschule Ebermannstadt

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